Wirtschaft

Protest gegen niedrige Preise Bauern blockieren Lidl-Lager mit Treckern

dd601b95b0c18cc1af2af8baa10219eb.jpg

Mit rund 100 Treckern sendeten die Bauern ein starkes Zeichen ihres Ärgers aus.

(Foto: dpa)

Seit Jahrzehnten klagen Deutschlands Landwirte über niedrige Preise, viele mussten schon aufgeben. Nun bricht sich der Unmut mit Trecker-Demos in mehreren Landesteilen Bahn. Die Bauern sind sauer über einen Brief des Lebensmittelhandels an Kanzlerin Merkel.

Landwirte haben wieder in mehreren Bundesländern gegen ihrer Ansicht nach zu niedrige Preise im Lebensmittelhandel protestiert. In Cloppenburg blockierten nach Polizeiangaben rund 100 Traktoren die Zufahrt zu einem Zentrallager des Discounters Lidl. Im benachbarten Emstek beteiligten sich den Angaben zufolge 20 Traktoren an der Blockadeaktion. Auch in Rade (Kreis Harburg) und in Schwanewede hatten Landwirte bis zum frühen Morgen die Zufahrt zu Lidl-Lagern blockiert.

Eine Treckerdemo gab es auch in Westerkappeln (Kreis Steinfurt/NRW) nahe der niedersächsischen Grenze. In Kiel versperrten Bauern die Zufahrt zu einem Rewe-Logistikzentrum. Bis etwa 23 Uhr dauerte die Aktion am Montagabend an, wie die Polizei mitteilte. Ungefähr 100 Personen hätten an der Demonstration teilgenommen, 70 Traktoren seien vor Ort gewesen. Hintergrund sind die aus der Sicht der Landwirte existenzgefährdenden Niedrigpreise im Lebensmittelhandel.

Auch in Rostock kam es in der Nacht zu Dienstag zu einer Demonstration von Landwirten. Mit Dutzenden Traktoren blockierten Bauern ein Lidl-Logistikzentrum. Ein Sprecher der Bauern-Initiative "Land schafft Verbindung" in Niedersachsen hatte im Zusammenhang mit der Aktion bei Lidl angekündigt, dass die Proteste in Schleswig-Holstein bei Rewe und am Donnerstag in Hamburg bei Edeka fortgesetzt werden sollen.

Die Landwirte sind wütend über einen Brief der großen Handelsketten an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Darin hatten sich die Topmanager der Konzerne Edeka, Rewe, Aldi und der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) über Äußerungen von Bundesagrarministerin Julia Klöckner beschwert. Die CDU-Politikerin hatte einen Gesetzesentwurf auf den Weg gebracht, mit dem Landwirte und kleinere Lieferanten besser vor dem Preisdruck der Handelsriesen geschützt werden sollen. Sie sprach von teils unfairen Bedingungen. Klöckner habe ein Zerrbild der Handelsunternehmen gezeichnet, klagten die Supermarkt-Ketten.

Auch Streit wegen Schweinefleischpreis

Vergangene Woche hatten auch die Schweinefleischpreise für Krach zwischen Bauern und Handel geführt. Bauernpräsident Joachim Rukwied klagte am Mittwoch in der "Augsburger Allgemeinen", die Landwirte bekämen aktuell mit 1,19 Euro pro Kilogramm Schweinefleisch über 40 Prozent weniger als zu Jahresbeginn. "Bei diesem ruinösen Preis macht jeder Schweinehalter massive Verluste." Da Preise im Einzelhandel stabil seien, "gehen wir davon aus, dass innerhalb der Lebensmittelkette auf dem Rücken der Bauern gut verdient wird", kritisierte Rukwied. Der Bauernpräsident ärgerte sich außerdem über häufige Lockangebote in den Supermärkten: "Uns ist schon bewusst, dass es hin und wieder Aktionen geben muss. Aber das ständige Werben mit Niedrigpreisen ist inakzeptabel."

Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) wies die Kritik zurück. Der Rückgang der Fleisch-Erzeugerpreise seit Jahresbeginn habe mehrere Ursachen, sagte BVLH-Sprecher Christian Böttcher. Der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in der Bundesrepublik habe die Nachfrage vor allem aus China verringert. Gleichzeitig sei der Absatz an die Gastronomie und an Großverbraucher aufgrund der Corona-Krise eingebrochen. Der Lebensmittelhandel sei als stabiler Absatzkanal für Fleisch und Wurst übrig geblieben.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.