Wirtschaft

Neues Glyphosat-Urteil in USA Bayer muss weniger Schadenersatz zahlen

122372900.jpg

Bayer wurde zur Last gelegt, nicht ausreichend vor den Gefahren des Unkrautvernichters Roundup gewarnt zu haben.

(Foto: picture alliance/dpa)

Von der ursprünglichen Strafzahlung in Höhe von zwei Milliarden Dollar bleibt nicht mehr viel übrig. Bayer wird in dem Prozess um die Krebserkrankungen eines amerikanischen Ehepaars im Zuge des Einsatzes von Glyphosat weniger zahlen müssen. Der Konzern ist mit dem Richterspruch nicht zufrieden.

Bayer kommt in einem der wichtigen Glyphosat-Prozesse in den USA mit einer deutlich geringeren Strafzahlung davon. Die zuständige Richterin Winifred Smith senkte den von einer Jury verhängten Schadenersatz für die an Krebs erkrankten Kläger von insgesamt rund 2 Milliarden auf 86,7 Millionen Dollar. Das sind umgerechnet rund 77,8 Millionen Euro.

Bayer
Bayer 64,99

Das Ehepaar Alva und Alberta Pilliod hatte den glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup des von Bayer übernommenen US-Herstellers Monsanto für seine Erkrankung an Lymphdrüsenkrebs verantwortlich gemacht. Die Geschworenenjury entschied im Mai, dass Bayer haftbar sei und verurteilte den Konzern zu hohem Schadenersatz. Richterin Smith hatte allerdings schon eine Reduzierung angekündigt, da das Strafmaß den zulässigen verfassungsrechtlichen Rahmen überschreite.

Bayer bezeichnete die Entscheidung als Schritt in die richtige Richtung, kündigte aber Berufung an. Das Unternehmen vertrete weiterhin die Ansicht, dass das Urteil und der Schadenersatz nicht von den Beweisen gestützt werden, teilte Bayer mit. Die Richterin hatte einen Antrag von Bayer abgelehnt, die Strafe ganz zu streichen.

Letztlich ändert der verringerte Schadenersatz auch nichts am Urteil, dass Bayer für die Krebserkrankung der Pilliods haften muss. Dem Unternehmen war auch zur Last gelegt worden, nicht ausreichend vor den Gefahren von Monsantos Unkrautvernichter Roundup gewarnt zu haben. Bayer hatte den US-Saatgutriesen 2018 für rund 63 Milliarden Dollar gekauft und damit immense Rechtsrisiken übernommen.

Konzern mit 13.400 Klagen konfrontiert

122676904.jpg

Das Ehepaar Pilliod (l. u. 3 v.l.) und Alberta Pilliod hatten auf Schadenersatz geklagt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nun müssen die Pilliods entscheiden, ob sie den reduzierten Schadenersatz akzeptieren oder einen neuen Prozess wollen. Ihr Anwalt Brent Wisner bezeichnete die Entscheidung des Gerichts trotz des gesenkten Strafmaßes insgesamt als "großen Sieg". Es ist bereits der dritte Glyphosat-Prozess, den Bayer in den USA verloren hat. Zwar wurden die von Geschworenenjurys verhängten Strafen jedes Mal später gesenkt, doch der Druck für den Dax-Konzern bleibt hoch.

Bayer ist in den USA mit mehr als 13.400 Klagen wegen angeblicher Krebsgefahren von Monsanto-Produkten konfrontiert. Bislang setzt der Leverkusener Pharma- und Agrarkonzern konsequent darauf, die Urteile vor Berufungsgerichten anzufechten. Allerdings werden solche Massenklagen in den USA meist früher oder später mit einem Vergleich beigelegt. Ein Bundesgericht in San Francisco, bei dem mehrere Hundert Glyphosat-Klagen gebündelt sind, hat Bayer bereits zu einer gütlichen Einigung gedrängt und einen Schlichter bestellt.

In der Forschung ist die Frage, ob die in Roundup enthaltene Chemikalie Glyphosat eine krebsauslösende Wirkung hat, umstritten. Die US-Umweltbehörde EPA und auch die Aufsichtsbehörden in der EU und Deutschland gelangten zu dem Schluss, dass von Glyphosat keine Krebsgefahr ausgeht. Dagegen konstatierte die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) vor drei Jahren, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend bei Menschen" sei.

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa/AFP

Mehr zum Thema