Wirtschaft

Gewaltige Abschreibungen Bayer tief im Minus - Fortschritte bei Prozessen

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Bayer erlöst im Sommer weniger und verdient nichts.

(Foto: imago images/Countrypixel)

Der Chemiekonzern Bayer muss zur Beilegung des Glyphosat-Komplexes tiefer als gedacht in die Tasche greifen. Zudem bessert der Konzern bei seinem Angebot nach. Im Tagesgeschäft sorgen Wertberichtigungen und die Corona-Krise für einen Milliardenverlust.

Der Glyphosat-Vergleich in den USA wird für Bayer teurer als zunächst gedacht. Vorstandschef Werner Baumann geht inzwischen davon aus, dass ein wichtiger Teil des Vergleichspakets etwa zwei Milliarden Dollar kosten wird und damit mehr als die ursprünglich erwarteten 1,25 Milliarden. Dabei geht es um den Umgang mit möglichen künftigen Klagen wegen der angeblich krebserregenden Wirkung des Herbizids. Dieser Teil stand auf der Kippe, nachdem der zuständige US-Bezirksrichter daran Zweifel geäußert hatte. Bayer überarbeitete das Konzept und erwartet den Abschluss einer formellen Vereinbarung mit den Klägeranwälten in den nächsten Wochen, wie Baumann ankündigte.

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Warum das überarbeitete Konzept teurer ist und welche Änderungen es vorsieht, wollte Baumann nicht sagen. Die Details seien vertraulich. Die Bedenken des Gerichts würden aber in "zufriedenstellender Weise" berücksichtigt. Das ursprüngliche Konzept sah unter anderem die Einrichtung eines unabhängigen Wissenschaftsgremiums vor. Dieses sollte entscheiden, ob und zu welchen Mengen der glyphosathaltige Unkrautvernichter Roundup - der seit der Übernahme von Monsanto zur Bayer-Produktpalette gehört - Krebs verursacht. Nachdem der zuständige Richter Vince Chhabria Bedenken an diesem Vorschlag geäußert hatte, zog Bayer Anfang Juli seinen Antrag auf vorläufige Genehmigung zurück. Dieser soll nun in den nächsten Wochen wieder gestellt werden.

Bayer hatte sich Ende Juni in dem Rechtsstreit mit einem Großteil der Kläger geeinigt und war damals davon ausgegangen, dass für den Vergleich und mögliche künftige Fälle bis zu 10,9 Milliarden Dollar fällig werden. Der Umgang mit künftigen Glyphosat-Klagen ist ein entscheidender Bestandteil des Vergleichs, da der Leverkusener Konzern eine Lösung finden muss, das Risiko künftiger Klagen zu mindern, ohne Roundup dafür vom Markt zu nehmen. Inzwischen seien für 88.500 der insgesamt 125.000 eingereichten und drohenden Klagen Einigungen erreicht worden, sagte Baumann. Bayer hoffe, in den nächsten Monaten erhebliche Fortschritte zu machen.

Neue Stellenstreichungen

Während der Pharma- und Agrarchemie-Konzern an der Prozessfront Fortschritte macht, leidet das Tagesgeschäft unter den Folgen der Corona-Pandemie. "Wir erleben derzeit eine beispiellose weltweite Krise", sagte Baumann. Diese bekommt mit dem Agrargeschäft just jener Bereich am stärksten zu spüren, den Bayer durch die Monsanto-Übernahme deutlich ausgebaut hatte. "Hinzu kommen negative Währungseffekte wie die massive Abwertung des brasilianischen Real, die das Geschäft im zweitgrößten Agrarmarkt der Welt deutlich belastet", räumte Finanzchef Wolfgang Nickl ein.

Im dritten Quartal sank der Umsatz in der Sparte vom allem in Nordamerika erheblich angesichts höherer Retouren und niedrigerer Lizenzeinnahmen bei Maissaatgut, da Anbauflächen geringer ausfielen als geplant. Die Belastungen im Agrargeschäft führten zu Wertberichtigungen von 9,25 Milliarden Euro. Finanzchef Nickl sagte, man könnte nicht herunterbrechen, wie viel davon auf die übernommenen Geschäfte von Monsanto entfielen. Zwei Drittel davon seien aber technisch aus Währungs- und Zinseffekten getrieben. Langfristig sei der Vorstand sehr zuversichtlich für das Agrargeschäft, "daran ändert sich ausdrücklich auch nichts aufgrund der derzeitigen Krise", betonte Baumann.

Im dritten Quartal muss Bayer allerdings einen Verlust von 2,74 Milliarden Euro nach einem Gewinn von rund einer Milliarde Euro vor Jahresfrist verdauen. Bereits im zweiten Quartal stand wegen Rückstellungen für den Glyphosat-Vergleich schon ein Minus von 9,5 Milliarden Euro zu Buche. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) fiel von Juli bis September um mehr als ein Fünftel, nämlich 21 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Der Umsatz sank um 13,5 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro, was währungsbereinigt ein Rückgang von gut fünf Prozent war.

Während sich die Pharmasparte erholte, ging es im Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten deutlich aufwärts, da in der Pandemie vor allem die Nahrungsergänzungsmittel des Unternehmens gefragt waren. Die bereits im Sommer gesenkten Jahresziele bekräftigte Bayer. Details zur geplanten Verschärfung des Sparprogramms will der Vorstand erst Anfang 2021 bekannt geben. Bereits jetzt steht aber fest, dass es zu weiteren Stellenstreichungen kommen wird.

Quelle: ntv.de, jwu/rts

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