Wirtschaft

Zulieferer saniert sich selbst Bei Conti wackeln 20.000 Jobs

Die Zulieferer-Branche befindet sich in Zeiten des Umbruchs. Continental reagiert auf die kriselnde weltweite Autoproduktion mit dem größten Umbau in der Unternehmensgeschichte. Zahlreiche Mitarbeiter müssen mit Kündigungen oder anderweitigen Beschäftigungsfeldern rechnen.

Der kriselnde Zulieferer Continental legt ein Sanierungsprogramm auf, von dem etwa ein Zehntel der weltweit rund 244.000 Arbeitsplätze betroffen ist. Im Zuge der vom Aufsichtsrat eingeleiteten Veränderungen seien binnen zehn Jahren voraussichtlich bis zu 20.000 Arbeitsplätze betroffen - darunter 7000 der mehr als 62.000 Jobs in Deutschland. Das teilte der Dax-Konzern aus Hannover im Anschluss an eine Sitzung des Aufsichtsrats mit.

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Auch betriebsbedingte Kündigungen schließt Conti nicht aus. Diese seien aber das "allerletzte Mittel", sagte Vorstandschef Elmar Degenhart. Die geplanten Veränderungen reichen von Stellenabbau über Verlagerungen innerhalb des Konzerns bis hin zum möglichen Verkauf von Geschäftsteilen. Ein Werk in den USA mit 650 Mitarbeitern und ein Standort in Malaysia mit 270 Beschäftigten sollen dichtgemacht werden. Über weitere Projekte werde noch verhandelt, hieß es.

Ziel sei es jedoch, vielen der betroffenen Mitarbeiter auf dem konzerninternen Arbeitsmarkt neue Beschäftigungen anzubieten. In Bereichen wie der Softwareentwicklung werden Conti zufolge neue Arbeitsplätze "in hoher Zahl" entstehen. Dazu will der Konzern die Weiterbildung anschieben. Mit dem Strukturumbau und der Strategie für das Jahr 2030 sei Conti gut vorbereitet auf den Wandel in der Branche, sagte Degenhart. "Wir gehen darüber hinaus mit unserem Strukturprogramm die sich abzeichnende Krise in der Autoindustrie offensiv an und werden wie vor zehn Jahren aus ihr ein weiteres Mal gestärkt hervorgehen."

Die Höhe des Stellenabbaus bezifferte das Unternehmen indes nicht. Dies hänge von den nun beginnenden Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretungen an den einzelnen Standorten ab, sagte ein Sprecher. Die Kosten sollen durch den Umbau ab 2023 jährlich um eine halbe Milliarde Euro sinken. Insgesamt dürfte das Unterfangen mit rund 1,1 Milliarden Euro zu Buche schlagen, der Großteil davon in den Jahren 2019 bis 2022.

Geschäftsziele mehrfach heruntergeschraubt

Mit dem größten Umbau in der Unternehmensgeschichte reagiert Continental auf den Rückgang in der weltweiten Autoproduktion und die stärkere Nachfrage der Kundschaft nach digitalen Lösungen. Den Niedersachsen macht - wie anderen Zulieferern und Autobauern auch - die anhaltende Konjunkturschwäche zu schaffen. Der Konzern hatte deshalb in den vergangenen gut zwölf Monaten mehrfach seine Geschäftsziele heruntergeschraubt. In Feldern wie der Elektromobilität will das Unternehmen dagegen weiter wachsen und Personal einstellen.

Ende Juli hatte das Management ein Programm angekündigt, um angesichts der Flaute die Finanzkraft dauerhaft zu sichern und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Schon damals hieß es, auch Standorte würden überprüft. Seitdem verhandelte das Management mit der Arbeitnehmervertretung über das Sparprogramm.

Quelle: ntv.de, fzö/rts/dpa