Wirtschaft

Ifo-Index sinkt erneut "Bescherung für Wirtschaft fällt aus"

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Auch im Baugewerbe nimmt der Pessimismus zu.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die sich wieder verschärfende Pandemie-Lage hat die Erwartungen in den deutschen Chefetagen weiter eingetrübt. Etwas Zuversicht gibt es vom verarbeitenden Gewerbe. Ökonomen rechnen aber immer mehr damit, dass es im Winter zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung kommen wird.

Die vierte Corona-Welle drückt weiter die Stimmung in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft. Der vom Münchner Ifo-Institut ermittelte Geschäftsklimaindex sank den sechsten Monat in Folge: von 96,6 Punkten im November auf nun 94,7 Punkte. Die Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage weniger gut und der Pessimismus mit Blick auf das erste Halbjahr 2022 nahm zu. "Die Bescherung für die deutsche Wirtschaft fällt dieses Jahr aus", erklärte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Die verschärfte Pandemie-Lage treffe vor allem konsumnahe Dienstleister und den Einzelhandel hart, erläuterte das Ifo. Das Geschäftsklima im Dienstleistungssektor sei "eingebrochen" - zuletzt gab der Index in dieser Branche im April 2020 stärker nach. Die Unternehmen waren laut Umfrage "merklich" weniger zufrieden mit den laufenden Geschäften, die zuletzt noch leicht optimistischen Erwartungen schlugen in Pessimismus um. Vor allem im Tourismus und im Gastgewerbe stürzten die Umfragewerte laut Ifo ab.

Auch im Handel sank der Index deutlich. Die Unternehmen beurteilten die aktuelle Lage deutlich weniger gut, und ihre Erwartungen fielen auf den niedrigsten Stand seit Januar. Die Entwicklung der Umfragewerte im Einzelhandel sei "ähnlich dramatisch wie im letzten Winter", teilte das Institut mit.

Fast 82 Prozent der Einzelhändler hätten im Dezember unter Lieferengpässen gelitten, ausgerechnet in der umsatzträchtigen Vorweihnachtszeit. "Beschaffungsprobleme bei Rohstoffen und Vorprodukten haben sich verschärft", sagte sagte Ifo-Experte KLaus Wohlrabe auch mit Blick auf die Industrie, in der beispielsweise die unentbehrlichen Halbleiter fehlen. Hinzu kämen für den Einzelhandel die Corona-Auflagen, "es kommen weniger Kunden". Im Bauhauptgewerbe verschlechterte sich das Geschäftsklima ebenfalls. Der Pessimismus mit Blick auf die kommenden Monate nahm merklich zu, wie das Institut erklärte.

Positiver sieht es dagegen im Verarbeitenden Gewerbe aus: Hier stieg der Index nach fünf Rückgängen in Folge wieder. Dies sei auf optimistischere Erwartungen der Unternehmen zurückzuführen, erklärte das Ifo. Der Auftragsbestand habe deutlich zulegen können. "Das ist ein Silberstreif am Horizont", sagte Wahlrabe. Noch keine Entwarnung kann er an der Preisfront geben. "Preiserhöhungen bleiben auf der Agenda der Unternehmen", sagte er . In der Industrie erwarte dies mindestens jedes zweite Unternehmen.

"Probleme türmen sich allmählich zu einer Woge"

Ökonomen rechnen anhand er Umfrage inzwischen mehrheitlich mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung im Winterhalbjahr. Für Andreas Scheuerle von der Dekabank türmen sich aus Sicht der  Unternehmen "die Probleme allmählich zu einer Woge auf, die das Wachstum wegzuspülen droht". Die Geschäftserwartungen seien so "schlecht, wie in der Euro-Schuldenkrise".

"Die Stimmung trübt sich weiter ein, denn gerade als die Delta-Welle endlich zu brechen beginnt, droht durch Omikron eine erneuter Rückschlag", sagt Fritzi Köhler-Geib von der bundeseigenen KfW. Ein Anstieg der Neuinfektionen und Krankenhausbelastung dürfte sich "nur mit zusätzlichen Eindämmungsmaßnahmen stoppen lassen". Es sei wahrscheinlich, "dass die deutsche Wirtschaftsleistung zu Beginn des neuen Jahres schrumpft, der Aufschwung sich ab dem Frühjahr dann aber fortsetzt".

Ähnlich äußert sich Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe: "Für das Winterhalbjahr stehen die Chancen immer schlechter, dass die Wirtschaft um eine technische Rezession herumkommt." Die "Hoffnungen auf mehr Konjunkturalltag" seien in der "Pandemie einmal mehr enttäuscht worden".

Auch die Bundesbank erwartet einen Rückschlag im Winterhalbjahr. "Der Aufschwung verschiebt sich zeitlich etwas nach hinten", erklärte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann zur neuen Prognose der Notenbank. Sie senkte ihre Schätzung beim kalenderbereinigten Bruttoinlandsprodukt (BIP) für 2021 auf 2,5 (bisher 3,7 Prozent) und für 2022 auf 4,2 (Juni-Prognose: 5,2) Prozent.

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Jörg Krämer von der Commerzbank verweist derweil auf die auf die Zeichen einer überraschenden Stabilisierung in der Industrie. Es mehrten sich die "Anzeichen, dass sich die Lieferengpässe zumindest nicht weiter verschärft habenW. Doch auch er geht davon aus, dass die Wirtschaft im Winterhalbjahr etwas schrumpft.

Für den Geschäftsklimaindex befragt das Institut monatlich rund 9000 Unternehmen. Dabei werden sie gebeten, ihre gegenwärtige Geschäftslage zu beurteilen und ihre Erwartungen für die nächsten sechs Monate abzugeben.

Quelle: ntv.de, jwu/AFP/rts

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