Wirtschaft

Schrauben-Milliardär Würth "Bin besorgt wie nie in meinen 73 Berufsjahren"

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Der schwäbische Unternehmer Reinhold Würth hat eine Leidenschaft für Briefe: "Ich bin jetzt bei 189.000."

(Foto: picture alliance/dpa)

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Der schwäbische Schrauben-Milliardär Reinhold Würth fürchtet angesichts des Krieges in der Ukraine um den Wohlstand und die Sicherheit in Europa. "Ich bin in einem Ausmaß besorgt wie nie in meinen 73 Berufsjahren", sagte der 87-Jährige im Gespräch mit dem Wirtschaftsmagazin "Capital". "Was sich da zusammenbraut! Ob wir schon in einem Dritten Weltkrieg sind? Ich weiß es nicht. Aber die Situation erscheint mir fast unlösbar."

Würth fügte hinzu: "Ich hoffe bloß, dass in einem halben Jahr noch alles steht, was wir hier aufgebaut haben." Ein nächster Weltkrieg sei so denkbar wie nie in seinem Leben. Angesprochen auf einen möglichen neuen Eisernen Vorhang in Europa erklärte er: "Ich hoffe, dass ein solcher Vorhang nicht am Atlantik ist."

Management-Buy-out in Russland

Seit Ausbruch des Krieges hat die Würth-Gruppe ihr Russland-Geschäft auf Eis gelegt und plant den Rückzug. Derzeit werden die Restbestände verkauft, mit der Geschäftsführung arbeiten die Künzelsauer an Verträgen für einen Management-Buy-out. Eine Entscheidung, die ihm wegen seiner Liebe zu Russland und engen persönlichen Beziehungen zu Mitarbeitern vor Ort sehr schwergefallen sei, wie Würth sagte.

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Die neue "Capital" ist ab Donnerstag im Verkauf.

(Foto: Capital, G+J Wirtschaftsmedien)

An dem Gespräch nahmen zum ersten Mal drei Generationen der Unternehmerfamilie teil: Außer dem Patriarchen selbst seine 60-jährige Tochter Bettina Würth (Beiratsvorsitzende der Würth-Gruppe) sowie die beiden Enkel Benjamin und Sebastian, 41 und 37 Jahre alt, und die 31-jährige Enkelin Maria, die alle ebenfalls im Unternehmen aktiv sind.

Auch leichtere Themen kommen zur Sprache, etwa die Leidenschaft Reinhold Würths für Briefe. "Standard ist der Brief, das ist bei mir Tradition", so Würth. Wenn ein Brief von ihm kommt, ist es oft wichtig oder ernst. Sei es, dass eine Zahl falsch oder er mit einer Entscheidung nicht zufrieden ist. Kurz gesagt: Seine Briefe werden im Unternehmen und der Familie gleichermaßen geachtet und gefürchtet.

Die Leidenschaft für Briefe

Im Interview erzählt er auch, dass er seine Briefe nummeriert - und verrät, wie viele Schreiben er in den gut 70 Jahren bis heute verfasst hat: "Ich bin jetzt bei 189.000." In seinen Briefen gehe es sowohl um strategische Fragen als auch um Nebensächlichkeiten - etwa leere Seifenspender in einer Firmenrepräsentanz in Berlin.

Bettina Würth führt die Brief-Tradition ihres Vaters nicht fort, wie sie betont. Auf die Frage, ob sie in der Familie daran festhalte, antwortete sie: "Um Gottes willen, nein. Wir sind mit dieser Briefeschreiberei doch schon genug traumatisiert worden."

Die Beiratschefin erzählt zudem, wie schwer für sie der Einstieg als Auszubildende ins väterliche Unternehmen gewesen sei. Der damalige Vertriebschef zum Beispiel habe sie wissen lassen: "Frauen brauch' ich nicht und die Tochter vom Chef schon gar nicht."

Die Würths gehören zu den bekanntesten Unternehmerfamilien des Landes. Reinhold Würth übernahm 1954 mit 19 Jahren von seinem Vater Adolf Würth nach dessen Tod einen Schraubenhandel als Zweimannbetrieb, den er zum Milliardenkonzern aufbaute. Heute arbeiten 83.000 Menschen für die Würth-Gruppe, der Umsatz lag 2021 bei 17,1 Milliarden Euro.

Das Unternehmen soll auch in Zukunft in Familienhand bleiben. "Ich habe das Unternehmen in Familienstiftungen eingebracht, so dass Streit eigentlich ausgeschlossen ist. Allzu oft habe ich gesehen, wie schöne Familienunternehmen gelitten haben unter dem Erbgang", sagte Reinhold Würth.

Das Interview finden Sie in der neuen Ausgabe von "Capital".

Quelle: ntv.de

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