Wirtschaft

Ein Preismodell für alle Staaten Biontech-Chef kontert Wucher-Vorwurf

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Sahin zufolge bekamen alle Industriestaaten dasselbe Preismodell vorgelegt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Laut einem Bericht hatten die Impfstoffhersteller Biontech und Pfizer zunächst die gigantische Summe von 27 Milliarden Euro für die gewünschten Dosen verlangt. War das der Grund für die schleppenden Verhandlungen? Biontech-Chef Sahin weist das zurück.

Die Hersteller Biontech und Pfizer haben ihren Impfstoff nach Angaben des Biontech-Gründers Ugur Sahin im Sommer 2020 allen Industriestaaten zu einem Preis zwischen 30 und 15 Euro angeboten. Das Preismodell habe man im Juli für alle Industrieländer mit entsprechend großen Bestellmengen errechnet, sagte Sahin der "Bild". "Am 22. Juli haben wir den USA-Vertrag auf Basis der neuen Parameter unterschrieben, aus dem die 19,50 Dollar ersichtlich waren. Dieses Preismodell haben dann alle Industriestaaten erhalten."

Mit seinen Aussagen kontert der Biontech-Chef die Darstellung, wonach das deutsche Unternehmen und sein US-Partner Pfizer der EU im vergangenen Sommer ihren Impfstoff angeblich für mehr als 50 Euro pro Dosis angeboten hatten. Die EU-Kommission, die für die Impfsstoffbestellung für alle Mitgliedstaaten verantwortlich ist, steht seit Wochen in der Kritik, da die Europäer erheblich später und langsamer mit Impfdosen beliefert werden als etwa Großbritannien.

Vorwürfe gegen Biontech und Pfizer

NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" berichteten vergangene Woche, dass Biontech und Pfizer 54,08 Euro verlangt und so für 500 Millionen Dosen insgesamt rund 27 Milliarden Euro aufgerufen hätten - ein Mehrfaches des endgültigen Preises. Die Unternehmen hätten dabei versichert, dass der Preis "den höchsten prozentualen Rabatt", der einem Industrieland weltweit angeboten worden sei, beinhalte.

Hohe Preisvorstellungen könnten demnach ein Grund für die langen Verhandlungen sowie die Zurückhaltung mancher EU-Länder im Sommer gegenüber dem Biontech-Impfstoff sein, mutmaßte der Bericht. Zudem warfen die Recherchen ein neues Licht auf Aussagen von Biontech-Gründer Ugur Sahin Anfang des Jahres, der den langen Verhandlungsprozess und die Haltung der EU moniert hatte. Der "Spiegel" allerdings meldet unter Berufung auf eigene Informationen, dass der endgültige Preis bereits im Juli festgestanden habe.

Ähnlicher Preis für die USA

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Letztlich hätten sich beide Seiten im November auf 15,50 Euro pro Dosis geeinigt. Weder Biontech/Pfizer noch die EU wollten sich den Angaben zufolge zu konkreten Zahlen äußern. Einen ähnlichen Preis zahlen demnach auch die USA, die sich 100 Millionen Dosen für insgesamt 1,95 Milliarden Dollar sicherten. Die nach einem neuartigen Verfahren entwickelten mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna sind deutlich teurer als herkömmliche Mittel, wie etwa der Impfstoff von Astrazeneca.

Sahin zufolge war bis zum Sommer unklar, wie die Rahmenbedingungen der Produktion des Impfstoffs aussehen würden. "Wir hatte in den Jahren 2019 und 2020 zunächst nur selbst in kleinen Mengen Dosen für unsere klinischen Studien hergestellt", sagte er der "Bild". Für die ersten 2000 Dosen habe man Kosten von 1,5 Millionen Euro gehabt. "Die Infrastruktur für die Massenproduktion gab es nicht. Wir wussten zum damaligen Zeitpunkt schlicht noch nicht, wie sich die Produktion genau skalieren lässt, was genau die Studien bezüglich der mRNA-Dosierung ergeben und wie die Produktionsabläufe und Kosten genau sein werden." Im Sommer habe man dann innerhalb von drei Wochen gemeinsam mit der US-Firma Pfizer das Preismodell erarbeiten können.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa