Wirtschaft

Kaufabsicht trotz Abstürzen Boeing meldet Großauftrag für 737 Max

01fe131f9cdbe9accd1ab43362586ec2.jpg

IAG-Chef Willie Walsh lässt sich von einem Boeing-Manager das Fliegen mit der 737 Max demonstrieren.

(Foto: REUTERS)

Bei der für die Luftfahrtbranche so wichtigen Messe in Le Bourget gelingt Boeing ein überraschender Erfolg: 200 Passagierflieger vom Typ 737 Max will British Airways kaufen, obwohl das Modell derzeit kaum fliegen darf. Konkurrent Airbus punktet mit einem neuen Produkt.

Airbus und Boeing stemmen sich mit einer Flut neuer Aufträge gegen die gedämpfte Stimmung in der Luftfahrtbranche. Der europäische Flugzeugbauer Airbus sackte am zweiten Tag der Pariser Luftfahrtausstellung in Le Bourget zahlreiche milliardenschwere Aufträge ein, darunter für seine erst einen Tag zuvor offiziell vorgestellte Version des A321 mit größerer Reichweite. Dabei trübt sich gerade die Lage bei vielen Fluggesellschaften ein, und das anhaltende Startverbot für den Verkaufsschlager von Boeing, der 737 Max, sorgt in der Branche immer noch für Verunsicherung.

Umso größer war die Erleichterung beim Airbus-Erzrivalen aus den USA, als die British-Airways-Mutter IAG eine Absichtserklärung unterzeichnete, bis zu 200 Exemplare der Boeing 737 Max zu bestellen. IAG-Chef Willie Walsh sagte, er habe großes Vertrauen in den US-Flugzeugbauer und die 737 Max. Flugzeuge dieses Typs dürfen derzeit praktisch weltweit nicht abheben, nachdem zwei Abstürze mit Hunderten Toten auf einen Konstruktionsfehler zurückgeführt wurden.

Auch Dreamliner findet Käufer

Wann das Flugverbot für die Maschinen aufgehoben wird, ist noch völlig offen. Erst müssen Luftfahrtbehörden in aller Welt ein inzwischen von Boeing geliefertes Update für die Steuerungssoftware MCAS testen und freigeben. Die bisherige Software soll für die Abstürze mitverantwortlich gewesen sein.

Walsh, der als Pilot früher selbst auf der Boeing 737 im Einsatz war, sagte, er habe das Flugzeug während der Verhandlungen im Simulator ausprobiert. "Ich würde nicht zögern, morgen in eine 737 Max einzusteigen." Zum Listenpreis würden die von IAG georderten Maschinen, die vor allem bei British Airways und der Billigfluglinie Vueling am Londoner Flughafen Gatwick stationiert werden sollen, rund 24 Milliarden Dollar kosten.

Korean Air orderte 20 Boeing 787 Dreamliner zum Listenpreis von 6,3 Milliarden Dollar. Zehn weitere Maschinen der Reihe will das Unternehmen bei dem Flugzeugfinanzierer ALC leasen, der seine bestehende Order bei Boeing in diesem Zuge um fünf Jets aufstockte.

Gefragter Langstreckenflieger

Der europäische Flugzeugbauer Airbus punktete auf der Messe zwar weiterhin mit seinen auf Spritsparen getrimmten "neo"-Jets und dem neuen, kleinen Langstrecken-Flieger A321XLR. Dennoch musste er sich bei der Summe aus Neubestellungen und Vorverträgen Boeing zunächst geschlagen geben. So sammelte Airbus am heutigen Dienstag insgesamt Bestellungen und Vorverträge über 82 Passagierflugzeuge ein.

Airbus heimste eine sechs Milliarden Dollar schwere Order der philippinischen Cebu Air über 36 Flugzeuge ein, darunter zehn A321XLR. Cebu Pacific ist im Inlands-Flugverkehr in der Inselgruppe Marktführer vor Philippine Airlines.

Die eigentlich für Kurz- und Mittelstrecken konzipierten A321-Modelle können in der XLR-Version längere Distanzen ohne Zwischenstopp überwinden als bisher. Sie passen damit gut in den Branchentrend, auch für längere Strecken kleinere Flugzeuge einzusetzen, um flexibler auf Schwankungen in der Auslastung zu reagieren. Die British-Airways-Mutter IAG hat davon 14 bestellt.

Die ersten sollen 2023 ausgeliefert werden. Sie sind für die spanische Iberia und die irische Air Lingus bestimmt. Mit einer Reichweite von 8700 Kilometern kann das Flugzeug etwa 15 Prozent weiter fliegen als der klassische A321. Das hilft Air Lingus etwa dabei, weiter entfernt liegende Flughäfen in den USA und Kanada zu bedienen. Airbus will mit dem A321XLR einem geplanten Boeing-Modell für dieses Marktsegment das Wasser abgraben.

Auftragsbücher auf Jahre gefüllt

b73592bc237e50e6cf24ed0693d6a495.jpg

Le Bourget ist die große Leistungsschau der Flugzeugbauer.

(Foto: REUTERS)

Auch von den 30 Flugzeugen aus der A320-Familie, die Saudi Arabian Airlines zum Listenpreis von 3,3 Milliarden Dollar orderte, sind 15 A321XLR. 35 von den Arabern vorher bestellte Maschinen warten noch auf Auslieferung. Zudem ließen sich die Interessenten aus Riad Optionen auf 35 weitere A320neo einräumen. Laut Insidern verhandeln auch American Airlines und der Flugzeug-Leasing-Gigant Gecas über Aufträge für den Airbus A321XLR.

Asien mit seiner wachsenden Mittelschicht trägt die Hoffnungen der Flugzeugbauer, dass der jahrzehntelange Boom trotz der Überkapazitäten, einer schwächelnden Konjunktur und weltpolitischen Spannungen doch nicht abflaut. So wandelte die malaysische AirAsia in Le Bourget Aufträge für 253 A320neo-Maschinen in das größere A321neo-Modell um.

Experten erwarten von der am Sonntag endenden Messe weniger Aufträge für Boeing und Airbus als in den vergangenen Jahren. Bei beiden haben sich in diesem Jahr bisher Neubestellungen und Stornierungen in etwa die Waage gehalten. Boeing hatte am Montag seine Prognose für den Flugzeug-Weltmarkt für die nächsten 20 Jahre erhöht.

Unabhängig davon sitzen die Konzerne auf dicken Auftragsbüchern, die für viele Jahre reichen. Sie haben sogar Mühe, die Bestellungen vor allem bei den stark gefragten Mittelstreckenjets abzuarbeiten und haben deshalb einen kräftigen Ausbau ihrer Produktion angeschoben.

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de, shu/dpa/rts

Mehr zum Thema