Wirtschaft

DIW-Chef konstatiert Brexit-Aufschub ist "Gift für Wirtschaft"

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Einen Konjunkturabschwung wegen eines ungeordneten Brexits befürchtet Fratzscher nicht

(Foto: picture alliance/dpa)

Die zweite Verschiebung des Brexit-Termins lässt die Wirtschaft keinesfalls aufatmen. Die Galgenfrist bis zum 31. Oktober wird Unternehmen bremsen und Innovationen zurückhalten, sagt der Chef des Berliner Forschungsinstituts DIW Fratzscher. Für ihn ist der Aufschub lediglich ein "fauler Kompromiss".

Top-Ökonom Marcel Fratzscher befürchtet wegen der Verschiebung des Brexits Schaden für Konjunktur und Unternehmen. "Die Unsicherheit wird bleiben, für die Wirtschaft ist das Gift", sagte der Chef des Berliner Forschungsinstituts DIW. Er bezweifle auch, dass Absprachen zwischen der EU und der britischen Regierung eingehalten würden. "Wir wissen nicht wie lange Theresa May noch Premierministerin ist." Man könne wohl nicht sicher davon ausgehen, dass sich Großbritannien aus den wichtigen Entscheidungen zu Europa heraushalten werde.

Nach der Europawahl Ende Mai müsse dringend geklärt werden, wer die neue EU-Kommission leite und wer Nachfolger von Mario Draghi an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) werde. "Letztlich macht diese Verschiebung des Brexits diese Entscheidungen schwieriger." Das Aufschieben des britischen EU-Austritts bis zum 31. Oktober sei ein "fauler Kompromiss". Europa gehe hier ein hohes Risiko ein.

Einen Konjunkturabschwung wegen eines ungeordneten Brexits befürchtet Fratzscher nicht. "Ich sehe keine Rezession für die deutsche Wirtschaft - selbst bei einem harten Brexit." Viel schlimmer für die Firmen sei aber die Unsicherheit. Deshalb könnten die Unternehmen nicht planen und würden sich mit Investitionen wohl zurückhalten. "Deshalb sehe ich die Entscheidung mit Sorge für die deutsche, aber auch für die gesamte europäische Wirtschaft."

Den höchsten Preis für einen Brexit dürften Großbritannien und Irland zahlen. Einen chaotischen EU-Austritt der Briten würde die deutsche Wirtschaft wohl "relativ gut wegstecken", da es Übergangslösungen gebe und es damit wohl nicht zu Lieferengpässen komme.

Deutsche Wirtschaft gut aufgestellt

Nach dem Schwächeln im zweiten Halbjahr 2018 dürfte die Konjunktur in Deutschland dank der guten Inlandsnachfrage und des boomenden Arbeitsmarktes demnächst wieder anziehen, sagte der Ökonom. "2019 wird wirtschaftlich aber sicher kein sehr gutes Jahr." Das DIW erwartet in seinem Frühjahrsgutachten mit anderen führenden Instituten für dieses Jahr 0,8 Prozent Wachstum nach 1,4 Prozent 2018. Aber fundamental sei die deutsche Wirtschaft gut aufgestellt, so der DIW-Präsident.

Für die Konjunkturaussichten der größten Volkswirtschaft der Welt zeigte er sich skeptischer: "Ich halte eine Rezession in den nächsten zwei Jahren in den USA für viel wahrscheinlicher als in Deutschland." Dies sei ein größeres Risiko als der Brexit, weil die USA systemisch so wichtig seien - "nicht nur als Handelspartner, sondern auch für die Kapitalmärkte und globalen Lieferketten." Die USA seien bereits rund ein Jahrzehnt auf Wachstumskurs. Dass es dort zur Abschwächung komme, stehewohl außer Frage. "Die Frage ist nur, wann sie kommen wird und wie stark sie ausfallen wird."

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Quelle: n-tv.de, jki/rts

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