Wirtschaft

Zögerliche Ticket-Erstattung Bundesregierung kritisiert Lufthansa scharf

Lufthansa droht wegen der zögerlichen Ticketerstattung wohl eine massive Geldstrafe.

Lufthansa droht wegen der zögerlichen Ticketerstattung wohl eine massive Geldstrafe.

(Foto: imago images/Rüdiger Wölk)

Etliche Flüge sind aufgrund der Corona-Krise ausgefallen, doch viele Kunden warten bis heute auf die Erstattung ihrer Flugkosten. Laut einem Medienbericht soll die Lufthansa mehr als eine Million Anträge noch nicht bearbeitet haben, trotz gesetzlicher Verpflichtung. Dem Unternehmen droht eine Geldstrafe.

Die Bundesregierung hat die Lufthansa wegen der zögerlichen Erstattung von Flügen, die wegen der Corona-Krise ausgefallen sind, scharf kritisiert. "Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Lufthansa trotz der massiven staatlichen Hilfen ihren gesetzlichen Verpflichtungen bislang nicht nachkommt und den Kunden ihre Gelder nicht unverzüglich zurückzahlt", sagte Wirtschaftsstaatsekretär Ulrich Nussbaum nun dem "Spiegel". Die Lufthansa erklärte, sie stehe beim Thema Erstattung "im besten Kontakt" mit der Regierung.

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Es gehe um eine "Frage des Vertrauens", sagte Nussbaum. Schon bei den Verhandlungen über das Hilfspaket sei über dieses Thema gesprochen worden, der Bundesregierung sei es "sehr wichtig". Der Staatssekretär hatte für das Wirtschaftsministerium mit Lufthansa über die rund neun Milliarden an staatlicher Hilfe zur Bewältigung der Corona-Krise verhandelt.

Die Lufthansa räumte die Probleme laut "Spiegel" ein. Das Magazin zitierte aus einer aktuellen Stellungnahme für das Luftfahrtbundesamt, wonach die Airline von 4,48 Millionen Erstattungsanträgen erst 3,24 Millionen bearbeitet habe. Rund 1,24 Millionen Anträge seien noch offen. Bei der Tochter Eurowings seien erst rund die Hälfte der 378.000 Anträge auf Erstattung bearbeitet worden.

Verfahren gegen Lufthansa bereits eingeleitet

"Trotz enormer Anstrengungen" sei es der Lufthansa nicht gelungen, die eigenen Ansprüche und die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten, zitierte das Magazin aus dem Schreiben. Einer der Gründe sei die eingeschränkte Arbeitsfähigkeit eines Callcenter-Dienstleisters in Indien wegen des dortigen Lockdowns.

Das Luftfahrtbundesamt hat laut "Spiegel" bereits ein Ordnungswidrigkeitverfahren gegen die Lufthansa eingeleitet. Nachdem das Unternehmen der Behörde erste Informationen über die ausgebliebenen Erstattungen übermittelt habe, halte diese eine Geldstrafe zwischen einer halben und einer Million Euro für angemessen, berichtet das Magazin.

Die Lufthansa hatte für Ende Juli angekündigt, die automatisierten Erstattungssysteme wieder einzuschalten. Zuvor waren die Anträge zeitaufwendig einzeln bearbeitet worden. Vorstandsmitglied Harry Hohmeister hatte gesagt, die Airline sei von der Corona-Krise und den Folgen "überrollt" worden.

Eine Sprecherin der Lufthansa sagte nun der AFP, im Jahr 2020 seien für die gesamte Lufthansa-Gruppe bisher mehr als zwei Milliarden Euro an Erstattung ausbezahlt worden. Flüge aus den Monaten März und April seien bereits weitestgehend abgearbeitet. Weniger als eine Milliarde Euro an Erstattungen stehe noch aus.

Nach dem europäischen Fluggastrecht muss die Rückerstattung für gestrichene Flüge binnen sieben Tagen nach der Mitteilung über die Annullierung erfolgen. Das gilt nicht nur für europäische Fluglinien, sondern bei jeder Buchung eines Flugs mit Abflugort in einem EU-Land. Die von Airlines nach den Corona-bedingten Stornierungen vielfach ausgestellten Gutscheine müssen die Kunden nicht akzeptieren. Lehnen sie den Gutschein ab, behalten sie ihren Anspruch auf Kostenerstattung.

Quelle: ntv.de, ysc/AFP