Wirtschaft

"Größter Handelskrieg" China verhängt Gegenzölle auf US-Produkte

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Ein Containerschiff im Hafen von Savannah im US-Bundesstaat Georgia.

(Foto: AP)

Der "größte Handelskrieg" ist Realität: Nur wenige Stunden, nachdem die USA Strafzölle auf chinesische Importe einführen, schlägt die Führung in Peking zurück. Sie bezeichnet ihr Handeln als "notwendigen Gegenangriff".

Als Reaktion auf die amerikanischen Strafzölle auf chinesische Importe hat China seinerseits Sonderabgaben auf Einfuhren aus den USA verhängt. Nach den Zollerhöhungen der USA seien die chinesischen Strafzölle "sofort in Kraft getreten", erklärte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums vor der Presse.

Die Importzölle auf 545 US-Produkte mit einem Wert von 34 Milliarden Dollar hatte das chinesische Handelsministerium zuvor als "den notwendigen Gegenangriff" bezeichnet. Die USA hätten "den größten Handelskrieg in der Wirtschaftsgeschichte" eingeleitet, sagte ein Sprecher in Peking. Die Zölle verletzten die Regeln der Welthandelsorganisation WTO. Die US-Regierung benehme sich wie eine Ganovenbande, hieß es in einem englischsprachigen Kommentar der staatlichen Zeitung "China Daily". Der Schwerpunkt der chinesischen Zölle soll auf US-Agrarimporten liegen, etwa Sojabohnen und Schweinefleisch.

Höhere Zölle werden aber auch auf Autos erhoben. Darunter leiden vor allem deutsche Autobauer wie Daimler und BMW, die den größten Automarkt in China auch von ihren Werken in den USA aus beliefern. Daimler gab bereits eine Gewinnwarnung aus. Fast jeder fünfte BMW, der in China verkauft wird, kommt aus den USA.

Zuvor hatten die USA Strafzölle von 25 Prozent auf chinesische Importe von Waren im Wert von 34 Milliarden Dollar eingeführt. Die Zölle traten um Mitternacht nach US-Ostküstenzeit, also 6 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit, in Kraft, wie das Büro des US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer bestätigte.

US-Präsident Donald Trump hatte der chinesischen Führung angedroht, im Falle von Vergeltungszöllen weitere chinesische Waren im Wert von bis zu 200 Milliarden Dollar mit Handelsschranken zu belegen. Zunächst kämen die Zölle für Waren im Wert von 34 Milliarden Dollar zum Einsatz, sagte Trump am Donnerstag, wenige Stunden vor dem Inkrafttreten. "Und dann haben wir weitere 16 (Milliarden) in zwei Wochen", fügte er hinzu. Damit soll geistiger Diebstahl seitens China abgestraft werden. "Und dann sind wir, wie bekannt ist, auf weitere 200 Milliarden eingestellt, und nach den 200 Milliarden sind wir auf 300 Milliarden eingestellt." Die Maßnahmen beträfen ausschließlich China.

Hüther fürchtet Auswirkungen auf Deutschland

Volkswirte befürchten, dass sich der Konflikt zwischen China und den USA bald zu einem handfesten Handelskrieg auswachsen kann. Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln), Michael Hüther, fürchtet auch schwere Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. "Wenn zwei der wichtigsten Handelspartner Deutschlands in einen Handelskrieg einsteigen, wird dies mit Sicherheit nicht spurlos an unserer Wirtschaft vorbeigehen", sagte Hüther dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

"Deutschlands wirtschaftlicher Erfolg der letzten Jahre hängt in hohem Maße vom Exportgeschäft ab", fügte Hüther hinzu. "Deutschland hat - anders als die USA - stark vom wirtschaftlichen Aufstieg Chinas profitieren können. Vor diesem Hintergrund wird insbesondere der Einfluss von US-Handelssanktionen auf Chinas Wachstum auch Rückwirkungen auf das deutsche Exportgeschäft in China haben", so der Ökonom weiter. "Insbesondere das deutsche Wachstum hängt an der wirtschaftlichen Entwicklung der Schwellenländer."

DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben hält die genauen Folgen des Handelskonflikts zwischen den USA und China für noch nicht abschätzbar. Dem SWR sagte er, die strukturellen Auswirkungen seien aber "katastrophal". Durch die Zollpolitik des US-Präsidenten werde ein ganzes System von Regeln zerstört. Das sei so, als würde eine Mannschaft beim Fußball "den Ball in die Hand nehmen und ihn einfach ins Tor tragen, weil man das beim Rugby auch so darf."

Dagegen sind nach Einschätzung eines Beraters der chinesischen Zentralbank (PBOC) die Auswirkungen der geplanten US-Schutzzölle auf die Wirtschaft des Landes begrenzt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Volksrepublik werde dadurch nur um 0,2 Prozentpunkte geschmälert, sagte Ma Jun der Agentur Xinhua. Die Regierung in Peking denke darüber nach, die von den Zöllen besonders hart betroffenen Branchen zu stützen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht die betroffenen Handelsvolumina derzeit noch als zu klein an, als dass dies allein zu größeren Problemen für die Weltwirtschaft führen könnte. Allerdings werden Effekte durch die Verunsicherung der Märkte und eine mögliche Eskalationsspirale befürchtet. Ein ausgewachsener Handelskrieg mit Strafzöllen auf den gesamten Handel könnte nach Schätzungen von Experten das Wachstum in beiden Ländern in diesem Jahr um 0,2 oder 0,3 Prozentpunkte reduzieren und im nächsten Jahr um einen halben Prozentpunkt.

Der Schaden für das US-Wachstum wäre größer, da Chinas Wirtschaft mit zuletzt 6,7 Prozent viel stärker wächst, analysierte die DBS-Bank. Jenseits verkraftbarer kurzfristiger Folgen drohe langfristig "mehr Unheil", weil die globalen Produktionsketten der Unternehmen reißen könnten, schrieben die Volkswirte der Commerzbank. "Dann müssten multinationale Unternehmen Teile ihrer internationalen Produktionsstätten abschreiben und unter hohen Kosten heimische Produktionsstätten hochziehen", warnten sie.

Klage vor der WTO

Trump zieht gegen die mit einem Defizit von mehr als 800 Milliarden US-Dollar belastete Handelsbilanz seines Landes an mehreren Fronten zu Felde. Er belegte auch die Nachbarn Kanada und Mexiko sowie Verbündete wie die Länder der Europäischen Union mit Strafzöllen auf Stahl- und Aluminium. Auch von dort sind bereits Vergeltungszölle in Kraft gesetzt worden. An der Haltung der US-Regierung gibt es auch im Inland massive Kritik. Teile von Trumps eigener republikanischer Partei sehen in den Zöllen versteckte Steuern. Kritiker glauben, dass ein Teil von Trumps in der Unternehmerschaft gefeierter Steuerreform dadurch neutralisiert werden kann.

In den von Vergeltungszöllen betroffenen US-Branchen herrscht Aufregung. Dies gilt insbesondere für die Bauern. China, Kanada und Mexiko verlangen etwa künftig erhöhte Zölle auf Schweinefleisch-Produkte, die EU hat Whiskey mit Vergeltungszöllen belegt.

Aber auch amerikanische Unternehmen in China kritisieren die US-Strafzölle als "kontraproduktiv". "Es gibt keine Gewinner in einem Handelskrieg", betonte der Vorsitzende der US-Handelskammer (AmCham) in China, William Zarit, in Peking. Solche Strafzölle schadeten nicht nur den USA und China, sondern auch allen anderen Ländern.

Während die 900 in China tätigen Mitgliedsunternehmen der Handelskammer unter ungerechten Wettbewerbsbedingungen in der Volksrepublik litten, sei ihnen auch klar, dass wachsende Spannungen zwischen China und den USA "ihre Tätigkeiten in China negativ beeinflussen". Beide Regierungen sollten an den Verhandlungstisch zurückkehren.

Handelsjuristisch wird die Politik Trumps problematisch gesehen. Mehrere Länder und auch die EU haben bereits Klage bei der Welthandelsorganisation WTO eingereicht. Trump droht seinerseits mit einem Austritt aus der WTO oder gar mit deren Zerschlagung. Derzeit blockieren die USA die Neubesetzung von Stellen im Schiedsgericht der WTO. Sie argumentieren, bei der Besetzung der Richterstellen seien bisher nicht ausreichend US-Interessen gewürdigt worden.

Quelle: n-tv.de, mli/chr/dpa/rts

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