Wirtschaft

US-Sanktionen zeigen Wirkung Chinas Industrie verliert Weltmarktanteile

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In der Klemme: Der größte Smartphonehersteller der Welt und Chinas wichtigster Technologiekonzern könnte bald von Zulieferungen moderner Chips abgeschnitten sein.

(Foto: imago images / UPI Photo)

Vor allem in der Elektronik-Industrie gilt China als "Werkbank" der Welt. Im Zuge des Handelsstreits zwischen den USA und China reduzieren internationale Konzerne jedoch ihre Abhängigkeit und verlagern ihre Lieferketten teilweise. Die Corona-Epidemie könnte diese Entwicklung weiter beschleunigen.

Im Zuge des Handelsstreits mit den USA hat Chinas Industrie Marktanteile eingebüßt. Internationale Firmen bemühten sich, ihre Abhängigkeit von der größten Exportwirtschaft der Welt zu reduzieren und verlagerten ihre Produktion teilweise in andere Länder. Das geht aus einer Studie der Beratungsunternehmen Silk Road Associates und Baker McKenzie hervor, über die die "Financial Times" berichtet. Chinas Anteil am weltweiten Export in der Studie von 1200 analysierten Gütern sei im vergangenen Jahr um 3 Prozent auf 22 Prozent gesunken. Die Unterbrechungen vieler Lieferketten durch die Corona-Epidemie und das verschärfte Vorgehen der US-Regierung gegen chinesische Technologiekonzerne dürfte den Trend noch einmal spürbar verschärfen, so die Autoren.

Gerade hat das US-Handelsministerium gegen den Technologiekonzern Huawei neue Sanktionen verhängt, die dem Unternehmen Beobachtern zufolge den "entscheidenden Schlag" versetzen könnten. Firmen, die Huawei oder zu Huawei gehörenden Firmen Mikrochips verkaufen wollen, müssen eine Genehmigung der US-Behörden beantragen, wenn bei der Herstellung US-amerikanische Maschinen oder Software zum Einsatz kamen. Da das bei fast allen großen Produzenten der neuesten Chipgenerationen der Fall ist, könnte das den größten Smartphoneherstellern der Welt und den Industriestandort China empfindlich schaden. Alternativprodukte, die komplett ohne US-amerikanische Technologie hergestellt werden, sind rar und kaum auf dem aktuellen Stand der Technik.

Im "immer wahrscheinlicher werdenden schlimmsten Fall" könnte Chinas wichtigster Technologiekonzern nahezu komplett von Chip-Lieferungen abgeschnitten werden", schreiben die Analysten der Beratungsfirma Eurasia Group. Allein diese Befürchtung könne Kunden dazu bringen, sich andere Lieferanten zu suchen und so das gesamte Geschäft zum Erliegen bringen.

Zwei getrennte Lieferketten für die USA und China

US-Präsident Donald Trump und seine Regierung argumentieren bereits seit Langem, dass die Technologie von Huawei und anderen chinesischen Unternehmen die Sicherheit der USA gefährde, etwa durch mutmaßliche Spionagemöglichkeiten für den chinesischen Staat. In der Elektronik-Branche ist Chinas Dominanz besonders groß. Außerdem versucht Washington unter anderem mit Strafzöllen, das hohe Handelsdefizit gegenüber China zu bekämpfen.

Damit dürfte die US-Politik Silk Road Associates zufolge maßgeblich dazu beigetragen haben, dass Unternehmen wie Quanta Computer, der weltgrößte Auftragsfertiger von Notebooks, ihre Produktion in den vergangenen Jahren teilweise von China in Länder wie Taiwan und auch die USA verlegt haben. Der chinesische Weltmarktanteil am Export von Computern und Tablets sank demzufolge im vergangenen Jahr um 4 Prozentpunkte auf 45 Prozent. Auf dem Smartphone-Markt ging der chinesische Anteil am weltweiten Export um 3 auf 54 Prozent leicht zurück. Auch Foxconn, der größte Zulieferer für Apples iPhones, diversifiziert seine Lieferkette mit neuen Standorten in Vietnam und Indien.

Foxconn-Chef Liu Young Way prophezeit, dass sich die globale Elektronik-Industrie in zwei getrennte Branchen aufspalten könnte. Eine für den chinesischen Markt und eine für "die USA und deren Freunde", wie Liu vergangene Woche in Indien sagte. China werde nicht mehr die "Werkbank der Welt" sein.

Quelle: ntv.de, mbo