Wirtschaft
Chinas Währungsreserven schrumpfen zunehmend, weil immer mehr Anleger Geld abziehen.
Chinas Währungsreserven schrumpfen zunehmend, weil immer mehr Anleger Geld abziehen.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 07. Februar 2017

Erstmals unter drei Billionen Dollar: Chinas Währungsreserven fallen

Von Hannes Vogel

Chinas Devisen-Kriegskasse schrumpft immer weiter. Die Währungsreserven der Zentralbank sind erstmals unter drei Billionen Dollar gefallen. Aus Angst vor dem Ende des Wirtschaftsbooms flüchtet immer mehr Geld aus dem Land.

Die Währungsreserven der chinesischen Zentralbank sind erstmals seit 2011 unter die Grenze von drei Billionen Dollar gefallen. Mit 2,998 Billionen Dollar sanken sie im Januar auf das niedrigste Niveau seit sechs Jahren. Der Rückgang ist ein deutliches Zeichen für die große Anstrengung, die Chinas Währungshüter mittlerweile unternehmen müssen, um den Wechselkurs des Renminbi zu verteidigen.

Die Währungsreserven sind dabei eine Art Barometer für die Beliebtheit der chinesischen Wirtschaft unter Investoren: Je mehr Anleger ihr Geld aus dem Reich der Mitte abziehen, also Renminbi verkaufen, desto mehr Devisen muss die chinesische Zentralbank auf den Markt werfen, um die Währung zu stützen. Dabei schrumpfen die Währungsreserven der Volksbank. Der Einbruch der Geldvorräte ist also ein Zeichen, dass die Märkte dem Wachstumswunder in der Volksrepublik zunehmend misstrauen.

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Um den festen Wechselkurs zu verteidigen, hat China über Jahre die größten Währungsreserven der Welt angehäuft (s. Grafik). Sie sind ein Spiegelbild der exportorientierten Wirtschaftspolitik, die dem Land in den letzten zwei Jahrzehnten einen beispiellosen Boom beschert hat. Doch seit 2014 hat sich das Blatt gewendet und die Währungsreserven fallen. China setzt nun stärker auf heimische Nachfrage, die Ausfuhren verlangsamen sich. Die Wirtschaft wächst deutlich langsamer, weil eine gigantische Schuldenlast, marode Fabriken und faule Kredite die Konjunktur belasten.

Immer mehr Anleger ziehen daher ihr Geld ab. Die Parteiführung stemmt sich mit aller Macht gegen die Wirtschaftsflaute. Manche Provinz fälscht kurzerhand die Statistik. Und die Regierung in Peking hat eine Reihe neuer Kontrollen und Verbote eingeführt, die den Abfluss von Kapital verlangsamen sollen. Die Regeln behindern inzwischen auch internationale Firmen bei Geschäften in China. Doch das ist für die Parteiführung inzwischen offenbar zweitrangig. Ihr oberstes Ziel ist es, die wirtschaftliche Lage zu stabilisieren.

Der Druck auf Chinas Währung dürfte allerdings weiter zunehmen. Denn nach fast einem Jahrzehnt Nullzinspolitik hat die US-Notenbank inzwischen begonnen, die Zinsen wieder anzuheben. Damit werden Investments in den USA attraktiver - und die Verlockung, Geld aus China abzuziehen, nimmt noch weiter zu.

Quelle: n-tv.de