Wirtschaft

Stornierungen wegen Taiwankrise "Chipindustrie gerät in Panik"

223250303.jpg

Die Nachfrage nach Chips für Smartphones und Unterhaltungselektronik sinkt.

(Foto: picture alliance/dpa/MAXPPP)

Die Wirtschaft verfolgt die Zuspitzung im Taiwankonflikt mit großer Sorge. Die Chipindustrie bekommt die Gefahr einer Eskalation offenbar bereits zu spüren. Kunden des größten chinesischen Halbleiterproduzenten stornieren abrupt ihre Aufträge.

Die Taiwankrise löst in der Chipindustrie offenbar große Unruhe aus. Der Chef des größten chinesischen Halbleiterherstellers Semiconductor Manufacturing International Corporation (SMIC), Haijun Zhao, warnt: Zunehmende geopolitische Spannungen, die hohe Inflation und ein zyklischer Abschwung der Nachfrage hätten in der Branche eine "gewisse Panik" ausgelöst. Das berichtet die "Financial Times". Der Vorstandschef erklärte demnach, dass Kunden ihre Bestellungen abrupt stornierten.

Teile der Lieferkette seien extrem schnell zum Erliegen gekommen. Taiwan erwähnte Zhao nicht direkt - als Grund für die Entwicklung nannte er, dass mehrere Faktoren zusammenkämen, darunter ein regionaler Konflikt in Übersee. Am Donnerstag war dem Bericht zufolge Ex-Armeechef Tudor Brown aus dem SMIC-Vorstand zurückgetreten und hatte gesagt, die internationale Kluft habe sich weiter vergrößert.

Zhao sagte demnach, am stärksten sei die Nachfrage nach Chips, die in Smartphones und Unterhaltungselektronik verwendet werden, zurückgegangen. Die Verkäufe chinesischer Smartphone-Hersteller seien im ersten Halbjahr um die Hälfte geschrumpft. "Wir sehen, dass viele Aufträge gestoppt wurden." Die Nachfrage nach Chips für industrielle Steuerungen oder Automobilanwendungen sei hingegen stabil, in diesen Segmenten komme es weiterhin zu Lieferengpässen.

Mehr zum Thema

Der Außenwirtschaftschef des deutschen Maschinenbauverbands VDMA, Ulrich Ackermann, hatte ntv.de gesagt, dass sich aktuell viele Unternehmen Gedanken über ihre zukünftige China-Strategie machen. Dabei gehe es etwa um die Frage, wie sie sich auf die Folgen eines Auseinanderdriftens von USA und China vorbereiten können. Wegen coronabedingter Störungen und Transportproblemen bauen Unternehmen schon länger ihre Lieferketten um.

Eine wirtschaftliche Entkopplung von China würde Deutschland allerdings teuer zu stehen kommen. Das Land ist Deutschlands wichtigster Handelspartner. Entsprechend besorgt verfolgt die deutsche Wirtschaft die Zuspitzung im Taiwankonflikt. Im Fall einer militärischen Eskalation könnten die USA ihre Sanktionen gegen chinesische Techunternehmen verschärfen. Auch Deutschland könnte sich Sanktionen dann schwer entziehen.

Quelle: ntv.de, chl

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen