Wirtschaft

"Verhaltener Jahresauftakt" Commerzbank befürchtet Gewinnrückgang

d42deb21b883c14667b375682de834f4.jpg

Martin Blessing führte die Commerzbank durch viele Untiefen.

(Foto: dpa)

Kurz vor seinem Abtritt kündigt Commerzbank-Chef Blessing einen etwaigen Gewinnrückgang an. Wie andere Geldinstitute auch litt das Dax-Unternehmen zu Jahresbeginn unter den Turbulenzen an den Kapitalmärkten.

Die Commerzbank macht sich im laufenden Jahr auf einen Gewinnrückgang gefasst. Nach einem schwächeren ersten Quartal werde es "deutlich ambitionierter, das Konzernergebnis von 2015 zu erreichen", sagte der scheidende Vorstandschef Martin Blessing auf der Hauptversammlung in Frankfurt am Main.

Commerzbank
Commerzbank 6,10

Noch im März hatte das Dax-Unternehmen im Geschäftsbericht einen leichten Anstieg des Gewinns in Aussicht gestellt. Im vergangenen Jahr hatte das Geldinstitut unter dem Strich 1,06 Milliarden Euro verdient.

Auch die Commerzbank habe in den ersten drei Monaten unter den schwachen Kapitalmärkten gelitten, sagte Blessing. Sie habe einen "verhaltenen Jahresauftakt" hinter sich. "Das Ergebnis der ersten drei Monate dürfte unter dem des letzten Quartals liegen."

Von Oktober bis Dezember hatte die Commerzbank einen Nettogewinn von 187 Millionen Euro erzielt, im ersten Quartal 2015 waren es noch 366 Millionen. Die ersten drei Monate sind vor allem für das Investmentbanking in der Regel die stärksten.

Kritik an Geldpolitik

Seinem Nachfolger Martin Zielke hinterlässt Blessing zwar ein weitgehend bestelltes Haus, aber auch "viele Herausforderungen", wie er selbst sagt. Sorgen bereiten der Bank die deutlich gelockerte Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Bislang habe die Zentralbank nicht vermocht, die Banken zu einer deutlich höheren Kreditvergabe an die Wirtschaft zu bewegen. "Ich bezweifle, dass der erneute Schritt das tun wird", sagte Blessing.

In der Bevölkerung und bei Firmen sorgen die negativen Zinsen seiner Einschätzung nach für Verunsicherung. "Und sie führen zu falschen Entscheidungen bei Investitionen", kritisierte Blessing. "Insgesamt sehe ich daher, dass die Risiken einer langfristigen Niedrigzinspolitik überwiegen."

DSW: Schicksalsgemeinschaft Müller/Blessing

Den Aktionären hat Blessing viel abverlangt. Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) beklagte den Kursverfall der Aktie und eine "Kapitalerhöhungsorgie" zu Lasten der Aktionäre.

Nieding rechnete Blessing sein Durchhaltevermögen zwar an, sprach aber auch von einer "Schicksalsgemeinschaft" mit Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller. "Wenn Sie die Brocken hingeworfen hätten, dann hätte es noch mehr Diskussion über die Rolle von Herrn Müller gegeben", sagte Nieding.

Müller hatte zuvor die Bank geleitet und war direkt in den Aufsichtsrat gewechselt. Der Kauf der Dresdner Bank in der Finanzkrise hatte die Bank in Schieflage gebracht. Für die Aktionäre bedeutete dieser Schritt sowie andere Fehlentscheidungen ein massiver Wertverlust ihrer Anteilsscheine, die in der Spitze 264 Euro gekostet hatten. Von ihrem Tief bei 6 Euro sind die Aktien heute nicht weit entfernt.

Quelle: n-tv.de, wne/rts/DJ

Mehr zum Thema