Wirtschaft

Abschreibungen und Rückstellung Commerzbank erschreckt Anleger erneut

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Bei der Commerzbank dauert das Großreinemachen noch an.

(Foto: picture alliance/dpa)

Manfred Knof ist erst wenige Tage im Amt - und schon hat der Chef schlechte Nachrichten für Mitarbeiter und Aktionäre der Commerzbank. Wegen der Corona-Pandemie muss die Risikovorsorge aufgestockt werden. Erst im Dezember hatte sich die Hoffnung auf einen Gewinn in Luft aufgelöst.

Der neue Commerzbank-Chef Manfred Knof räumt auf. Wenige Tage nach seinem Antritt kündigte er weitere Belastungen im Kreditgeschäft und Milliardenabschreibungen auf Firmenwerte an. Die zweitgrößte deutsche Privatbank dürfte im vergangenen Jahr deshalb tief in die roten Zahlen gerutscht sein. "Nach dieser bilanziellen Maßnahme sehen wir uns gut für den weiteren Weg gerüstet", erklärte Knof. "Unser Ziel ist es, die Bank nachhaltig profitabler zu machen."

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Belastet wird das Institut derzeit vor allem durch die Corona-Krise. Die Commerzbank ist auf Mittelständler fokussiert, die nach Einschätzung von Experten besonders unter den Folgen der Pandemie zu leiden haben. Im Laufe des ersten Quartals will der von der Deutschen Bank gekommene Manager eine neue Strategie vorstellen. Insider halten es für wahrscheinlich, dass dies bei der Aufsichtsratssitzung am 10. Februar der Fall sein wird - am Tag vor der Bilanzvorlage für das noch von Knofs Vorgänger Martin Zielke verantwortete Geschäftsjahr 2020. Dann werde der wohl den Abbau von weiteren Tausenden Stellen und Hunderten Filialen ankündigen.

Zweite Hiobsbotschaft

Im vergangenen Jahr sei eine Risikovorsorge für faule Kredite von mindestens 1,7 Milliarden Euro angefallen, teilte die Bank weiter mit. Bislang wurden 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. In dem neuen Betrag seien auch 500 Millionen Euro enthalten für drohende Kreditausfälle im laufenden Jahr.

"Mit der Erhöhung der Risikovorsorge reagieren wir auf die anhaltende Corona-Pandemie und sind für die weiteren Entwicklungen in diesem Jahr gut vorbereitet", sagte Finanzchefin Bettina Orlopp. Sie verwies auf erwartete Belastungen aus dem zweiten Lockdown.

An der Börse sorgte das für Unmut. Es ist bereits das zweite Mal binnen weniger Tage, dass die Commerzbank eine Hiobsbotschaft verkündet. Kurz vor dem Jahreswechsel hatte sie angekündigt, wegen eines Jobabbaus zusätzliche Kosten von 610 Millionen Euro im vierten Quartal zu verbuchen. Damit und mit der höheren Vorsorge im Kreditgeschäft wird der Verlust im vergangenen Jahr deutlich über den Erwartungen der Analysten liegen. Sie rechneten noch Mitte November im Schnitt mit gut 300 Millionen Euro. Nach neun Monaten stand ein Verlust von 211 Millionen Euro in den Büchern. 2019 hatte die Bank noch 644 Millionen Euro verdient.

Wohl erst 2022 wieder schwarze Zahlen

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Analysten gehen davon aus, dass die Commerzbank erst 2022 wieder die Gewinnzone erreichen wird. Seit Monaten wird bei dem Institut, dessen größter Anteilseigner seit der Finanzkrise 2008/2009 der deutsche Staat ist, um eine Verschärfung des im Herbst 2019 verkündeten Sparkurses gerungen.

Knof kündigte zudem an, unter anderem wegen des Zinsniveaus in der Eurozone und schlechterer Marktparameter in Polen in der Bilanz stehende Firmenwerte von rund 1,5 Milliarden Euro abzuschreiben. Dies werde sich aber nicht auf das Eigenkapital auswirken. Die Bank erwarte weiterhin eine Eigenkapitalquote von rund 13 Prozent per Ende 2020. In Polen ist die Commerzbank mit der Tochter mBank tätig, deren eigentlich geplanten Verkauf sie 2019 abgeblasen hatte. Neben der Corona-Krise belasten Rechtsstreitigkeiten um Franken-Kredite die polnische Tochter.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa