Wirtschaft

Trotz Insolvenz von Thomas Cook Condor hält an geplanten Flügen fest

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Übernimmt die Lufthansa Teil von Condor - oder gleich das gesamte Unternehmen?

(Foto: imago images/Arnulf Hettrich)

Die deutsche Fluggesellschaft Condor hofft nach der Pleite des Mutterkonzerns Thomas Cook auf Notkredite vom deutschen Staat. Berlin will in den nächsten Tagen darüber entscheiden. Der Betrieb soll unterdessen weitergehen - Condor versichert, alle Flüge wie geplant starten zu lassen.

Der deutsche Ferienflieger Condor hält trotz der Insolvenz seiner Konzernmutter Thomas Cook seinen Betrieb weiter aufrecht. Alle Flüge würden wie geplant durchgeführt, sagte ein Unternehmenssprecher. Spezielle Teams beantworteten an den Flughäfen die Fragen der Passagiere. Gleichzeitig rede das Management mit allen Lieferanten und Partnerunternehmen, um seine Maschinen weiter in der Luft zu halten.

Allerdings werden Reisende, die ihren Urlaub über deutsche Thomas-Cook-Tochter mit den Marken Thomas Cook, Neckermann, Öger Tours, Air Marin und Bucher Reisen gebucht haben, nicht mehr mit Condor zu ihren Reisezielen geflogen. Thomas-Cook-Urlauber, die planmäßig nach Hause fliegen wollen, sind jedoch nicht betroffen. Sie werden von Condor befördert. Mit der deutschen Thomas Cook sind nach Unternehmensangaben derzeit 140.000 Gäste unterwegs.

Am Montag und Dienstag sollten ursprünglich 21.000 Menschen in ihren Urlaub abreisen. Laut einem Sprecher der Thomas Cook GmbH können Kunden der deutschen Tochter auch am 25. und 26. September ihre Reisen nicht antreten. Sie werden den Angaben zufolge weder von Airlines noch Hotels als Gast akzeptiert. Nach Hause fliegen können Pauschalreisegäste nach Angaben von Airlines wie geplant.

Berlin will über Notkredit entscheiden

Wegen der Insolvenz des Mutterkonzerns Thomas Cook hatte Condor rund 200 Millionen Euro als Überbrückungskredit bei der Bundesregierung beantragt. Die Bundesregierung will in den nächsten Tagen darüber entscheiden. Es gebe dazu momentan enge Abstimmungen des Finanz-, Wirtschafts- und Verkehrsministeriums, sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Noch ist auch offen, ob es einen Investor gibt, der die Gesellschaft mit ihren 4900 Beschäftigten möglicherweise von Thomas Cook übernehmen könnte.

Verbraucherschutz-Vorstand Klaus Müller hat an die Bundesregierung appelliert, der deutschen Konzerntochter Condor den beantragten Überbrückungskredit zu gewähren. "Die Bundesregierung sollte Condor unterstützen, schon aus Gründen der Gleichbehandlung", sagte der Chef des Verbraucherschutz Bundesverbands (vzbv) den Zeitungen der Funke Mediengruppe unter Verweis auf ein Darlehen, das die Bundesregierung der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin gewährt hatte.

Bei Air Berlin sei die Erfahrung mit dem Kredit positiv gewesen, sagte Müller: Die letzte Rate sei gerade zurückgezahlt worden. Neben dem Überbrückungskredit für Condor forderte Müller auch eine Absicherung von Verbrauchern, die Individualreisen buchen. Die Bundesregierung müsse ein "zusätzliches Sicherheitsnetz für Verbraucher knüpfen, das sie vor finanziellem Schaden bewahrt", sagte Müller den Zeitungen.

Steuerzahler-Bund warnt vor Staatshilfen

Der Bund der Steuerzahler hatte sich zuvor gegen staatliche Hilfen für den Ferienflieger gewandt. "Wir müssen aufpassen, dass der Steuerzahler hier nicht zu einer Art letzter Instanz der Versicherung wird", sagte der Präsident des Steuerzahlerbunds, Reiner Holznagel, der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten".

Beflügelt wurden Spekulationen über einen Verkauf von Condor oder zumindest Teilen an die Lufthansa. Hintergrund dürfte dabei auch sein, dass nach EU-Recht Staatshilfen nur zulässig sind, wenn das betroffene Unternehmen dauerhaft überleben kann. Lufthansa wollte sich bisher nicht dazu äußern. Im Mai hatte Europas größte Airline ein vorläufiges Kaufgebot für Condor abgegeben; besonders deren Langstreckengeschäft schien für die Lufthansa attraktiv.

Quelle: n-tv.de, kst/dpa/AFP

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