Wirtschaft

Schwere Rezession Corona-Krise lässt US-Banken leiden

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(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Die Wall-Street-Banken stehen vor einer gewaltigen Herausforderung: Das Corana-Virus macht den USA schwer zu schaffen - die Arbeitslosigkeit steigt, Unternehmenspleiten drohen.

Die Corona-Pandemie trifft die USA und die Finanzmetropole New York mit voller Wucht. Der Chef der größten US-Bank JPMorgan, Jamie Dimon, hat Mitarbeiter und Investoren bereits auf harte Zeiten eingestimmt: Die Corona-Krise werde die Ergebnisse in diesem Jahr in "erheblichem Maße" belasten. In Amerika zieht eine schwere Rezession auf, die Arbeitslosigkeit schießt in die Höhe, und eine Welle an Unternehmenspleiten rollt an. Wie stark sich die Folgen der Pandemie schon in die Bilanzen der amerikanischen Geldhäuser reingefressen haben, wird sich nach Ostern zeigen. JPMorgan, Wells Fargo, Bank of America, Goldman Sachs und Citi legen am Dienstag und Mittwoch die Zahlen des ersten Quartals vor.

Analysten rechnen mit sinkenden Gewinnen, nachdem JPMorgan und Bank of America im ersten Quartal 2019 noch Rekord-Ergebnisse erzielt hatten. Bei der Investmentbank Goldman Sachs erwarten die Experten laut dem Datenanbieter Refinitiv im Schnitt einen Gewinnrückgang auf rund eine Milliarde Dollar von 2,25 Milliarden im Vorjahreszeitraum, wobei die Schätzungen der Experten sich stark unterscheiden. Der Gewinn von JPMorgan dürfte auf knapp sieben Milliarden Dollar sinken, ein Minus von gut zwei Milliarden Dollar. Bank of America hat den Schätzungen zufolge gut fünf Milliarden Dollar verdient, ebenfalls zwei Milliarden Dollar weniger als im ersten Quartal 2019.

Mit Argusaugen schauen Anleger auf die Entwicklung der Kreditausfälle. Volkswirte gehen davon aus, dass die Arbeitslosenquote auf bis zu 20 Prozent ansteigen und sich die Wirtschaftsleistung um ein Drittel verschlechtern wird, bevor das Land zur Normalität zurückkehrt. "Das erste Quartal könnte erst ein Vorgeschmack sein auf das, was noch kommt", sagt Analyst Andreas Pläsier von der Bank M.M. Warburg. "Das ganze Ausmaß der Krise wird wahrscheinlich erst nach ein paar Wochen sichtbar werden." Dann werde sich zeigen, welche Unternehmen nicht mehr zu retten seien und wie viele Verbraucherkredite nicht mehr bedient werden könnten.

Kaum Reserven

Viele US-Bürger haben keine großen Rücklagen, auf die sie zurückgreifen können, wenn sie ihre Jobs verlieren. Laut einer Studie der US-Notenbank Fed von 2019 würden 39 Prozent der Amerikaner ins Straucheln geraten, wenn sie eine unerwartete Ausgabe von 400 Dollar stemmen müssen. Das droht auch zur Belastung für die Banken zu werden, die in den vergangenen Jahren ihr Geschäft mit Konsumkrediten und Kreditkarten kräftig ausgebaut und lange Zeit davon profitiert haben. Warnsignale gab es jedoch bereits vor der Corona-Krise, als einzelne Geldhäuser trotz des damals noch ungebremsten Booms am Arbeitsmarkt überraschend viel Geld für faule Kredite zurückstellen mussten.

Auch an der Zinsfront weht den US-Banken der Wind ins Gesicht. Die höheren Zinsen in den USA trieben 2019 den Zinsüberschuss in die Höhe und verhalfen unter anderem JPMorgan zu Rekordgewinnen. Doch als Reaktion auf die Corona-Krise hat auch die Fed die Geldschleusen weit geöffnet und den Leitzins auf nahe Null Prozent gesenkt.

Spannend wird, inwieweit die Wall-Street-Häuser mögliche Einbußen in der Privat- und Firmenkundensparte durch ihr Investmentbanking ausbügeln können. Denn in den ersten drei Monaten schwankten die Börsen so stark wie seit langem nicht. In der Regel steigern Banken in solchen Phasen ihre Einnahmen im Handel mit Wertpapieren. "Ein schwankendes Marktumfeld ist normalerweise für Investmentbanken besser, als wenn die Börsen vor sich hindümpeln", sagt Pläsier. Viele US-Banken sind im Aktienhandel stark, die Deutsche Bank hat sich aus diesem Geschäft dagegen zurückgezogen. Sie berichtet am 29. April über den Verlauf des ersten Quartals, Analysten erwarten derzeit im Schnitt einen Verlust von gut 400 Millionen Euro.

Dividenden wackeln

Auch bei den US-Geldhäusern sind wegen der Corona-Krise die Dividenden in Gefahr. Anders als ihre europäischen Konkurrenten, die nach massivem Druck der Aufseher die Zahlungen vorerst ausgesetzt haben, sind die US-Banken vor diesem Schritt bisher zurückgeschreckt. Doch JPMorgan-Chef Dimon kündigte bereits an, dass sein Haus keine Dividende ausschütten würde, sollten sich die volkswirtschaftlichen Daten in den USA verschlechtern. Dabei geht es um hohe Summen: Die acht größten Banken des Landes schütten je Quartal rund neun Milliarden Dollar aus.

Ihre Aktienrückkaufprogramme haben die Institute bereits im März in einer konzertierten Aktion gestoppt. Analysten rechnen vor, dass sie dadurch 40 Milliarden Dollar an Kapital freischaufeln, wodurch sie etwa 400 Milliarden Dollar an Krediten ausreichen könnten.

Quelle: ntv.de, Hans Seidenstuecker und Patricia Uhlig, Reuters

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