Wirtschaft

Rekordzahl bei Hilfsanträgen Corona-Schock am US-Arbeitsmarkt

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Ein Instrument wie Kurzarbeitergeld, das eine Entlassungswelle abfedern könnte, gibt es in der USA nicht.

(Foto: REUTERS)

Die Coronavirus-Pandemie schlägt in Rekordtempo auf den US-Arbeitsmarkt durch. In der vergangenen Woche stellten mehr als drei Millionen Amerikaner einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe. Das tatsächliche Ausmaß der Entlassungswelle könnte sogar noch größer sein.

Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sind infolge der Zuspitzung der Coronavirus-Pandemie in den USA sprunghaft angestiegen. Ihre Zahl hat sich von 282.000 in der Vorwoche auf nunmehr rund 3,3 Millionen mehr als verzehnfacht, wie das US-Arbeitsministerium mitteilte. Die bisherige Rekordzahl wurde 1982 mit 695.000 Anträgen in einer Woche registriert. Die große US-Jobmaschine ist durch die Pandemie zu einem abrupten Stillstand gekommen. Bis März haben die US-Arbeitgeber 113 Monate in Folge zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen, wodurch die Zahl der Beschäftigten um 22 Millionen gestiegen ist.

US-Finanzminister Steven Mnuchin relativierte derweil den historischen Sprung bei den Erstanträgen. Man sollte den Fokus nicht auf diese Daten richten, weil sie entstanden seien, bevor die Hilfmaßnahmen der US-Regierung beschlossen worden seien, sagte er dem Sender CNBC. "Um ehrlich zu sein, ich denke, dass diese Zahlen im Moment nicht relevant sind, egal ob sie kurzfristig größer oder kleiner sind."

Die rasante Ausbreitung des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 hat das öffentliche Leben in weiten Teilen der USA zum Erliegen gebracht. Fast die Hälfte der rund 330 Millionen US-Amerikaner unterliegt nun von Bundesstaaten verhängten Ausgangsbeschränkungen. Viele Geschäfte sind geschlossen, Restaurants und Hotels bleiben leer, zahllose Reisen wurden abgesagt. Viele Mitarbeiter geschlossener Unternehmen müssen daher Arbeitslosenhilfe beantragen.

Entlassungen sind in den USA in der Regel wesentlich schneller möglich als etwa in Deutschland. In den USA gab es bislang auch keine Regelung wie das deutsche Kurzarbeitergeld, die den Arbeitsmarkt in Krisensituationen stabilisiert. Mit einem Konjunkturpaket, mit dem der US-Kongress rund zwei Billionen Dollar in die Wirtschaft pumpen will, wird die bislang sehr begrenzte Arbeitslosenhilfe ausgeweitet. Zudem soll es Arbeitgebern möglich sein, Angestellte für bis zu vier Monate zu beurlauben, anstatt sie zu entlassen. In dieser Zeit würde der Staat für das Gehalt aufkommen. Das Gesetzespaket muss aber diese Woche erst noch vom Repräsentantenhaus beschlossen werden.

Antragsflut überfordert Ämter

Das gesamte Ausmaß der wirtschaftlichen Verwerfungen der Coronavirus-Pandemie ist immer noch nicht absehbar. Viele Analysten befürchten inzwischen aber einen dramatischen Einbruch im zweiten Quartal und eine Rezession aufs ganze Jahr betrachtet.

Manche Analysten gingen davon aus, dass die Zahlen der Erstanträge in Wirklichkeit noch dramatischer waren als am Donnerstag bekannt gegeben, weil viele Staaten zuletzt mit der Flut der Erstanträge überfordert waren. Der Gouverneur von New York etwa, Andrew Cuomo, hatte am Wochenende eingeräumt, dass die Webseite wegen des hohen Volumens der Anträge immer wieder zusammengebrochen sei. In den Call Centern arbeiteten rund 700 Menschen, sagte er. Ein solches Volumen an Anträgen habe der Staat bislang noch nicht erlebt.

Die Arbeitslosenquote im Februar - also noch vor der rasanten Ausbreitung des Virus Sars-CoV-2 in den USA - lag bei niedrigen 3,5 Prozent. Das war der niedrigste Stand seit Jahrzehnten. Die Zahlen für März sollen erst am Freitag veröffentlicht werden. Bis Anfang Februar brummte die US-Konjunktur noch, an der Börse wurden Höchststände vermeldet und Experten rechneten mit einem Wirtschaftswachstum von rund zwei Prozent. Präsident Donald Trump, der sich im November um eine Wiederwahl bewirbt, rühmte sich seiner erfolgreichen Wirtschaftspolitik.

Doch die rasante Ausbreitung des Coronavirus seit Anfang März machte die guten Konjunkturaussichten zunichte. Trump verspricht derweil, die Wirtschaft werde nach dem Ende der Epidemie wieder "wie eine Rakete" durchstarten. In den USA gab es bis Donnerstagmorgen (Ortszeit) Forschern der Universität Johns Hopkins zufolge rund 70.000 bestätigte Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus. Mehr als 1000 Menschen sind infolge der vom Virus ausgelösten Erkrankung Covid-19 gestorben.

Quelle: ntv.de, mbo/rts/dpa/DJ