Wirtschaft

Gründerin zieht in XXL-Bundestag "Dann fühlt es sich halt an wie Startup"

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Erst wird in der Küche, dann im Bundestag geköchelt ... Kitchen Stories - eine App, die Unerfahrene für das Kochen begeistern soll.

(Foto: Kitchen Stories)

Verena Hubertz hat die erfolgreiche Koch-App Kitchen Stories, die inzwischen über 20 Millionen Nutzer hat, mitgegründet - und gerade für die SPD ein Direktmandat gewonnen. Ihr Ziel: Politik nahbarermachen. Dafür will sie vor allem ihre Perspektive als Unternehmerin einbringen.

Als sie das Hauptstadtbüro von "Stern", "Capital" und "Business Punk" am Potsdamer Platz betritt, macht Verena Hubertz mit ihren zwei Begleiterinnen gleich im Foyer eine Instagram-Story. Im sechsten Stock sieht sie den Konferenzraum mit dem großartigen Blick auf den Reichstag. Gleich noch eine Insta-Story. Man spürt Energie und Euphorie. Da ist jemand, der etwas vorhat.

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Verena Hubertz kommt aus Konz. Die 33-Jährige gründete 2013 mit einer Studienkollegin das Startup "Kitchen-Stories". Eine App, die auch unerfahrene Menschen für das Kochen begeistern soll.

(Foto: picture alliance / photothek)

Die frisch gewählte Bundestagsabgeordnete der SPD möchte die Politik erlebbarer machen, erzählt sie im Podcast "Die Stunde Null". "Ich finde definitiv, dass Politik nahbarer und nicht so geschliffen sein sollte", sagt die Gründerin. "Und da gehört natürlich auch Instagram dazu. Ich habe das auch sehr stark im Wahlkampf genutzt." Etwa mit einem Video-Tagebuch.

Die ersten Tage im Bundestag – wo alle suchen, wuseln und sich vorstellen, fühlten sich an "wie auf der Uni", sagt Hubertz. Ein Büro hat sie noch nicht, und wenn sie nur einen Container bekommen sollte – wegen des aufgeblähten Bundestages werden Räume knapp – nun, "dann fühlt es sich halt eben wieder an wie Startup".

Die frisch gewählte SPD-Fraktion ist jünger, weiblicher und diverser, rund 100 Neulinge sind im Bundestag für die Sozialdemokraten. Und Hubertz, die das Direktmandat in Trier gewonnen hat, ist einerseits ein Beispiel, andererseits eine Ausnahmeerscheinung: Sie ist eine erfolgreiche Gründerin, die ihr Startup verlassen hat, um Politik zu machen. "Ich habe beschlossen Kitchen Stories für etwas zurückzulassen, für das ich ebenso brenne. Und das ist sozialdemokratische Politik", schrieb sie damals auf Twitter.

Hubertz hat nach dem Studium Kitchen Stories mitgegründet, eine video-basierte Koch-App, die acht Jahren später über 20 Millionen Nutzern und 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählt, und inzwischen von Bosch gekauft wurde, mit einer Bewertung von 20 bis 25 Millionen Euro. Mit der Frage "Eine Unternehmerin in der SPD? Die bösen Arbeitgeber?", wurde sie schon öfter konfrontiert, berichtet Hubertz. Diesen "Barrieren im Kopf" hat die 33-jährige den Kampf angesagt, "weniger Vorurteile, mehr Austausch, mehr Begegnung" ist ihr Motto.

Das Thema Mindestlohn trieb sie vor über zehn Jahren in die SPD, weil sie selbst bei Burger King nur gut sechs Euro verdiente. Ihr geht es um Gerechtigkeit, aber das müsse nicht unbedingt eine Vermögenssteuer sein – die im Programm der SPD steht. "Ich bin schon dafür, dass starke Schultern mehr tragen", sagt Hubertz, die an der renommierten Businesschool WHU studiert hat. Aber es gebe "vielleicht andere Steuern, die einfacher in der Umsetzung sind".

Als Bundestagsabgeordnete ist jetzt ihr Herzthema der "Zukunftsfonds 2.0", ein gemeinwohlorientierter Staatsfonds nach dem Vorbild skandinavischer Länder. Damit möchte sie das "Riesenproblem" der Rente lösen: "Es macht einfach Sinn, dass man ein kleines Puzzleteil anlegt am Aktienmarkt, aber eben auch in die Technologiebranche", argumentiert sie. Sie hat auch ein Projekt mit der Friedrich-Ebert-Stiftung gestartet, um die Gründung von Betriebsräten in Startups zu vereinfachen.

Hören Sie in der neuen Folge von "Die Stunde Null":

  • Warum die Mitgründerin für den Start ihr Auto verkaufen musste
  • Welchen Tipp Hubertus Heil Verena Hubertz am ersten Tag gegeben hat
  • Wie der Besuch von Apple-Chef Tim Cook bei Kitchen Stories gelaufen ist

Alle Folgen finden Sie direkt bei Audio Now, Apple oder Spotify oder via Google.

Quelle: ntv.de, ddi

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