Wirtschaft

Türkische Konkurrenz für Tesla? Das neue "Erdo-Mobil" ist ein Elektroauto

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Erdogan bei einer Militärparade im August 2014: Der alte Traum von einem erfolgreichen türkischen Auto-Modell soll endlich wahr werden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der türkische Präsident wartet mit einem neuen Leuchtturm-Projekt auf: Im Dezember soll der Prototyp für ein rein türkisches E-Auto vorgestellt werden. Kann Erdogan die Autobranche aufmischen?

Recep Tayyip Erdogan hat sich ein einheimisches Elektroauto gewünscht und er bekommt es. Im Dezember werde der Öffentlichkeit der Prototyp vorgestellt, verspricht der Minister für Industrie und Technologie, Mustafa Varank. "Dies wird ein wichtiger Erfolg für unsere Bemühungen. Die Türkei wird das einzige Land in unserer Region sein, das einen elektrischen Geländewagen produzieren kann", zitiert ihn die türkische Zeitung "Hürriyet". Angeblich soll es sich bei dem Prototyp um einen elektrischen SUV handeln.

Details werden zwar erst im Rahmen der Zeremonie im Dezember erwartet, trotzdem sind ein paar Dinge schon bekannt. So wird das neue türkische Elektro-Volksauto auf Basis des Saab 9-3 gebaut. Die Zusammenarbeit zwischen dem schwedisch-chinesischen Saab-Eigner NEVS (National Electric Vehicle Sweden) und der Türkischen Anstalt für Wissenschaft und Forschung (Tübitak) soll schon vor vier Jahren die Arbeit aufgenommen haben. Erfahrungen hierfür hat der Saab-Retter NEVS in Schweden gesammelt. Dort gibt es bereits Elektroautos auf Basis des Saab 9-3 - allerdings unter dem eigenen Namen NEVS.

Auch wenn der türkische Staat das Projekt unterstützt, ist das "Erdo-Mobil" eine kommerzielle Angelegenheit. An der Produktion sind fünf Unternehmen beteiligt, die sich vor zwei Jahren zu einem Joint Venture zusammengeschlossen haben: Anadolu Group, BMC, Kıraça Holding, Turkcell und Zorlu Holding. Als Geschäftsführer fungiert ein ehemaliger Bosch-Manager.

Mit Investitionen in Höhe von drei Milliarden Dollar sollen letztlich fünf Elektromodell-Varianten entstehen: eine Limousine, ein Kombi, eine Kombilimousine, ein Cabrio und ein SUV. Die Serienreife soll 2022 erreicht sein. Die Reichweite des neuen türkischen E-Saab soll 500 Kilometer betragen und mindestens 85 Prozent der Zuliefer-Komponenten sollen aus der Türkei kommen. Die Erwartungen der Regierung in Ankara hierbei sind hoch gesteckt. Laut der Erdogan-nahen Zeitung "Sabah" soll das türkische Handelsbilanzdefizit durch das türkische E-Mobil angeblich um rund sieben Milliarden Euro schrumpfen. Außerdem sollen 20.000 Arbeitsplätze entstehen.

Der alte Traum vom türkischen Auto

Hierzulande rechnen Experten dem Projekt eher geringe Erfolgschancen aus. Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer sieht sie gar "bei null". "Die Modelle von Saab sind mittlerweile Oldtimer", sagt der Leiter des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen n-tv.de. Es werde somit wohl eher ein Wunschprojekt des türkischen Präsidenten bleiben. 

Die Türkei war allerdings zuletzt auch gut für Überraschungen. Dass ausgerechnet am Bosporus ein Flughafen aus dem Sand gestampft wurde, der größer und billiger ist als der Berliner BER, hatten auch viele angezweifelt. Fakt ist, seit April 2019 wird von dort zuverlässig geflogen.

Erdogan wird weiter Dampf bei seinem E-Projekt machen. Noch ist er nicht völlig zufrieden mit den Fortschritten seines neuen Vorzeigeprojekts, wie Varank einräumt. 2017 hatte der Präsident unmissverständlich klargemacht, dass er keine Verzögerungen und keine Verspätungen dulden werde. Das Projekt liegt heute ein Jahr hinter Plan. Deshalb soll der Prozess auch beschleunigt werden.

"Unser Präsident ist sehr daran interessiert, den Abschluss dieses Herstellungsprozesses zu sehen. Es ist eine Revolution in Bezug auf unsere industriellen Bemühungen", zitiert die "Hürriyet" den Minister. Und ein lang gehegter Traum, der endlich Wirklichkeit werden soll. Der Traum vom türkischen Auto reicht bis ins Jahr 1966 zurück. Der erste Anlauf floppte. Der "Anadol" musste in den 90er-Jahren eingestellt werden. Die Werke werden seitdem von internationalen Autoherstellern für ihre Produktion genutzt.

Quelle: n-tv.de, ddi

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