Wirtschaft

Gold, Silber und die FedDas sind die wahren Gründe für den Edelmetall-Crash

06.02.2026, 10:11 Uhr 87137Von Raimund Brichta
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Die Edelmetallmärkte waren stark gehebelt, eine typische Verkaufskaskade laut einem Experten die Folge. (Foto: picture alliance / SvenSimon)

Wenn die Kurse fallen, suchen Märkte nach Erklärungen. Im Fall von Gold und Silber war sie schnell gefunden: die mögliche Ernennung eines neuen Fed-Chefs. Ein Edelmetall-Experte ist skeptisch. Er hält das Narrativ für wenig belastbar. Was steckt tatsächlich hinter dem Preisrutsch?

Der Sturz kam abrupt. Nach einem historischen Höhenflug fielen Gold- und Silberpreise innerhalb weniger Tage deutlich. An den Märkten hält sich seitdem eine Erklärung hartnäckig: Die mögliche Nominierung von Kevin Warsh als neuer Chef der US-Notenbank durch US-Präsident Donald Trump habe die Korrektur ausgelöst.

Der Edelmetall-Experte Robert Vitye widerspricht. Ihm zufolge greift diese Lesart zu kurz. Er ordnet das Geschehen anders ein. Die Korrektur habe bereits eingesetzt, bevor Trump Warsh offiziell ins Spiel brachte, sagt Vitye im Wirtschaftspodcast "Brichta & Bell". Gold und Silber seien zuvor nahezu exponentiell gestiegen, die Märkte entsprechend überhitzt gewesen: "Wir haben es mit einer klassischen Überkauftheit zu tun gehabt."

In solchen Phasen reiche oft ein einzelner Impuls, um eine Verkaufswelle auszulösen, sagt Vitye. Anschließend beginnt ihm zufolge die Suche nach simplen Erklärungen: politischen Schlagzeilen.

Eine typische Verkaufskaskade

Der Edelmetallexperte macht stattdessen gleich mehrere Ursachen für den jüngsten Absturz aus. Dazu gehört auch die Struktur der Edelmetallmärkte selbst. Die kurzfristige Preisbildung findet vorwiegend an den Terminmärkten statt, insbesondere an der US-Börse Comex. Dort dominieren kreditfinanzierte Positionen. Höhere Sicherheitsanforderungen der Börse, algorithmischer Handel und technische Faktoren hätten die Abwärtsbewegung zusätzlich beschleunigt, sagt Viyte. Er spricht von einer typischen Verkaufskaskade, wie sie in stark gehebelten Märkten immer wieder zu beobachten sei.

Auffällig ist für Vitye der Gegensatz zwischen Terminmarkt und physischem Markt, also zwischen dem Handel mit Gold-Kontrakten und real verfügbarer Ware. Während die Preise an den Terminbörsen unter Druck gerieten, habe die Nachfrage nach physischem Gold und Silber deutlich angezogen, berichtet er. Händler verzeichneten steigende Aufschläge und teils eingeschränkte Verfügbarkeit: "Solche Rücksetzer verstärken oft den Run auf physisches Metall."

Diese Entwicklung verweist auf einen übergeordneten Trend: Notenbanken, institutionelle Investoren und Privatanleger suchen Schutz vor geopolitischen Spannungen und wachsender Staatsverschuldung. Kurzfristige Preisschwankungen ändern an dieser Motivation wenig.

Die Grenzen der Macht

Warum also hielt sich das Warsh-Narrativ so hartnäckig? Vitye erklärt das mit dessen kritischer Haltung gegenüber der stark ausgeweiteten Notenbankbilanz. An den Märkten sei daraus rasch die These entstanden, Warsh werde als Fed-Chef einen deutlichen Bilanzabbau einleiten - mit negativen Folgen für Gold und Silber.

Diese Schlussfolgerung hält Vitye jedoch für irreführend. Die strukturellen Zwänge seien enorm. Die USA säßen auf einem Schuldenberg von rund 38 Billionen Dollar. In einem solchen Umfeld seien dauerhaft höhere Zinsen kaum tragfähig. Der Finanzmarktexperte ist überzeugt: "Warsh wird als Falke angekündigt – am Ende bleibt er maximal eine kostümierte Taube."

Eine echte geldpolitische Kehrtwende hätte nach Einschätzung Vityes massive Folgen, nicht nur für Edelmetalle, sondern ebenso für Aktien-, Anleihe- und Kreditmärkte. Genau deshalb sei der tatsächliche Handlungsspielraum der Notenbanken deutlich geringer, als viele Marktteilnehmer annähmen.

Die ausführliche Analyse, Einordnung und Diskussion von und mit dem Edelmetallexperten Robert Vitye hören Sie in der neuen Folge von "Brichta & Bell - Wirtschaft einfach und schnell".

Quelle: ntv.de

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