Wirtschaft

Zinssorge und Konjunkturhoffnung Dax kann sich nur schwer befreien

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Die Börsen-Bären sind aus dem Winterschlaf erwacht.

(Foto: imago images/Marcel Lorenz)

Die Rekordhausse ist ins Stocken geraten. Anziehende Renditen bei den Anleihen machen den Aktienanlegern Sorgen. Auch die Ausbreitung der Coronavirus-Mutationen verunsichert. Dagegen steht allerdings die Hoffnung auf eine anziehende Konjunktur und steigende Unternehmensgewinne.

Die Hängepartie im Dax könnte sich in der neuen Woche fortsetzen. Denn: Besseren Konjunkturaussichten stehen unverändert die Corona-Lockdowns gegenüber. Vor allem mit Blick auf Mutationen des Virus ist die Verunsicherung nach wie vor groß. Bremswirkung für Aktien könnten Experten zufolge auch weiter steigende Zinsen an den Anleihenmärkten entfalten. Gleichzeitig gibt es unter anderem durch das große Konjunkturpaket in den USA berechtigte Hoffnung auf steigende Unternehmensgewinne. Aus dieser Klammer kann sich der Dax nur schwer befreien.

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Seit zwei Wochen pendelt der Dax um die Marke von 14.000 Punkten. Ein Rekordhoch erreichte der Index bei rund 14.169 Zählern. Das Tief der jüngsten Konsolidierung lotete er anschließend mit gut 13.800 Punkten aus. Ein klarer Trend ist Fehlanzeige. Am Freitag reichte es für den Dax zu einem freundlichen Wochenausklang. Am Ende schloss der deutsche Leitindex 0,77 Prozent höher bei 13.993,23 Punkten. Auf Wochensicht stand so ein moderates Minus von 0,4 Prozent zu Buche.

Sorgen bereitete den Aktien-Anlegern zuletzt der Renditeanstieg bei Anleihen, vor allem in den USA. Die Verzinsung zehnjähriger US-Papiere stieg auf den höchsten Stand seit einem Jahr. Damit könnten Anleihen zu Aktien als Anlage wieder attraktiver werden. Marktteilnehmer sollten sich von diesen Bedenken nicht allzu sehr verunsichern lassen. Denn es gibt einen großen Unterschied zu früheren Phasen steigender Renditen: Dieser Renditeanstieg ist erwünscht! Mit der Reflationierung wächst die Chance, dass die Staaten aus ihren schier maßlosen Verschuldungsquoten herauswachsen. Das ist sicherlich der Grund, weshalb die US-Notenbank einen Anstieg der Inflationsrate über die Marke von 2 Prozent ausdrücklich zulassen will.

Dax hinkt hinterher

Und noch einen Unterschied gibt es: Blackrock meint zu den Renditen, sie stiegen dieses Mal sogar langsamer als sonst in Wirtschaftswenden. In der Tat steigen die Renditen sogar langsamer als die Preise. Damit wird der Realzins aber noch negativer. Das wird über kurz oder lang die Asset-Preise wieder stützen: Aktien, Immobilien und wohl auch Gold.

Viele wichtige Indizes der Welt haben vor der jüngsten renditegetriebenen Konsolidierung neue Rekorde markiert. Trotzdem sind Marktteilnehmer zunehmend frustriert, vor allem weil der Dax nach wie vor den anderen Börsen hinterherhinkt. In Shanghai und in Hongkong stiegen die Leitindizes seit Jahresbeginn um 13 Prozent, in Tokio legte der Nikkei währungsbereinigt um 7 Prozent zu. Im Dax ging es dagegen gerade einmal um knapp 2 Prozent nach oben.

Das mag damit zu tun haben, dass der Dax im vergangenen Jahr nach der Baisse besonders stark zugelegt hatte. Es liegt aber auch an der Zusammensetzung: Zu viele Titel hängen derzeit einfach seitwärts fest. Nur über die charttechnisch noch starken Aktien wie die Autotitel, Siemens, Infineon oder BASF und Covestro wird es kaum zu höherer Aufwärtsdynamik kommen.

Aufwärtstrend hält

Ein Bruch des Aufwärtstrends bei etwa 13.500 Punkten ist jedenfalls nicht in Sicht. Trotzdem dürften es zinssensible Titel aus der Telekom-Branche oder dem Versorger-Sektor weiterhin schwer haben. Besser aufgestellt sein dürften da Unternehmen, die eine niedrige Verschuldung haben und hohe Cashflows generieren.

Auch in der kommenden Woche steht die Berichtsaison weiter im Blick. Auf der Makroseite stehen unter anderem der ifo-Geschäftsklima-Index und die Geldmengenentwicklung auf der Agenda. Der ifo-Geschäftsklima-Index wird kaum verändert erwartet, irgendwo in der Nähe des Januar-Stands von 90,1. Auch die Dynamik des Geldmengenwachstums dürfte mit gut 12 Prozent bei der Geldmenge M3 nahezu unverändert günstig bleiben. Das wäre für die Märkte klar positiv: Ist doch Liquidität zwar nicht alles, aber ohne Liquidität eben alles nichts.

In den USA steht am Dienstag das US-Verbrauchervertrauen auf der Agenda, auch dieses dürfte sich laut den Prognosen nicht sonderlich verändert haben. Am Donnerstag folgen die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter und am Freitag der Index der Einkaufsmanager in Chicago. Hier stellt sich die Frage, ob die großen Schlachthöfe in Chicago und Umgebung die hohen branchenspezifischen Pandemie-Risiken im Griff haben.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa/rts