Chip-Aktien brechen einDer Billionen-Dollar-Schuldenkreislauf hinter dem KI-Boom macht Anlegern Angst

Chiphersteller oder Cloudanbieter finanzieren über KI-Unternehmen die Nachfrage nach den eigenen Produkten. Mit neuen, Hunderte Milliarden Dollar schweren Deals heizt Nvidia den KI-Schuldenkreislauf an. Das Vertrauen der Anleger schwindet offenkundig.
Die Zahlen sind so gewaltig, dass den Anlegern, die den KI-Boom an den Börsen bislang finanzierten, mulmig wird: Der Chiphersteller Nvidia kündigte in den vergangenen Tagen mehrere KI-Investitionen und Projekte mit einem Volumen von insgesamt über 750 Milliarden Dollar an. Die Deals folgen einem in der Branche bekannten Muster: Nvidia leiht seinen eigenen Kunden viel Geld oder tritt als Garant auf, damit sie entsprechende Schulden aufnehmen können, um die Prozessoren des Chipherstellers zu kaufen.
Aus Sorge, dass diese Kreislauffinanzierung schiefgehen könnte, zogen sich Anleger aus den beteiligten Chip- und Technologieunternehmen zurück. Die Aktien von Nvidia verloren am Montag fünf Prozent an Wert. In Südkorea brachen die Papiere von SK Hynix heute um fast elf Prozent ein, Samsung verloren mehr als neun Prozent. Der von Technologieaktien dominierte südkoreanische Leitindex Kospi stürzte um mehr als acht Prozent auf ein Drei-Monats-Tief, was eine Handelsunterbrechung auslöste.
Von Nvidias neuen Projekten soll allein der Bau großer Rechenzentren und KI-Infrastruktur in Südkorea 500 Milliarden Dollar kosten. Durchgeführt wird der Bau von der koreanischen SK-Group, die auch Speicherchips liefert. Von Nvidia kommen die Prozessoren. Für OpenAI will Nvidia eine Bürgschaft über 250 Milliarden Dollar übernehmen. Damit will die Firma hinter ChatGPT Schulden aufnehmen, um Computerleistung in Rechenzentren zu leasen. Darüber hinaus verhandeln die beiden Unternehmen Berichten zufolge über eine weitere direkte Finanzierung von Nvidia-Prozessoren für OpenAI im Umfang von bis zu 350 Milliarden Dollar. Vergleichsweise bescheiden wirkt da der Einstieg Nvidias in das neue KI-Startup des OpenAI-Mitgründers Ilya Sutskever mit einer Investition von fünf Milliarden Dollar, die ebenfalls hauptsächlich dazu dienen soll, Rechenleistung in Form von Nvidia-Chips zu bezahlen.
Wenn die Gewinne ausbleiben, platzt die Blase
Kritiker warnen schon seit dem vergangenen Jahr, dass der KI-Boom an den Börsen zu einem großen Teil auf solchen Schulden-Zirkelschlüssen zwischen KI-Entwickler, Cloud-Anbietern und Chipherstellern beruhe. Die Investitionsvorhaben - und damit die Schulden - der Branche belaufen sich längst auf mehrere Billionen Dollar. Die daraus entstehende Nachfrage hat die Aktienkurse von Chipherstellern wie Nvidia uns SK Hynix in gigantische Höhen getrieben. Deren Investitionen in KI-Entwickler hat wiederum dazu beigetragen, den Unternehmenswert von OpenAI, Anthropic und anderer KI-Spezialisten zu vervielfachen.
Auch andere Techunternehmen wie Microsoft, Google, Meta und der Chiphersteller AMD haben Milliardensummen in diesen KI-Finanzkreislauf investiert. Gerechtfertigt werden diese Geschäfte mit der Aussicht auf kommende hohe Gewinne, die die revolutionäre Technologie bald einfahren soll. Sollten diese Gewinne allerdings hinter den Erwartungen zurückbleiben, könnte eine gigantische Blase an den Börsen platzen und sich die Kursgewinne der vergangenen Jahre von Nvidia und Co. in Luft auflösen.
Ob und wann es soweit kommt, ist derzeit nicht absehbar. Anleger machen aber mittlerweile deutlich, dass ihnen der Umfang dieser Kreislaufinvestitionen Sorgen bereitet. Das zeigt sich nicht nur im Kursrücksetzer von Nvidia. Versicherungen gegen einen Zahlungsausfall des bis vor kurzem wertvollsten Unternehmens der Welt verteuerten sich um rund 20 Prozent. Auch wenn ein solcher Zahlungsausfall weiter als unwahrscheinlich angesehen wird, ist diese Entwicklung ein eindeutiger Hinweis auf wachsendes Misstrauen.