Wirtschaft

Angeschlagene Bank im Dilemma Deutsche Bank kann Boni kaum vermeiden

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Vor Jahren war noch deutlich mehr drin in der Bonus-Kasse der Deutschen Bank.

(Foto: picture alliance / Arne Dedert/d)

Eine Milliarde Euro Erfolgsprämien will die Deutsche Bank auszahlen, obwohl sie erneut einen Verlust ausgewiesen hat. Auch Aktionäre sind empört, können die Entscheidung aber nachvollziehen - solange der Vorstand nichts von der Milliarde bekommt.

Die Empörung über die angekündigten Boni für Mitarbeiter der Deutschen Bank ist gewaltig. Die Entscheidung, trotz eines Verlustes insgesamt eine Milliarde Euro an Prämien für 2017 auszuzahlen, könne "die Legitimität einer Wirtschaftsordnung" gefährden, warnte gar der CDU-Politiker Matthias Zimmer gegenüber der "Bild"-Zeitung. Selbst der Regierungssprecher in Berlin äußerte sich, obwohl es eine private Unternehmensentscheidung sei. "Gleichwohl muss sich die Unternehmensleitung selbstverständlich fragen, welchen Eindruck sie in der Öffentlichkeit erzeugt", sagte Steffen Seibert.

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Für die Betrachter von außen ist der Fall eindeutig: Die Bank wird für 2017 erneut einen Verlust ausweisen. Es gibt also auch keinen Erfolg, der irgendwelche Erfolgsprämien rechtfertigt. Tatsächlich aber steckten Vorstand und Aufsichtsrat in einem Dilemma, sagt Michael Kramarsch, Gründer und Chef der Unternehmensberatung HKP. Kramarsch berät viele Konzerne bei der oft delikaten Ausgestaltung der Bezahlung ihrer Spitzenleute. Er hält das Argument der Bank, ohne Boni würden einige der Leistungsträger vor allem im Investmentbanking abwandern und die Probleme des Unternehmens verschärfen, für stichhaltig.

"Aus Sicht der Bank kann durchaus sinnvoll sein, Ergebnisträgern auch in schlechten Zeiten Prämien zu zahlen, um sie für die guten Zeiten zu halten, in denen sie auch wieder Gewinn erwirtschaften", so Kramarsch. Schließlich sei die Nachfrage nach Investmentbankern seit der Finanzkrise wieder stark gewachsen. Zudem gelte gerade in diesem Bereich die Loyalität der Spezialisten, "vor allem der Gehaltsabrechnung und weniger ihrem Geldbeutel." Wenn ein Arbeitgeber in Dubai oder Singapur mehr böte, seien sie schnell zum Wechsel bereit. Andere Möglichkeiten zu Mitarbeiterbindung gebe es für die Bank kaum.

Erst die Kapitalkosten einspielen, dann Boni zahlen

Dass sieht auch Jürgen Kurz, Sprecher der deutschen Schutzvereinigung Wertpapierbesitz (DSW) so. "Über den Markt können Sie sich aufregen, aber die Bank steht nun mal in einem Wettbewerb um die besten Fachkräfte", sagt der Anlegerschützer. Er könne die Empörung über die Boni nachvollziehen. Doch auch wenn er "nicht glücklich" sei über die geplanten Prämien, seien sie wohl in der derzeitigen Lage unumgänglich. Boni trotz Verlust dürften aber nur eine Ausnahme in einer Übergangssituation sein, findet Kramarsch. Und das könne die Deutsche Bank nach nun dem dritten Verlustjahr in Folge nicht mehr für sich in Anspruch nehmen: "Man muss aufpassen, dass der Sonderfall nicht zur chronischen Krankheit wird."

Dasselbe gelte für die von Bankvertretern geäußerte Begründung, der Bilanzverlust sei nur durch die Steuerreform in den USA verursacht worden, operativ habe die Deutsche Bank 2017 Geld verdient. "Als Ausnahme könnte kann man so argumentieren, aber man kann nicht über Jahre Geld ausgeben, das man nicht einnimmt", so Kramarsch.

Das Argument vom eigentlich profitablen Geschäft, das nur durch Donald Trump zum Verlust werde, kann auch Markus Kienle, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) nicht nachvollziehen. "Selbst ohne die Belastung von 1,5 Milliarden Euro wegen der US-Steuerreform hätte wohl das unbelastete Ergebnis nicht ausgereicht, um die Kapitalkosten zu verdienen." Für die Ausschüttung von Boni reiche das prinzipiell nicht aus. "Für uns gilt die Regel: Erst nachdem die Kapitalkosten verdient sind, kann es eine variable Vergütung geben." Gleichwohl gelte es zu berücksichtigen, so Kienle weiter, dass Teilen des Vorstandes Ergebnisbelastungen aufgrund von "Altlasten" nicht zuzurechnen seien. Hier gelte es, einen alle Interessengruppen berücksichtigenden Ausgleich zu schaffen.

Boni für den Vorstand nicht akzeptabel

Immerhin weisen die Experten daraufhin, dass die Höhe der Boni im Vergleich zu früher deutlich gesunken sei. 2014, als die Deutsche Bank das bisher letzte Mal einen Jahresgewinn verbuchte, zahlte sie noch mehr als drei Milliarden Euro an Prämien aus. 2015, als die Bank einen Rekordverlust von mehr als sechs Milliarden Euro verkündete, waren es noch 2,4 Milliarden Euro Boni und 2016 schließlich 500 Millionen Euro. "Eine Rückkehr zu den alten Exzessen, als die Boni auch in den guten Zeiten einen Großteil der Gewinne auffraßen, darf es auf keinen Fall geben", mahnt Aktionärsschützer Kurz.

Zur genauen Verteilung der Boni, deren Zahlung die Deutsche Bank bereits vor Wochen angekündigt hatte, ist noch nichts bekannt. Offenbar umfasst die in Berichten genannte eine Milliarde Euro jedoch keine Prämien für die Vorstandsmitglieder. "Das wäre nicht akzeptabel", so DSW-Sprecher Kurz. Wenn der Markt die Bank auch zwingt, trotz Verlust Boni an Investmentbanker zu zahlen - beim Vorstand gibt es aus Sicht der Anleger nichts zu belohnen.

Trotz seiner eigenen Skepsis gegenüber der Boni-Ausschüttung bei der Deutschen Bank weist SdK-Vorstand Kienle die moralische Empörung aus der Politik entschieden zurück. "Das geht die Politiker nichts an. Die sollten lieber uns Aktionären das Instrumentarium an die Hand geben, die Konzerne effektiv zu kontrollieren", fordert Kienle. Die Möglichkeiten der Anteilseigner, auf die Gehaltsstruktur und -höhe Einfluss zu nehmen, habe sich seit der letzten Gesetzesreform zur Managervergütung nicht verbessert.

Quelle: ntv.de

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