Wirtschaft

Verschärfung der Geldpolitik? Deutsche Sparer sitzen in der Falle

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Mario Draghi.

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Die Inflationsraten in Deutschland und der Eurozone nähern sich zügig der Zielmarke der EZB. Damit wächst der Druck auf deren Chef Draghi, die Geldpolitik zu verschärfen. Wird er auf seine Kritiker hören?

Kräftiger Anstieg der Inflation in der Eurozone: Im Januar sind die Verbraucherpreise um 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen und lagen damit deutlich über den Prognosen der Volkswirte von 1,6 Prozent. Damit hat sich die Inflationsrate gegenüber dem Wert für Dezember von 1,1 Prozent stark beschleunigt und ist so hoch wie letztmals Anfang 2013. Für den Anstieg sind vor allem die Energiepreise verantwortlich, lagen sie doch um 8,1 Prozent über dem Vorjahresniveau. Zuletzt kamen noch steigende Preise für Nahrungs- und Genussmittel hinzu. Die Inflationsrate nähert sich damit zügig dem Ziel der EZB von knapp unter zwei Prozent.

Die Preise für Deutschland waren um 1,9 Prozent geklettert. In Spanien war die Teuerung sogar auf 3 Prozent nach oben geschossen. Dafür ist nicht nur der Ölpreis, sondern ein grundsätzlicher Preisanstieg verantwortlich.

Und wie geht es weiter? Weil der Ölpreis der Nordseesorte Brent derzeit um mehr als 60 Prozent über dem Vorjahresniveau liegt, erwarten Experten, dass die Inflation in der Eurozone schon bald über die Marke von zwei Prozent klettern und weiter nach oben tendieren könnte - und sich ab Mitte 2017 allmählich stabilisiert.

Negative Realrenditen

Da sich die EZB ihrem Inflationsziel zusehends nähert, fordert nicht nur Bundesbankchef Jens Weidmann eine allmähliche Abkehr von der sehr lockeren Geldpolitik der EZB. Immerhin sind die Kaufkraftverluste der Sparer so groß wie selten zuvor. So liegen die Zinsen für einjährige Bundesanleihen bei minus 0,66 Prozent. Unter Berücksichtigung der Inflation von 1,9 Prozent liegt die reale "Rendite" damit bei minus 2,56 Prozent, wodurch die Kaufkraft der Sparer kräftig sinkt. "Anleger sind daher auf der Suche nach attraktiven Zinsangeboten, die mehr bieten als die Rendite von Bundesanleihen", sagt Manuel Suckart vom Onlinebroker Degiro. "Wir sehen bei uns daher eine rege Nachfrage nach Zinszertifikaten, die positive Renditen abwerfen", ergänzt sie.

In dem Umfeld müsste EZB-Chef Mario Draghi eigentlich allmählich die Geldpolitik verschärfen und die Leitzinsen vom Rekordtief von null Prozent zügig erhöhen, um Preisstabilität zu bewahren.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Draghi das umsetzt, ist aber äußerst gering. Draghi hat zwar angekündigt, dass er das Anleihenkaufprogramm ab April von 80 auf 60 Mrd. Euro pro Monat zurückfahren wird. Allerdings wird die EZB künftig alte, auslaufende Anleihen in neue umschichten, wodurch das monatliche Kaufvolumen bei mehr als 70 Mrd. Euro liegen dürfte, weshalb die Geldpolitik praktisch kaum verschärft werden wird.

Zuletzt sagte der Chef der italienischen Notenbank und EZB-Mitglied Ignazio Visco, dass die Geldpolitik "sehr akkommodierend" bleiben müsse. Immerhin steigen die Zinsen für Italien und Frankreich kräftig, weil sich Investoren Sorgen machen, dass es nach dem Urteil des Verfassungsgerichts Italiens vom 25. Januar möglicherweise im Juni zu Neuwahlen kommen könnte. Dabei könnte die oppositionelle 5-Sterne-Bewegung von Beppe Grillo als Wahlsieger hervorgehen. Sie strebt nach einem möglichen Wahlsieg ein Referendum über den Ausstieg Italiens aus dem Euro an. Italien hat aber Staatsschulden von 2,2 Billionen Euro – das sind 132,7 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Da auch in Frankreich Populisten die Präsidentschaftswahl am 23. April gewinnen und einen Euro-Austritt durchführen könnten, wird EZB-Chef Draghi eine mögliche weitere Drosselung des Kaufprogramms ablehnen.

Vielmehr dürfte er darauf hinweisen, dass die Kernrate der Inflation, also die um Energie und Nahrungsmittel bereinigte Inflationsrate, mit 0,9 Prozent weiterhin sehr niedrig sei. Zudem gebe es weiterhin Abwärtsrisiken für die Wirtschaft der Euro-Zone, die sich durch die Politik von Donald Trump noch verstärkt hätten. Gleichzeitig gehe der Abbau der hohen Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone nur langsam voran. Würde Draghi die Geldpolitik verschärfen, dürfte das die Börsen in der Euro-Zone belasten, weil sich die Erholung des Euro gegenüber dem Dollar beschleunigen würde, womit sich die Perspektiven vieler exportabhängiger Unternehmen aus der Euro-Zone eintrüben würden. Deutschen Sparer müssen sich damit auf weitere Kaufkraftverluste einstellen.

Quelle: n-tv.de

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