Wirtschaft

Nachfrage verdoppelt Deutsche kaufen auffällig viel Gold

Der Preis für Gold liegt derzeit auf einem Rekordhoch - dennoch ist es bei den Deutschen heiß begehrt. Weil die Corona-Pandemie Anleger verunsichert, investieren sie immer häufiger in das Edelmetall. Im ersten Halbjahr kauften sie doppelt so viel wie sonst: insgesamt 83,5 Tonnen.

Die Deutschen haben im ersten Halbjahr offenbar stark in physisches Gold investiert. Sie erwarben von Januar bis Juni Barren und Münzen mit einem Gesamtgewicht von 83,5 Tonnen, wie die "FAZ" unter Berufung auf den Weltgoldrat berichtete. Das war demnach ein Plus von mehr als 100 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

International dagegen ging die Nachfrage nach Gold in Form von Barren und Münzen zurück, wie es weiter hieß. Sie sank um 17 Prozent auf knapp 400 Tonnen. Dabei gab es den Angaben zufolge eine "klare Ost-West-Teilung": In den meisten Ländern Asiens und in Nahost sank der Absatz, im Westen stieg er.

Gold gilt angesichts der durch die Corona-Pandemie ausgelösten Ungewissheiten an den Märkten als sichere Wertanlage. Der Preis erreichte vor wenigen Tagen ein Allzeithoch von 1944,71 Dollar (rund 1658 Euro) pro Unze. Eine Unze sind 31,1035 Gramm.

Der alte Höchststand hatte bei 1921 Dollar gelegen. Erreicht wurde er im Spätsommer 2011, als an den Finanzmärkten die Euro-Krise tobte und der gemeinsame Währungsraum fast aus den Angeln gehoben wurde. So weit kam es nicht, doch damals waren viele Anleger verunsichert. Sie suchten in dem als wertstabil geltenden Edelmetall Schutz vor Währungsverlusten.

Eine Krise, wie gemacht für Gold

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Neun Jahre später ist Gold wieder angesagt. Und erneut sorgt eine große Krise dafür, dass materielle Ängste aufkommen. Dieses Mal ist es nicht nur eine Krise im Herzen Europas, sondern eine, die die ganze Welt erschüttert. Das Coronavirus hat dafür gesorgt, dass die meisten Volkswirtschaften nahezu gleichzeitig ihren Betrieb zeitweilig einstellen mussten. So etwas hat es in Friedenszeiten noch nicht gegeben. Es ist eine Krise wie gemacht für Gold.

Dabei ist Gold eigentlich keine besonders gute Geldanlage. Schaut man sich an, wie stark sein Preis im Zeitverlauf mitunter schwankt, kann man ins Grübeln kommen, warum oft von "wertstabilem" Gold die Rede ist. Das Argument wiegt umso schwerer, als die Goldanlage nur von Wertsteigerungen profitiert. Regelmäßige Erträge wie Zinsen oder Dividenden gibt es nicht. Aber Gold hat einen Vorteil: Es ist selten. Das Edelmetall gilt vielen als Krisen- und Inflationsschutz, weil es nicht beliebig vermehrt werden kann.

Quelle: ntv.de, chf/dpa/AFP