Wirtschaft

Investoren geben Anteile zurück Deutscher Flugtaxi-Börsengang fällt bescheidener aus

Börsengänge mithilfe von SPACs waren vor einigen Monaten noch ein ganz heißer Trend an der Wall Street. Doch die Begeisterung der Investoren für diese Vehikel ist abgekühlt. Das spürt auch der deutsche Flugtaxi-Bauer Lilium, der deutlich weniger Geld einnimmt als erhofft.

Der Weg für das deutsche Flugtaxi-Startup Lilium an die New Yorker Börse ist frei. Der Erlös des Börsengangs mithilfe eines SPACs, einer bereits börsennotierten Zweckgesellschaft, fällt jedoch deutlich geringer aus als erhofft. Im Zuge der Transaktion flossen dem fusionierten Unternehmen etwa 584 Millionen Dollar zu. Vor einigen Monaten hatte Lilium-Chef Daniel Wiegand noch deutlich mehr als 800 Millionen Dollar angestrebt. Voraussichtlich ab Mittwoch werden die Lilium-Aktien an der US-Technologiebörse Nasdaq notiert sein.

Lilium fusioniert nun, wie im März angekündigt, mit dem SPAC Qell. Dessen Aktionäre stimmten mehrheitlich für den Zusammenschluss, wie das Unternehmen mitteilte. Allerdings gaben zuvor fast zwei Drittel der Qell-Aktionäre ihre Anteile zurück, statt auf den künftigen Erfolg von Lilium zu setzen. Der Deal bewertet das fusionierte Unternehmen mit 3,3 Milliarden US-Dollar (2,8 Milliarden Euro).

Lilium-Mitgründer und Vorstandschef Wiegand zeigte sich jedoch zufrieden. Die Entscheidung bringe Lilium dem für das Jahr 2024 geplanten kommerziellen Start näher, sagte er laut Mitteilung. Lilium hat Elektrojets mit bis zu sieben Sitzplätzen entwickelt, die das Unternehmen in Deutschland in Serie bauen will. Sie sollen senkrecht starten und landen, aber die Strecke mithilfe von Tragflächen wie konventionelle Flugzeuge zurücklegen. Damit sollen sie schneller und wirtschaftlicher sein als Modelle von Wettbewerbern. Mit dem Flughafenbetreiber Ferrovial will Lilium nach früheren Angaben Start- und Landeplätze in Florida aufbauen. Die brasilianische Fluggesellschaft Azul will 220 Lilium-Elektrojets für eine Milliarde Dollar kaufen und plant eine strategische Zusammenarbeit.

Qell-Aktien unter Ausgabekurs

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Lilium hat seine Flugtaxis in Deutschland entwickelt und will sie auch hierzulande in Serie bauen.

(Foto: picture alliance/dpa/Lilium)

SPACs ermöglichen im Vergleich zum herkömmlichen Weg durch die Ausgabe eigener Aktien eine Art kostengünstige Abkürzung an die Börse. Den finanziellen Erfolg können sie allerdings auch nicht garantieren. Nach einem Boom der SPAC-Börsengänge und Gründung zahlreicher neuer Zweckgesellschaften ist die Euphorie bei den Investoren um dieses Geschäftsmodell in den vergangenen Monaten stark zurückgegangen.

Nicht Lilium kann seine selbstgesteckten Ziele durch die Transaktion nicht voll erreichen. Für Qell-Anleger hat sich das Ganze ebenfalls bisher nicht gelohnt. Die Papiere wurden im vergangenen Herbst zu 10 Dollar das Stück platziert. Im Zuge des SPAC-Booms Ende 2020 und Anfang 2021 kostete das Papier Anfang Februar zeitweise mehr als 15 Dollar. Inzwischen ist die Euphorie für diese Anlageklasse wieder verflogen und mit ihr schmolzen auch die Kursgewinne bei Qell. Daran konnte auch die Ankündigung des Zusammenschlusses mit Lilium nichts ändern. Zuletzt kostete eine Aktie 9,99 Dollar.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa

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