Wirtschaft

Kaufhof und Karstadt fusionieren Deutscher Warenhaus-Gigant entsteht

In Zeiten von Amazon und Co. haben es traditionelle Warenhäuser nicht leicht: Die Erzrivalen Kaufhof und Karstadt schließen sich zusammen und hoffen, so optimistischer in die Zukunft blicken zu können. Derweil sorgen sich Tausende Mitarbeiter um ihre Jobs.

Deutschlands beide letzten großen Warenhausketten Karstadt und Kaufhof schließen sich zusammen. Die Eigentümer - der nordamerikanische Handelsriese HBC und die österreichische Investmentgesellschaft Signa - brachten das Gemeinschaftsunternehmen auf den Weg. "Strategisches Ziel ist es, das Einzelhandelsgeschäft zukunftsfähig zu machen und im digitalen Zeitalter einen der führenden Omnichannel-Anbieter entstehen zu lassen", teilten sie in einer gemeinsamen Erklärung mit.

Die zuständigen Kartellbehörden müssen dem Zusammenschluss allerdings noch zustimmen. Offiziell ist von einer "Fusion unter Gleichen" die Rede. Doch wird Karstadt-Chef Stephan Fanderl die Leitung des Warenhaus-Konzerns übernehmen. Und auch die Mehrheit der Anteile am neuen Unternehmen liegt künftig bei der Signa-Holding des Karstadt-Eigentümers René Benko: Signa erhält 50,01 Prozent, HBC 49,99 Prozent.

32.000 Mitarbeiter

Das neue gemeinsame Handelsunternehmen erlöste im vergangenen Jahr rechnerisch etwa 5,4 Milliarden Euro. Nach den aktuellen Angaben wird es mehr als 243 Standorte in Innenstadtlagen Europas haben mit rund 32.000 Mitarbeitern. Dazu gehören sollen Galeria Kaufhof, Karstadt Warenhaus GmbH sowie das gesamte Einzelhandelsgeschäft von HBC Europe mit Saks Off 5th, Galeria Inno in Belgien und Hudson's Bay in den Niederlanden. Auch werden Karstadt Sports und der gesamte Lebensmittel- und Gastronomiebereich beider Unternehmen darin eingebracht. Zudem werden die 11 E-Commerce-Plattformen beider Unternehmen zusammengeführt.

Besonders kritisch ist die Situation zurzeit bei Kaufhof. Die Kölner kämpfen seit der Übernahme durch HBC Ende 2015 mit Umsatzrückgängen und roten Zahlen. Karstadt hat nach einer harten Sanierung unter der Führung Fanderls gerade erst die Rückkehr in die schwarzen Zahlen geschafft.

Die Fusion und die damit einhergehende Bündelung von Einkaufsmacht dürfte es Kaufhof und Karstadt ermöglichen, bessere Konditionen von den Lieferanten zu bekommen. Außerdem könnten nach Einschätzung von Branchenkennern in der Verwaltung, Datenverarbeitung und Logistik beträchtliche Summen gespart werden.

Filialschließungen und Stellenabbau

Offen ließen die Warenhausketten zunächst, ob im Zuge der Fusion auch Filialschließungen und ein Stellenabbau geplant sind. Bei Kaufhof könnten laut Medienberichten rund 5000 der insgesamt 20.000 Arbeitsplätze wegfallen. Auf die verbleibenden Mitarbeiter komme ein Sanierungstarifvertrag mit schlechteren Konditionen zu, heißt es in einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung".

Ein Wort mitzureden haben die Wettbewerbshüter. Kartellamtspräsident Andreas Mundt kündigte bereits an, die Fusionspläne auf jeden Fall genau unter die Lupe zu nehmen: "Wir stellen uns auf ein extrem umfangreiches und aufwendiges Verfahren ein." Es müssten sowohl die Folgen für die Kunden als auch für die Lieferanten geprüft werden. Dabei müsse man nicht nur den stationären Handel berücksichtigen, sondern auch den Online-Handel. "Wir hatten bisher noch keinen Fall, in dem wir uns in diesem Umfang mit diesen Fragen auseinandersetzen mussten", sagte Mundt.

Die Gewerkschaft Verdi hatte schon beim Bekanntwerden der Fusionsgespräche betont, dass für sie im Fall eines Zusammenschlusses drei Themen im Vordergrund stünden: "die Tarifbindung, die Beschäftigungssicherung und die Standortsicherung".

Quelle: n-tv.de, hny/dpa/DJ

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