Wirtschaft

Ernüchternde Energiebilanz Deutschland stromt wieder bevorzugt mit Kohle

276799594.jpg

Im brandenburgischen Braunkohletagebau Welzow-Süd scheint es wieder mehr zu tun zu geben.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Deutschland schaltet bei der Energiewende in den Rückwärtsgang. Im vergangenen Jahr sinkt der Anteil von Windkraft, Fotovoltaik und Biogas an der Energiebilanz. Neuer Spitzenreiter bei der Stromerzeugung ist die gute alte Kohle.

Bei der Stromerzeugung in Deutschland sind im vergangenen Jahr konventionelle Energieträger wie Kohle, Erdgas und Atomkraft die wichtigsten Energiequellen gewesen - der Anteil der Erneuerbaren ging hingegen zurück. Der in Deutschland erzeugte und in das Stromnetz eingespeiste Strom stammte 2021 zu 57,6 Prozent aus konventioneller Energie, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Im Vorjahr waren es 52,9 Prozent gewesen. Vor allem der Kohle-Anteil wuchs.

Der Strom aus konventioneller Energie nahm demnach um 11,9 Prozent im Vergleich zu 2020 zu. Die Einspeisung aus erneuerbaren Energien sank dagegen um 7,6 Prozent auf einen Anteil von 42,4 Prozent; 2020 waren es 47,1 Prozent gewesen. Grund war vor allem ein windärmeres Frühjahr, wie die Statistiker erklärten.

Insgesamt wurden demnach im vergangenen Jahr knapp 518 Milliarden Kilowattstunden Strom ins Netz eingespeist. Das waren 2,6 Prozent mehr Strom als im Vorjahr, aber 3,1 Prozent weniger als im Vor-Corona-Jahr 2019.

Kohle wichtigster Energieträger

Kohle war im Jahr 2021 der wichtigste Energieträger zur Stromerzeugung in Deutschland, wie das Statistikamt weiter ausführt. Mit einem Plus von 24,9 Prozent verzeichnete der Strom aus Kohlekraftwerken demnach auch den höchsten Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Der Anteil von Kohlestrom an der insgesamt eingespeisten Strommenge betrug 2021 damit 30,2 Prozent - im Vorjahr waren es noch 24,8 Prozent gewesen.

Laut Bundesamt stammt der Kohlestrom in Deutschland zu rund 60 Prozent aus Braunkohle und zu rund 40 Prozent aus Steinkohle. Der Bedarf an Braunkohle wird demnach "weitestgehend durch inländische Förderung" gedeckt, der Bedarf an Steinkohle durch Importe. Etwa 50 Prozent der Steinkohle stammt aus Russland.

Windarmes Frühjahr schadet

Bei den Erneuerbaren nahm die Stromeinspeisung aus Windkraft "deutlich" um 13,3 Prozent ab, wie das Bundesamt weiter ausführte. Dies sei "insbesondere auf das im Vorjahresvergleich windärmere Frühjahr 2021 zurückzuführen". Strom aus Windkraft hatte dadurch nur noch einen Anteil von 21,5 Prozent an der eingespeisten Strommenge. Im Jahr 2020 war die Windkraft mit einem Anteil von 25,2 Prozent erstmals der wichtigste Energieträger in der Stromerzeugung gewesen. Die Stromeinspeisung aus Fotovoltaik ging dagegen im Jahr 2021 nur leicht um 0,5 Prozent auf einen Anteil von 8,7 Prozent zurück.

Der Anteil von Erdgas an der Stromerzeugung, der aktuell wegen der wirtschaftlichen Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine besonders im Fokus steht, lag 2021 bei 12,6 Prozent - nach 13,7 Prozent im Vorjahr. Vor allem im dritten Quartal ging die Stromeinspeisung laut Bundesamt wegen deutlich gestiegener Preise für Erdgas zurück.

Frankreich wichtigster Stromlieferant

Die Stromeinspeisung aus Atomkraft stieg im Vergleich zu 2020 auf einen Anteil von 12,6 Prozent an der gesamten eingespeisten Strommenge. 2020 waren es 12,1 Prozent gewesen. "Ende 2021 wurden allerdings im Rahmen des Ausstiegs aus der Atomenergie drei der sechs bis dahin noch im Betrieb befindlichen Kernkraftwerke abgeschaltet", hob das Statistikamt hervor. Daher werde der Anteil deutlich abnehmen.

Mehr zum Thema

Die nach Deutschland importierte Strommenge stieg 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 7,7 Prozent und belief sich mit 51,7 Milliarden Kilowattstunden auf genau ein Zehntel der Inlandsproduktion. Wichtigster Stromlieferant war wie bereits in den Vorjahren Frankreich.

Die aus Deutschland exportierte Strommenge stieg gegenüber dem Vorjahr um 5,0 Prozent. Mit 70,3 Milliarden Kilowattstunden oder 13,6 Prozent des im Inland eingespeisten Stroms exportierte Deutschland weiterhin mehr Strom als es importierte.

Quelle: ntv.de, chr/AFP

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen