Wirtschaft

Währung des Wirtschaftswunders Die D-Mark feiert 70. Geburtstag

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Die Deutsche Mark galt jahrzehntelang als Garant der bundesdeutschen Prosperität.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit der D-Mark beginnt drei Jahre nach dem Krieg der Aufschwung Westdeutschlands: Die deutsche Währung wird zum Symbol für Stabilität und Wohlstand. Auch wenn schon lange nicht mehr damit bezahlt werden, haben Mark und Pfennig noch lange nicht ausgedient.

Sie gilt als Wegbereiter des deutschen Wirtschaftswunders: Als die D-Mark am 21. Juni 1948 in den westlichen Besatzungszonen eingeführt wurde, füllten sich die Regale in den Geschäften über Nacht. Es gab wieder etwas zu kaufen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die D-Mark zur zweitwichtigsten Reserve- und Handelswährung der Welt nach dem US-Dollar. Restlos ausgedient hat das alte Geld im Bewusstsein der Deutschen noch lange nicht: Auch heute noch - im 17. Jahr nach Einführung des Euro-Bargeldes - sind Mark und Pfennig im Milliardenwert im Umlauf. Immer wieder werden alte Schätze durch Zufall entdeckt.

"Die D-Mark ist das Symbol für den Wiederaufstieg Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg", erklärt Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann. Zunächst war die Währungsreform für viele Deutsche jedoch ein Schock. Jeder Bürger erhielt 40 Mark "Kopfgeld" und einen Monat später nochmals 20 Mark. Für 100 Reichsmark auf dem Sparbuch gab es 6,50 D-Mark. Damit wurden viele Kleinsparer zu Verlierern der Währungsumstellung, weil ihre Guthaben dabei weitgehend aufgezehrt wurden. Löhne wie auch Mieten und Steuern hingegen wurden im Verhältnis 1:1 umgestellt.

Der harte Schnitt führte zu knappem und damit stabilem Geld. Tauschhandel oder die "Zigarettenwährung" am Schwarzmarkt verschwanden. Das plötzliche Warenangebot in den Geschäften kam nicht aus dem Nichts: Händler hatten im zerstörten Nachkriegs-Deutschland viele Waren gehortet, weil sie der nutzlos gewordenen alten Währung Reichsmark nicht mehr trauten. Als entscheidende Wegmarke zum Aufstieg der D-Mark auf der internationalen Bühne gilt der Übergang zur uneingeschränkten Umtauschbarkeit 1958.

Wiedereinigung als Bewährungsprobe

Anders als der lange geplante Euro kam die wichtigste Bewährungsprobe für die D-Mark völlig unerwartet: "Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, geh'n wir zu ihr!", skandierten die Menschen in Ostdeutschland im Wendeherbst 1989. "Die D-Mark war für die Menschen in der früheren DDR ein Symbol der Freiheit", erinnert Beermann.

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Für viele Menschen der früheren DDR war die D-Mark ein Symbol der Freiheit.

(Foto: picture alliance / dpa)

Noch vor der politischen Einheit ersetzte die D-Mark am 1. Juli 1990 in einer beispiellosen Aktion die DDR-Mark zu einem allgemeinen Umtauschkurs von 1:1. Vor allem der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) drängte auf eine zügige Wirtschafts- und Währungsunion - trotz Warnungen auch seitens der Bundesbank. Das Problem: Mit der Einführung der D-Mark fand sich die Wirtschaft der untergehenden DDR über Nacht im rauen Wettbewerb der Marktwirtschaft wieder - mit teils verheerenden Folgen selbst für eigentlich konkurrenzfähige Betriebe.

Gut elf Jahre später löste der Euro die D-Mark ab. Anfangs als "Teuro" gescholten, scheinen sich die Menschen in Deutschland mit der Gemeinschaftswährung inzwischen ausgesöhnt zu haben. "Der Euro hat eine extrem hohe Akzeptanz", sagt Beermann. Bei einer im Herbst 2017 veröffentlichten Umfrage im Auftrag der EU-Kommission sprachen sich 81 Prozent der Befragten in Deutschland für den Euro aus.

Zunächst hatten allerdings viele Menschen den Eindruck, mit der Einführung des neuen Bargeldes am 1. Januar 2002 sei das Leben schlagartig teurer geworden. "Das Teuro-Gefühl ist subjektiv und lässt sich nicht durch Zahlen belegen" argumentiert Beermann.

Doch die D-Mark haben viele immer noch im Hinterkopf: 37,9 Prozent der Deutschen rechnen bei größeren Anschaffungen regelmäßig oder zumindest ab und zu Euro-Preise in D-Mark um, wie eine Umfrage im Mai 2018 ergab. Bei den 50- bis 59-Jährigen unter den befragten Erwachsenen war es sogar gut jeder Zweite (51 Prozent). Den Ostdeutschen ist die D-Mark demnach noch etwas näher als den Menschen in Westdeutschland: 41,9 Prozent der Ostdeutschen rechnen der Umfrage zufolge heutige Preise in D-Mark um, in Westdeutschland ergab sich ein Anteil von 37 Prozent.

D-Mark behält unbegrenzt ihre Gültigkeit

Bislang steht der Euro der D-Mark in Sachen Stabilität in nichts nach - im Gegenteil. So verlor die Mark in den letzten zehn Jahren ihrer Geltung bei im Schnitt 2 Prozent Inflation mehr an Wert als der Euro. Die Gemeinschaftswährung ist angesichts einer durchschnittlichen Preissteigerungsrate von 1,6 Prozent auf Zehnjahressicht etwas stabiler. Doch die Angst vor der Geldentwertung hat sich tief ins deutsche Bewusstsein eingegraben. "Ich glaube, dass wir Deutschen mit den Erfahrungen der zwei Hyperinflationen ein Auge auf die Inflation haben", sagt Beermann.

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Alte Mark-Scheine und Münzen können bei der Bundesbank unbefristet umgetauscht werden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ganz verschwunden ist die D-Mark auch gut 16 Jahre nach der Euro-Einführung nicht. Scheine im Wert von 5,91 Milliarden Mark (3,02 Mrd. Euro) und Münzen im Wert von 6,69 Milliarden Mark (3,42 Mrd. Euro) sind Schätzungen zufolge noch im Umlauf (Stand: Ende Mai). Und immer wieder tauchen alte Schätze durch Zufall auf. So entdeckte etwa der Käufer eines Hauses bei Gartenarbeiten jüngst ein Versteck mit 349.000 Mark. Selbst D-Mark-Blüten tauchen ab und zu noch in Bundesbank-Filialen auf, wo die alten Scheine und Münzen in Euro umgetauscht werden. Ein auf einem Dachboden entdeckter 1000-Mark-Schein zum Beispiel stellte sich zur großen Enttäuschung des Finders als Fälschung heraus.

"Mancher setzt beim Umtausch auf den Effekt, dass man die D-Mark-Noten nicht mehr so präsent hat - aber unser Personal ist sehr gut geschult", gibt Bundesbankdirektor Matthias Callen zu bedenken. Alte Scheine und Münzen können - anders als in vielen anderen Euroländern - bei der Bundesbank unbefristet umgetauscht werden. "Es ist wichtig für das Vertrauen der Bürger, dass die D-Mark unbegrenzt ihre Gültigkeit behält und die Bundesbank sie weiterhin zum amtlichen Kurs in Euro umtauscht", argumentiert Beermann.

Quelle: ntv.de, Friederike Marx und Jörn Bender, dpa

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