Wirtschaft

Investitionen in Corona-Zeiten Die "Löwen" stehen Rede und Antwort

Am 31. August startet die neunte Staffel von "Die Höhle der Löwen". Sieben Investoren kämpfen dann wieder um die Unternehmer mit den besten Ideen. Im Voraus verraten die "Löwen" nun, in welche Produkte sie gerne investieren und inwieweit die Pandemie den Markt verändert hat.

Gestern Abend endete die achte Staffel von "Die Höhe der Löwen" (DHDL). Fans der Vox-Serie müssen allerdings nicht lange auf Nachschub warten: Am Montag, den 31. August, geht es mit der neunten Staffel der Gründershow bereits weiter. Dann werden wieder Millionen Zuschauer wöchentlich dabei zusehen, wie prominente Investoren so manchem vielversprechenden Startup mit Deals auf die Sprünge helfen.

Carsten Maschmeyer, Ralf Dümmel, Judith Williams, Georg Kofler, Dagmar Wöhrl und Nils Glagau kennt man bereits aus den vorherigen Staffeln. Nun gesellt sich Ex-Formel-1-Star Nico Rosberg zu ihnen, der Frank Thelen ablöst. Die "Löwen" kämpfen um die Gründer mit den besten und lukrativsten Geschäftsideen. Doch woran machen sie fest, in welche Produkte es sich zu investieren lohnt? Mit welcher Einstellung sie ihre Geschäfte abwickeln, haben die Investoren nun vor zugeschalteten Journalisten bei einer Pressekonferenz verraten.

Besonders die Corona-Pandemie hat den Markt grundlegend verändert. Durch Kredite und Kurzarbeit würden die "großen Sorgen" nach hinten verschoben, sagt Maschmeyer. Bereits jetzt gebe es aber schon "Zombieunternehmen", deren Beerdigungen nur noch nicht stattgefunden haben. "Das wird Folgeschäden haben", spekuliert er. Trotzdem glaubt er auch an neue Chancen und Ideen für Gründer, die in Krisenzeiten aus der Not heraus "große Unternehmen wie Airbnb und Uber gegründet" haben.

Corona ist "unberechenbar für Gründer"

Man werde irgendwann in "Pre- und Post-Corona" unterscheiden, prophezeit Maschmeyer daher. Der vielleicht wichtigste Faktor ist in dem Zusammenhang die Digitalisierung: "Wer nicht digital ist, wird ein Verlierer ohne staatliche Hilfen." E-Learning an Universitäten, digitale Hauptversammlungen oder Online-Anträge bei Behörden gehören seiner Meinung nach in Zukunft zum Alltag.

Das hofft auch Georg Kofler, der sich darüber ärgert, seit zehn Wochen auf einen Termin beim Berliner Bürgeramt zu warten. Er selbst spricht von zwei verschiedenen Innovationszyklen, die jetzt schon Leben verändern und es weiter tun werden, nämlich die Medien und Marketing umfassende Kommunikationsindustrie und das Online-Shopping. Die Pandemie ändere die Bedürfnisse der Käufer. Dass Puzzle derzeit beliebter seien als Autos, mache es "unberechenbar für Gründer", was ihm sehr leidtue. Für erfolgreiche Investitionen müsse man daher früh Trends erkennen - auch darin sind sich die sieben Multimillionäre einig.

"Corona hat uns gezeigt, wie fragil wir sind", sagt Nico Rosberg. Der Ex-Formel-1-Rennfahrer glaubt an einen "Weckruf", durch den die Menschen immer weiter zusammenwachsen. In 20 Jahren werde die Menschheit "viel, viel nachhaltiger leben" - das wirke sich auch auf Investitionen im Energiesektor aus. Der 35-jährige Mobilitätsinvestor hat mehr als 20 Unternehmen in seinem Portfolio, will seinen Horizont jedoch "weiter öffnen" und auch im Ernährungsbereich Fuß fassen. "Die Gründer und ihre Ideen müssen das Potenzial haben, einen positiven Beitrag zu leisten."

"Unternehmer sein ist Mensch sein"

Ähnlich sieht das Dagmar Wöhrl. Die Corona-Pandemie habe "auch etwas Positives" bewirkt: "Die Menschen haben gelernt, bewusster zu leben. Sie sind wach geworden." Anders als in der Vergangenheit, in der alles "sehr oberflächlich" gewesen sei, setzen sich die Menschen ihrer Meinung nach nun mehr mit ihrer Umwelt und ihrer Familie auseinander. Vor allem die Frage, wie die Zukunft der Kinder aussehen wird, sei heute viel wichtiger. Sie investiere daher am liebsten branchenübergreifend in nachhaltige Startups.

Für Judith Williams ist eine Investition in erster Linie eine Herzensangelegenheit. In ihrem Privatleben höre sie immer erst auf ihr Herz und versuche dann, "das mit dem Verstand gut zu regeln". Im Geschäft verfolgt sie eine ähnliche Strategie. "Wir investieren in erster Linie in den Menschen, der vor uns steht", sagt die HSE24-Moderatorin. Das sei eine "emotionale Angelegenheit". Auch Georg Kofler lässt sich als Investor von seinen Emotionen leiten. "Man muss ständig mit Menschen umgehen, sie mitnehmen. Unternehmer sein ist Mensch sein - mit Freude, Leidenschaft und Unsicherheit." Das empfänden zwar viele als Bedrohung, "aber Unternehmer sehen das als Anreiz".

Maschmeyer sieht den Investor in der Verantwortung, die Produkte "intensiv zu testen". Dafür stellt sich der Ehemann von Schauspielerin Veronica Ferres - der den strengen Geruch von Nagellack nicht ausstehen kann - auch schon mal als Versuchskaninchen zur Verfügung und lässt sich den kleinen Nagel pink anmalen, wenn der Hersteller verspricht, sein Produkt sei sowohl vegan als auch hauptsächlich aus Wasser. Überhaupt sei es spannend, wenn "der Pitch gedreht und aus dem Lehrer der Schüler wird". Wenn Investor und Gründer gut miteinander kommunizieren können, mache auch ein Rollenwechsel Spaß, in dem über weniger Anteile oder mehr Geld verhandelt wird.

"Hand und Fuß oder ein Schaumschläger"

Selbstverständlich gebe es auch immer mal wieder Deals, die die Investoren bereuen. "Ich bin auf eine Gründergruppe reingefallen", gibt Maschmeyer zu. Das Team habe alles einstudiert und die Sendung überstanden - bei näheren Gesprächen entpuppten sie sich jedoch als Nieten, die "keine Fragen beantworten" konnten. Andere Gründer waren Beamte, "verklemmte Typen", die nicht kommunizieren konnten und unflexibel waren. Ralf Dümmel jedoch ist auch nach drei DHDL-Staffeln noch "überrascht" darüber, dass die Gründer immer besser und ihre Präsentationen immer besser werden. Es gebe zudem "spürbar mehr Frauen", betont Williams. Es seien zwar "immer noch viel zu wenig", die Sendung sei jedoch eine "tolle Chance, weil uns häufig die Erfahrung fehlt". Zukünftige Staffeln sollten daher "Women Empowerment mitbringen", um die Welt erfolgreicher zu machen und für die Zukunft gewappnet zu sein.

Der Pandemie zum Trotz freuen sich die "Löwen" auf die neue Staffel - das liegt auch maßgeblich an Neuzugang Nico Rosberg, der sich "hervorragend eingefunden" habe, die Herausforderung suche und den Wettkampf kenne, wie Williams sagt. Das sei "das Blut, das in seinen Adern fließt". Auch der Ex-Rennfahrer selbst spricht von einem "tollen Erlebnis" und einer Menge "Spaß". Das Überraschendste sei für ihn aber der totale Ernst der Show gewesen: "Wir haben keine Ahnung, was da gleich ankommt, ob es Hand und Fuß hat oder ein Schaumschläger ist." Normalerweise habe er eine Woche Zeit, sich über eine Investition Gedanken zu machen, in der Vox-Sendung habe man "nur 45 Minuten" - und das "auch noch alleine und gegen die besten Investoren Deutschlands".

Die neunte Staffel von "Die Höhle der Löwen" startet am 31. August künftig immer montags um 20.15 Uhr auf Vox. Auf TVNOW gibt es die vergangenen Staffeln zu sehen.

Quelle: ntv.de

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