Wirtschaft

Wie Staaten Wechselkurse steuern Die Waffen im Währungskrieg

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Chinas Zentralbank sitzt auf den größten Devisenreserven der Welt.

(Foto: AP)

Mit der Abwertung des Yuan demonstriert China seine Feuerkraft. Eine globale Abwärtsspirale könnte folgen, wenn auch andere Staaten versuchen, ihre Währung als Waffe einzusetzen. Vier Beispiele, die zeigen, wie Zentralbanken und Regierungen Wechselkurse beeinflussen.

USA und Europa: Leitzins als Drehschraube

Renminbi Yuan / US-Dollar
Renminbi Yuan / US-Dollar ,14

Wichtigstes Instrument der westlichen Zentralbanken, um den Wert ihrer Währungen zu beeinflussen, sind die Leitzinsen. Bei hohen Zinsen lohnt es sich tendenziell, Geld in einem Währungsraum anzulegen. Dazu müssen Investoren Geld aus anderen Ländern in die jeweilige Währung umtauschen. Eine höhere Nachfrage führt dazu, dass der Preis einer Währung - ihr Wechselkurs im Verhältnis zu anderen Währungen - steigt. Ein niedriger oder gar negativer Zins, wie etwa derzeit in der Eurozone, macht es dagegen unattraktiver, Geld in dieser Währung anzulegen. Investoren könnten also ihr Kapital in andere Währungen umtauschen, wo sie mehr Zinsen bekommen. In der Folge würde der Wert der Währung sinken.

Allerdings beeinflussen auch andere Faktoren die Attraktivität einer Währung, vor allem die Aussichten für die Wirtschaftsentwicklung und die Stabilität eines Landes. Auch ein Anleihekaufprogramm, wie die US-Zentralbank Fed oder die Europäische Zentralbank (EZB) es in Krisenzeiten durchführten, senkt den Wert einer Währung. Denn dabei schafft die Zentralbank große Mengen neues Geld und erhöht das Angebot auf dem Devisenmarkt.

Donald Trump fordert seit Monaten von der Fed, dass sie die Zinsen in den USA senkt, um den Dollar zu schwächen. Davon verspricht sich der Präsident einen Wettbewerbsvorteil für die US-Industrie auf dem Weltmarkt. Doch die Fed ist politisch unabhängig und eine Schwächung der US-Währung gehört absolut nicht zu ihren gesetzlichen Aufgaben. Außerdem hat der Leitzins als Instrument der Wechselkurssteuerung erhebliche Nachteile: Ein niedriger Leitzins heizt generell die Konjunktur und auch die Inflation an. Genau deshalb hält die EZB in Europa derzeit die Zinsen so niedrig: Hier schwächelt das Wirtschaftswachstum und die Inflation gilt als zu niedrig. In den USA dagegen läuft die Konjunktur noch relativ gut und die Inflation ist auch höher als im Euroraum. Die Fed hat also aktuell kein Interesse, die Zinsen zu senken.

Schweiz: Intervention am Devisenmarkt

Wollen Zentralbanken den Wechselkurs schnell und unmittelbar in eine bestimmte Richtung treiben, werden sie selbst am Devisenmarkt aktiv, statt an der Zinsschraube zu drehen. Dort kann eine Notenbank ihre eigene Währung kaufen. Damit steigert sie die Nachfrage und verringert das Angebot am Markt, also steigt der Kurs. Eine solche Intervention ist allerdings teuer. Die Zentralbank braucht dafür große Reserven an Devisen oder Gold.

Eine Zentralbank kann ihre eigene Währung aber auch verkaufen und so ihren Wert drücken. Das ist praktisch, weil sie vom eigenen Geld ja selbst so viel herausgeben kann, wie sie will. Durch den Verkauf nimmt sie Devisen ein und kann Reserven in anderen Währungen und Gold aufbauen oder die Gewinne an den Staat weiterleiten. Die Schweiz etwa interveniert auf diese Weise seit Jahren immer wieder auf dem Devisenmarkt, um eine Aufwertung des Franken zu verhindern. Denn das Land gilt als ein Hort der Stabilität. Viele Investoren möchten ihr Geld dort gerne in Franken anlegen.

Auch China hat jahrelang mit Interventionen auf dem Währungsmarkt den Yuan geschwächt. Das lässt sich an den gigantischen Währungsreserven ablesen, die die chinesische Zentralbank angehäuft hat. Zeitweise betrug deren Wert fast vier Billionen Dollar. Seit 2015 jedoch haben sich die Verhältnisse umgekehrt. Die Reserven sind um mehrere Hundert Milliarden Dollar geschmolzen - ein Hinweis darauf, dass Chinas Zentralbank in Zeiten eines sich abschwächenden Wirtschaftswachstums auf dem Devisenmarkt interveniert, um ihre Währung zu stützen, nicht zu schwächen.

Venezuela: offizielle Illusion

Manche Länder legen den Wechselkurs ihrer Währungen von Staats wegen fest. Das hört sich einfach an, ist es aber ganz und gar nicht, wie das Beispiel Venezuela zeigt: Jahrelang betrug der offizielle Wechselkurs für einen Dollar weniger als hundert Bolívar. Das war jedoch eine Illusion. Tatsächlich bekam zu diesem Kurs fast niemand Dollar in Venezuela. Der Umtausch zu anderen Raten war zwar verboten, doch auf dem Schwarzmarkt wurde der Bolívar nur zu einem Bruchteil des offiziellen Kurses gehandelt.

Das ganze System brach schließlich zusammen. Denn die Zentralbank hatte nicht genug Dollarreserven oder andere Devisen, um auf dem internationalen Finanzmarkt Dollar zu kaufen und zu einem Bruchteil des Wertes im eigenen Land zum offiziellen Wechselkurs abzugeben. Im Zuge einer Währungsreform im vergangenen Jahr musste Venezuela den neuen Bolívar Soberano dann auch offiziell um mehr als das Tausendfache abwerten.

China: Methodenmix

Viele Länder nutzen mehrere Mittel, um ihre Währung auf einem gewünschten Niveau zu halten, so auch China. Auf dem Festland legt die Zentralbank jeden Tag einen Wechselkurs fest, um den herum der Yuan um zwei Prozent schwanken darf. Über- oder unterschreitet er diese Bandbreite, interveniert die Zentralbank, indem sie Yuan oder Wertpapiere in eigener Währung oder anderer Währung kauft oder verkauft. Zudem gelten Beschränkungen für die Ein- und Ausfuhr von Währungen nach China. Freier gehandelt werden darf der sogenannte Offshore-Yuan in Hongkong. Sein Kurs schwankt stärker und repräsentiert eher den Wert, den Investoren der chinesischen Währung auf dem freien Markt zumessen. Zur Intervention auf dem Devisenmarkt spannt die Zentralbank auch staatseigene Banken und Unternehmen ein, die je nach Bedarf Wertpapiere in Yuan oder anderen Währungen kaufen oder auf den Markt werfen.

Quelle: n-tv.de

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