Wirtschaft

Wo die Wirtschaft bereits leidet Diese Charts zeigen die ersten Brexit-Folgen

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Katerstimmung auf der Insel. Die Sorgen überwiegen derzeit die Freude über die angeblich gewonnene Unabhängigkeit in Großbritannien.

(Foto: REUTERS)

Die Warnungen von Wirtschaftsvertretern vor dem EU-Austritt verhallten ungehört. Brexit-Befürworter tun sie als Schreckgespenster ab. Tatsächlich aber sind die Folgen in einigen Bereichen jetzt schon zu spüren.

Immobiliennachfrage bricht ein

Foxtons
Foxtons ,62

Bereits vor dem Referendum berichtete der Verband britischer Immobiliensachverständiger, die Nachfrage nach Immobilien sei so stark eingebrochen wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr. Der Grund: Unsicherheit vor dem Brexit, der inzwischen eine für die Immobilienbranche grausame Gewissheit ist. Laut "Financial Times" berichteten Makler von einer Welle von Kunden, die als Reaktion auf das Referendum von Käufen zurücktreten wollten. Die Aktien der Maklerkette Foxtons gehören zu den am tiefsten gestürzten Werten des britischen FTSE-Index in den vergangenen Tagen. Auch Baufirmen mussten heftige Verluste hinnehmen.

Grenzen schneiden Transportwege ab

Easyjet
Easyjet 11,66

Besonders tief in den Abwärtsstrudel der Börsen gerieten die Aktien von Luftfahrtgesellschaften. Nach der Muttergesellschaft von British Airways, der International Airlines Group, gab nun auch die britische Easyjet eine Gewinnwarnung heraus. Die Unternehmen weisen vor allem darauf hin, dass die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Brexit den Ticketverkauf bremst. Zudem profitieren die Airlines vom "Open Skies"-Abkommen, demzufolge jede europäische Fluglinie jede Route in der EU bedienen darf. Zwar können die Fluglinien wie andere Branchen langfristig darauf hoffen, einen ähnlichen Zugang zum EU-Markt zu bekommen wie Norwegen und die Schweiz. Doch das ist keineswegs gesichert.

Banken verlieren ihren EU-Pass

HSBC
HSBC 6,96

Die Finanzindustrie gehörte vor dem Referendum zu den größten Gegnern des Brexit. Die Kursverluste der großen Banken machen deutlich, was die Institute zu verlieren haben, wenn Europas Finanzzentrum in London vom größten Teil des Marktes getrennt werden sollte. Nicht nur die britischen Banken sind betroffen, sondern auch nahezu alle anderen, die wie die Deutsche Bank bislang Teile ihrer Geschäfte von London aus abwickeln. Mehrere Banken und für den Finanzmarkt zuständige Behörden haben schon angekündigt, Jobs auf den Kontinent zu verlagern.

Subventionen fehlen

ITV Independent Television
ITV Independent Television 1,17

Die Brexit-Befürworter haben zwar immer wieder vorgerechnet (und dann überhöhte Zahlen vorgelegt), dass das Königreich mehr in den EU-Haushalt ein- als auszahlt. Folglich werde man bei einem Austritt sparen. Das gilt allerdings für viele Wirtschaftszweige nicht. Arg getroffen vom Brexit wird unter anderem die Kreativwirtschaft sein. Die Sendergruppe ITV verlor am Tag nach dem Referendum etwa 20 Prozent des Unternehmenswerts. Neben dem künftig erschwerten Marktzugang für britische Produktionen in der EU werden künftig auch Millionen von Pfund fehlen, mit denen Brüssel britische Film- und Fernsehproduktionen unterstützte.

Neue Eurokrise im Anmarsch

Portugal, REPUBLIK EO-OBR. 2015(25)
Portugal, REPUBLIK EO-OBR. 2015(25) 117,56

Deutliche Spuren hat das Abstimmungsergebnis auch am Anleihemarkt hinterlassen. Dass deutsche Staatsanleihen so nachgefragt sind, dass immer mehr Anleger bereit sind, statt Zinsen vom deutschen Staat zu kassieren Geld dafür zu bezahlen, ist kein positives Zeichen. Denn es zeigt, dass die Anleger außer Gold und einigen Staatsanleihen kaum noch einer anderen Geldanlage trauen. Vor allem aber sind gleichzeitig die Anleihen von wirtschaftsschwachen Euroländern wie Portugal und Italien unter Druck geraten. Das zeigt, die Märkte haben - wie zuvor befürchtet - bereits begonnen auf den nächsten Austrittskandidaten zu wetten.

Vertrauen in Großbritannien ist weg

Britisches Pfund / US-Dollar
Britisches Pfund / US-Dollar 1,25

Die ganze Tragödie wird im Absturz des britischen Pfunds zusammengefasst, der die Erwartungen und das Vertrauen der Investoren in die Wirtschaftsentwicklung widerspiegelt. Dabei war Großbritannien zuletzt die schnellstwachsende Volkswirtschaft der EU. Euroskeptiker argumentieren, der Pfundabsturz sei zumindest teilweise positiv zu bewerten. Die günstigere Währung mache britische Exporte günstiger und gleiche so mögliche Wettbewerbsnachteile des EU-Austritts aus. Allerdings ist die Bedeutung des britischen Exportsektors in den vergangenen Jahren zugunsten einer wachsenden Dienstleistungswirtschaft zurückgegangen. Eine billige Währung für die Briten ist deshalb nicht so entscheidend wie etwa für Deutschland. Großbritannien importiert weit mehr als es exporiert. Die Rechnung für dieses Defizit wird nun sprunghaft teurer: Viele Ökonomen rechnen mit einer Rezession in Großbritannien noch in diesem Jahr.

Quelle: n-tv.de, mbo