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Abgasmanipulationen Dieses Gutachten könnte VW Milliarden sparen

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In dem Musterfeststellungsprozess klagt die Verbraucherzentrale Bundesverband gemeinsam mit dem ADAC.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mehr als 430.000 VW-Kunden haben sich der Musterfeststellungsklage gegen den VW-Konzern wegen des Diesel-Skandals angeschlossen. Ein vom Konzern in Auftrag gegebenes Gutachten dürfte die Hoffnung auf Schadenersatz dämpfen.

Der 30. September ist für Volkswagen ein wichtiger Termin. Für diesen Tag ist die erste mündliche Verhandlung der sogenannten Musterfeststellungsklage gegen VW vor dem Oberlandesgericht Braunschweig angesetzt. 430.000 VW-Kunden haben sich der Klage angeschlossen. Ein Gutachten, das n-tv vorliegt, dürfte dem Autokonzern dabei Schützenhilfe liefern.

VW Vorzüge
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Der Volkswagen-Konzern hatte vor rund vier Jahren nach Ermittlungen von US-Behörden eingeräumt, weltweit in rund elf Millionen Dieselfahrzeugen eine illegale Software eingesetzt zu haben. In Deutschland waren fast drei Millionen Autos betroffen. Die Software drückte den Schadstoffausstoß bei Emissionstests - nicht aber im Straßenverkehr.

In dem Musterfeststellungsprozess klagt die Verbraucherzentrale Bundesverband gemeinsam mit dem ADAC. Das Ziel: Das Gericht soll feststellen, dass Volkswagen mit der Abgasmanipulation Kunden vorsätzlich geschädigt und betrogen hat - und damit für den Schaden von betroffenen Dieselkäufern geradestehen muss. In den USA hatte Volkswagen seinen Kunden bereits hohe Summen an Schadensersatz gezahlt. In Deutschland sieht der Konzern für Schadenersatzansprüche trotz der Manipulationen allerdings keine Grundlage.

VW-Kunden in Deutschland beklagen auch die gefallenen Restwerte ihrer Fahrzeuge. Die entscheidende Frage: Führte allein der von VW ausgelöste Dieselskandal zu maßgeblichen Verringerungen bei Restwerten von Dieselautos, oder spielten andere Entwicklungen für den Markt eine viel größere Rolle?

Restwerte fielen laut Studie 2015 nicht

Deshalb hat Volkswagen die Wirtschaftsprüfer Deloitte über die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer damit beauftragt, ein Gutachten zu erstellen. Es liegt n-tv vor und ist das bislang umfangreichste Gutachten zu Diesel-Restwerten. Es beinhaltet auch Zahlen und Analysen zu Wettbewerbern, wie beispielsweise zu BMW und Daimler. Nach Informationen von n-tv wird Volkswagen die Studie in mehreren Zivilverfahren einbringen, unter anderem bei der wichtigen Musterfeststellungsklage.

Das Ergebnis des Gutachtens könnte für VW von enormer Bedeutung sein. Die wichtigste Aussage ist nämlich: Die Restwerte von Dieselautos sind rund um das Bekanntwerden des Dieselskandals im September 2015 nicht gesunken, es war sogar ein leichter Anstieg zu verzeichnen. "Erst in Folge der intensivierten Berichterstattung über mögliche Fahrverbote von Dieselfahrzeugen in Deutschland, ist ab dem dritten Quartal 2017 ein genereller Verfall von Gebrauchtwagenrestwerten von Dieselfahrzeugen zu beobachten", heißt es dort.

Dieser Verfall erstrecke sich über alle untersuchten Marken. Bei den relativen Restwerten liege VW sogar weiter vor seinen Wettbewerbern. Daraus schließt VW, dass den Kunden aufgrund von Restwertverlusten kein Schaden entstanden ist. Auf Anfrage von n-tv teilte der Wolfsburger Konzern mit: "Das Gutachten bestätigt unsere Rechtsauffassung."

Fahrverbote haben Einfluss

In der Studie wurden zahlreiche Datensätze ausgewertet, sie stammen vor allem von den Dienstleistern Autovista Schwacke und der Deutschen Automobil Treuhand (DAT). Zwar wurden auch interne An-und Verkaufspreise aus VW-Datenbanken ausgewertet, der Großteil der Daten ist aber öffentlich zugänglich und stammt von Dritten.

Den Daten von Autovista Schwacke zufolge sind von Januar 2014 bis zum zweiten Quartal 2017 die Restwerte von gebrauchten Dieselautos um etwa 3,5 Prozentpunkte gestiegen. Das heißt: Waren Dieselautos 2014 36,5 Prozent der ursprünglichen Listenpreise wert, so waren es bis Mitte 2017 schon 40 Prozent. Von Oktober 2015 - also nachdem der Abgasskandal im September 2015 öffentlich geworden war - bis Juni 2017 stiegen allein die Restwerte von VW-Dieselautos sogar um einen Prozentpunkt an. Die Analyse der DAT-Daten kommt zu einem ähnlichen Ergebnis.

Ein unglaubwürdiger Trend ist das nicht. Denn 2016 gaben in einer von DAT durchgeführten Umfrage nur zehn Prozent der befragten Gebrauchtwagenkäufer an, dass die "Abgasthematik beim Autokauf einen Einfluss" auf sie gehabt habe. Nur bei vier Prozent der Befragten führte der Dieselskandal zu einem Markenwechsel - also weg von VW zu einem anderen Hersteller.

Entscheidend ist in diesem Fall die öffentliche Wahrnehmung von Dieselautos. Galt der Diesel einst als sauberer Langstreckenprofi, so wird er heute mit großer Skepsis gesehen. Dies geschah dem Gutachten zufolge erst mit dem Aufkommen der Diskussion um Fahrverbote in deutschen Städten. Diese waren von der Deutschen Umwelthilfe nach und nach eingeklagt worden und gelten bereits in einigen Teilen Deutschlands. Laut Gutachten sind erst dann die Restwerte von Dieselautos signifikant gefallen. So lag der Rückgang ab Juli 2017 bis September 2018 für alle Dieselmodelle bei drei bis fünf Prozentpunkten. Bei Volkswagen wiederum zwischen 2,5 und fünf Prozentpunkten.

Quelle: n-tv.de

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