Wirtschaft

Firmen nutzen Rettungspaket aus Dividende dank Staatshilfe

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Volles Risiko? Adidas setzt auf Staatskredite, statt selbst Reserven zurückzuhalten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mit Hunderten Milliarden Euro will der Staat angeschlagene Unternehmen vor der Pleite bewahren. Das nutzen auch Firmen, die ausreichend Finanzpolster hätten, indem sie etwa ihre Mietzahlungen einstellen. Andere schütten ihre Reserven schnell noch an die Aktionäre aus.

So sei das doch nicht gemeint, erklären nun Politiker aller Parteien: Vergangene Woche hatten sie im Eiltempo ein Gesetz verabschiedet, das private und gewerbliche Mieter vor Kündigung schützt, sollten sie aufgrund der Corona-Epidemie in Probleme geraten und keine Miete mehr zahlen können. Umgehend stellten zahlreiche Unternehmen, darunter auch Konzerne mit dicken Finanzpolstern, Zahlungen an die Vermieter ihrer Ladengeschäfte ein. Es gehe um den Unterschied, ob jemand ein Gesetz "nutze" oder "ausnutze", sagte daraufhin der ehemalige Vize-Kanzler Sigmar Gabriel der "Bild"-Zeitung und kritisierte Firmen wie Adidas und H&M scharf für die - teilweise - Einstellung der Mietzahlungen.

Möglichkeiten, die staatliche Hilfe "auszunutzen", bietet das Gesetzespaket, mit dem der Staat die Wirtschaft vor der Corona-Krise schützen will, viele. Adidas selbst hat, neben der selbst erteilten Mietstundung, noch eine andere solche Möglichkeit gefunden. Der Konzern zahlt gleichzeitig eine Dividende von mehreren Hundert Millionen Euro an seine Eigentümer, die Aktionäre, und hat vor gut zwei Wochen bekräftigt, Aktien für bis zu einer Milliarde Euro zurückzukaufen, das Geld also ebenfalls an die Eigner auszuschütten. Auf die Idee, diese Barreserve für die Krise aufzubewahren, kommt das Unternehmen nicht. Denn dafür hat Adidas-Vorstandschef Kasper Rorsted schon die Möglichkeit ins Spiel gebracht, auf Hilfe in Form von Staatskrediten zurückzugreifen.

Für den Fall, dass der deutsche Staat Unternehmen teilweise oder ganz übernehmen muss, um sie zu retten, sind im Gesetz Regeln vorgesehen, die etwa exzessive Boni und Managergehälter verhindern sollen. Für andere Hilfen aus dem Rettungspaket gelten solche Einschränkungen aber nicht. Und so zahlen derzeit mehrere Konzerne weiter Millionen an ihre Aktionäre aus, statt für die Krise vorzusorgen - im Bewusstsein, dass der Staat im Zweifelsfall einspringen wird, um ihr Eigentum zu retten.

Spekulation auf Staatshilfe für Lufthansa

Laut "Handelsblatt" planen bislang noch neun von zehn börsennotierten Unternehmen in Deutschland, ihre Aktionäre mit Dividenden zu beglücken. Bei manchen ist das kein Problem, da ihr Geschäft weitgehend ungestört weiterläuft, wie bei der Telekom, oder weil sie auf großen Barreserven sitzen, wie VW. Viele andere werden in den kommenden Monaten allerdings auf Staatshilfe zurückgreifen müssen oder haben ihre Mitarbeiter sogar bereits in die staatlich subventionierte Kurzarbeit geschickt. Die Hilfe fließt so indirekt in die Portemonnaies der Aktionäre.

Der Lkw- und Bahnzulieferer Knorr Bremse verschuldet sich derzeit sogar, um trotz eines zu erwartenden Umsatz- und Gewinneinbruchs die versprochene Dividende von geschätzt 300 Millionen Euro auszuzahlen. Knorr-Mitarbeiter an mehreren Standorten werden gleichzeitig auf Staatskosten in Kurzarbeit geschickt.

Ein Großteil der Knorr-Dividende wird an Hans-Hermann Thiele fließen. Der Großaktionär, der vor eineinhalb Jahren mit dem Börsengang von Knorr Bremse zum Multimilliardär wurde, zockt mit seinem Geld derzeit noch bei einem anderen Unternehmen. Während andere Investoren Luftfahrtaktien aus ihren Depots warfen, hat Thiele mitten in der Krise in kürzester Zeit rund zehn Prozent der Lufthansa-Anteile gekauft. Zwar war der Kurs der Aktien zuvor dramatisch eingebrochen. Ob er aber günstig ist, ist angesichts der unabsehbaren Folgen für die Branche fragwürdig - es sei denn man ist sich sicher, dass der Staat der Fluglinie schon helfen wird.

Quelle: ntv.de