Wirtschaft
Fehlende Distanz? Dobrindt bei einem Besuch bei Volkswagen.
Fehlende Distanz? Dobrindt bei einem Besuch bei Volkswagen.(Foto: picture alliance / dpa)
Sonntag, 20. August 2017

"Jede Distanz verloren": Dobrindt empört mit Werbung für Autobauer

Verkehrsminister Dobrindt warnt Besitzer älterer Diesel vor einer möglicherweise "verpassten Chance", wenn sie sich nicht an den Umtauschaktionen der Autobauer beteiligen. Dabei gibt es Zweifel an diesen "Schnäppchen". Die Kritik lässt nicht lange auf sich warten.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat sich mit seiner offenen Werbung für die Diesel-Umtauschaktionen der deutschen Autobauer Kritik aus der Opposition eingehandelt. "Dass Dobrindt jetzt auch noch Reklame für die Rabatt-Angebote einzelner Hersteller macht, zeigt vor allem eines: Er hat jede Distanz zur Autoindustrie verloren und wahrscheinlich nie gehabt", sagte der Fraktionsvize der Grünen im Bundestag, Oliver Krischer. Es sei die Aufgabe des Verkehrsministers, die Industrie zu kontrollieren, "nicht für ihre Schnäppchen zu werben".

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In einem ungewöhnlichen Schritt hatte Dobrindt offen für die Angebote zum Umtausch von Diesel-Fahrzeugen geworben. "Wer etwa seinen alten Diesel-Golf gegen einen neuen Golf tauscht, kann zusätzlich von Volkswagen 5000 Euro Umtauschprämie erhalten. Ich halte das in der Tat für ein gutes Angebot", sagte Dobrindt der "Passauer Neuen Presse".

"Wer ein altes Diesel-Fahrzeug besitzt und jetzt nicht wechselt, verpasst möglicherweise eine Chance", sagte der Minister gut fünf Wochen vor der Bundestagswahl. Tatsächlich weisen Kritiker jedoch darauf hin, dass die Angebote der Konzerne geringer sind als der tatsächliche Restwert der jeweiligen Gebrauchtfahrzeuge. Fraglich ist zudem, ob die der aktuellen Euro-6-Norm entsprechenden Neufahrzeuge überhaupt sauberer sind als die älteren.

Seehofer warnt vor "Kriegserklärung"

Auch der Obmann der Linksfraktion im Verkehrsausschuss, Herbert Behrens, warf Dobrindt Distanzlosigkeit vor. "Bundesverkehrsminister Dobrindt ist nicht einmal mehr bemüht, Regierungsamt und Konzern-Lobbyismus zu trennen", sagte der Bundestagsabgeordnete. Die Interessen von Verbrauchern und Beschäftigten hätten angesichts solch einer Haltung keine Chance, sagte Behrens.  

Experten und Politiker hatten die Ergebnisse des Dieselgipfels Anfang August als unzureichend kritisiert. Dabei hatten die deutschen Autobauer unter anderem zugesagt, selbst "Umstiegsprämien" für Besitzer alter Diesel zu finanzieren. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hatte die Industrie aufgefordert, nachzulegen.

Hingegen hatte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer vor einer "Kriegserklärung" an die Branche gewarnt. Dobrindt wies die Forderung von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz nach einer EU-weiten Quote für Elektroautos als "Schmarrn" zurück. "Ich bin dafür, dass wir technologieoffen weitergehen und nicht die Politik entscheidet, welche Technik zukünftig unsere Autos bewegt." Es sei noch völlig offen, welche emissionsarmen Antriebe in Zukunft zur Verfügung stünden – "ob das ein Wasserstoffauto mit Brennstoffzelle ist, ob das CO2-neutrale, synthetische Antriebsstoffe sind, die in Verbrennungsmotoren angewandt werden, oder alle drei Varianten nebeneinander".

Quelle: n-tv.de

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