Wirtschaft

Athen ist zu weit vom Kurs ab Drängt IWF Gläubiger zum Schuldenschnitt?

Athen kann die Vorgaben des Rettungsprogramms nicht erfüllen. Und so wendet sich der IWF an die anderen Gläubiger - mit einer kaum verpackten Drohung. Andernorts ist von Optionen die Rede. Vom deutschen Finanzminister gibt es gar ein Dementi.

Neue Sorgen um Griechenlands klammen Haushalt: Der Internationale Währungsfonds (IWF) fährt offenbar in den Verhandlungen schwere Geschütze auf. Weil das Rettungsprogramm so weit vom Kurs abgekommen sei, fordere der IWF die europäischen Gläubiger auf, einen Teil der Schulden abzuschreiben, berichtet die "Financial Times". Diese Botschaft habe IWF-Europachef Poul Thomsen den Finanzministern der Eurozone übermittelt.

Die Hälfte der noch ausstehenden Rettungsgelder in Höhe von 7,2 Milliarden Euro sollen vom IWF kommen. Sollte die Forderung des IWF nicht erfüllt werden, bestehe die Gefahr, dass der IWF einen Teil der Gelder zurückhalte, heißt es in dem Bericht.

Der IWF habe die Europäer gewarnt, dass die Haushaltszahlen Griechenland erneut deutlich schlechter sein werden als erwartet. So werde es in diesem Jahr keinen Primärüberschuss geben, sondern ein Defizit, hieß es in dem Bericht.

Dementi aus Berlin

Finanzminister Wolfgang Schäuble dementierte den Bericht der "Financial Times". "Natürlich hat Herr Thomsen diese Äußerung nicht gemacht", sagte Schäuble. Es sei allerdings "normal", dass EU, EZB und IWF überprüften, ob die Schuldentragfähigkeit Griechenlands gewährleistet sei. Thomsen habe darauf hingewiesen, welche Auswirkungen sich durch die "eingetretene Verschlechterung" der Finanzlage Griechenlands in den vergangenen Monaten ergeben.   

Schäuble sagte, offenbar sei die Liquidität Griechenlands geringer geworden. "Da kann natürlich alles Mögliche passieren. Wir werden im Rahmen unserer Möglichkeiten alles tun, um Griechenland zu helfen."

Hoffnungen auf einen raschen Durchbruch im Schuldenstreit mit dämpfte er allerdings: "Ich bin einigermaßen skeptisch, ob das bis Montag zu schaffen sein wird", sagte er in Berlin. "Aber ich schließe es nicht aus."

"Die Optionen verdeutlicht"

Auch Reuters berichtete unter Berufung auf Insider, der IWF habe nicht auf einen Schuldenerlass gedrängt. Thomsen habe lediglich "die Optionen verdeutlicht". In der Vergangenheit habe Thomson außerdem argumentiert, so lange die Schuldenlast gering sei, sei ein Schuldenerlass nicht nötig.

In der Folge beginnen Anleger Anleihen des Landes in hohem Bogen aus ihrem Bestand zu werfen. Der Risikoaufschlag für zehnjährige Papiere kletterte am Dienstag um einen Viertelprozentpunkt auf 10,92 Prozent. Die Rendite von Zwei-Jahres-Anleihen stieg sogar um 0,84 Prozentpunkte auf 20,37 Prozent.

Griechenland wird seit 2010 von seinen Euro-Partnern und dem Internationalen Währungsfonds über Wasser gehalten. Das Land benötigt dringend weitere Hilfen. Als Voraussetzung verlangen die Gläubiger jedoch Reformen. Die Euro-Länder wehren sich bisher vehement gegen eine Umschuldung.

Spitzentreffen in dichter Folge

Zur Rettung seines Etats hat die Regierung in Athen gleichzeitig eine umfangreiche Kontaktrunde mit allen Geldgebern begonnen. Im Mittelpunkt stehe das akute Liquiditätsproblem des Landes, berichtete die griechische Finanzpresse. Die Regierung teilte mit, dass Finanzminister Yanis Varoufakis am Vormittag in Paris mit seinem französischen Kollegen Michel Sapin zusammenkommen werde. Anschließend ist ein Treffen mit EU-Währungskommissar Pierre Moscovici geplant.

Am Nachmittag soll es zu einem Treffen zwischen dem Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, und dem griechischen Vizeregierungschef Giannis Dragasakis sowie dem Koordinator der Verhandlungen Griechenlands mit den Geldgebern, dem stellvertretenden Außenminister Eukleides Tsakalotos, in Frankfurt kommen. Im Mittelpunkt dieser Gespräche werde die für morgen anstehende Entscheidung der EZB über eine möglichen Aufstockung der Notkredite für Griechenland stehen. Diese sogenannten Ela-Kredite ("Emergency Liquidity Assistance") sind die letzte Geldquelle für Banken im pleitebedrohten Griechenland.

Am Vorabend hatte der griechische Regierungschef Alexis Tsipras mit der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, gesprochen. Das Gespräch drehte sich just um die laufenden Verhandlungen Athens mit den Geldgebern, hieß es aus Regierungskreisen.

Quelle: n-tv.de, dsi/DJ/dpa/rts

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