Wirtschaft

"Ein Lockdown kostet viel Geld" Droht die zweite Corona-Rezession?

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Restaurants und Gaststätten müssen weiterhin geschlossen bleiben.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der "Wellenbrecher-Lockdown" wird verlängert. Die Regelungen wirken sich vor allem auf ohnehin schon besonders betroffene Branchen aus. Allerdings machen die nur einen Bruchteil des Bruttoinlandsprodukts aus. Kann die deutsche Wirtschaft also aufatmen?

Der deutschen Wirtschaft stehen wegen der zweiten Corona-Welle und des verlängerten Teil-Lockdowns schwierige Wochen bevor. Einige Experten befürchten ein erneutes Abgleiten in die Rezession, andere halten eine rasche Erholung spätestens im ersten Quartal kommenden Jahres für möglich. Fragen und Antworten zu den Aussichten für die Konjunktur:

Wie ist die Ausgangslage für die deutsche Wirtschaft?

Gar nicht so schlecht. Sie brach zwar im Frühjahr mit 9,8 Prozent Corona-bedingt in Rekordgeschwindigkeit ein, wuchs im Sommer aber auch mit 8,5 Prozent so stark wie noch nie. Der Start ins laufende Herbstquartal war gut: Industrie, Bau sowie Handel und Dienstleistungen nahmen im Oktober 1,5 Prozent mehr ein als im Vormonat. Damit liegt der Umsatz nur noch 0,3 Prozent niedriger als im Februar, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie.

Was spricht für eine Rezession?

"Ein Lockdown kostet viel Geld", warnt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Jeder Monat mit einem Lockdown reduziert das Wirtschaftswachstum in Deutschland um knapp einen Prozentpunkt, rechnet er vor. Da der seit Anfang November gilt und jetzt bis Ende Dezember verlängert wurde, bedeutet das im vierten Quartal einen Dämpfer um zwei Prozentpunkte. Trotz eines guten Auftakts im Oktober dürfte das Wachstum damit unter die Nulllinie rutschen. "Wir rechnen mit einem Minus von einem Prozent", sagt Krämer.

Hinzu kommt: Viele wichtige Handelspartner in Europa haben ebenfalls Beschränkungen verhängt, was die Nachfrage nach Waren "Made in Germany" bremsen dürfte. Die Exporterwartungen der Industrie fielen deshalb im November auf den niedrigsten Stand seit einem halben Jahr, fand das Ifo-Institut bei seiner Umfrage unter 2300 Unternehmen heraus. Einen deutlichen Dämpfer beim künftigen Auslandsgeschäft erwartet etwa die Autobranche.

Was spricht gegen eine Rezession?

Die Wertschöpfung im besonders betroffenen Gastgewerbe, das weiter geschlossen bleiben muss, macht insgesamt weniger als zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, so das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). Der ebenfalls stark betroffene Freizeitsektor - von Museen bis Fitnessstudios - ist noch kleiner. Laufen die Exporte insbesondere im von Corona weiter weniger betroffenen Asien und der dortigen größten Volkswirtschaft China weiter so gut wie zuletzt, könnte ein Rückgang der Wirtschaftsleistung noch verhindert werden. Auch ein anhaltender Bauboom könnte die Corona-Krise abmildern.

Was ist mit den Verbrauchern?

Ihre Konsumstimmung ist so schlecht wie seit Juli nicht mehr, ergab eine Umfrage der Nürnberger GfK. Allerdings ist die Bereitschaft der Verbraucher zum Kauf teurer Güter wie etwa Fernseher, Möbel oder Autos noch immer recht hoch, fanden die Konsumforscher heraus. Die Kauflaune könnte in der für den Handel so wichtigen Vorweihnachtszeit von der niedrigeren Mehrwertsteuer angekurbelt werden. Sie gilt nur noch bis Jahresende. Wer sparen will, muss jetzt zugreifen.

Sorgen die Verbraucher für den Aufschwung?

Gut möglich. Die Mittel für einen kleinen Kaufrausch wären jedenfalls vorhanden. Das nicht ausgegebene Geld für ausgefallene Urlaubsreisen etwa trug dazu bei, die Sparquote hochzutreiben. Diese lag im Sommerquartal bei 13,5 Prozent, im Frühjahr sogar bei rund 20 Prozent. Der gesparte Anteil des verfügbaren Einkommens lag in den zwei Jahrzehnten zuvor nur zwischen neun und elf Prozent. "Die deutschen Privathaushalte haben im Frühjahr und Sommer rund 70 Milliarden Euro mehr zurückgelegt als im Vorjahr", rechnet der Wissenschaftliche Direktor des IMK, Sebastian Dullien, vor. "Dieses Geld könnte nach einem Ende der akuten Corona-Krise ebenfalls in den Konsum fließen und die Erholung 2021 stützen."

Quelle: ntv.de, hny/rts