Wirtschaft

Tod von Verbrennern besiegelt? E-Autos sind auf längere Sicht unschlagbar

imago82457621h.jpg

Die Elektro-Wende kommt: Eine französische Studie belegt, dass Elektroautos wirtschaftlicher sind als klassische Verbrenner.

(Foto: imago/imagebroker)

Stromern gehört die Zukunft. Das gilt als oberstes Gebot in der Autobranche. Jetzt rechnet eine Studie vor: E-Autos werden klassische Verbrenner in puncto Wirtschaftlichkeit schon bald überholen. Laut Experten gibt es nur einen Weg, wie Benzin und Diesel konkurrenzfähig bleiben können.

Die Elektro-Revolution auf den Straßen wird weiter um sich greifen. Zumindest, wenn man den Analysten der französischen Großbank BNP Paribas Glauben schenken mag. Das größte Geldinstitut der Eurozone rechnet in ihrer August-Studie mit dem Namen "Wells, Wires, and Wheels" vor, warum der Weg hin zur Elektromobilität nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll ist. Bei gleichem Kapitalaufwand würden E-Autos heute im Zusammenspiel mit erneuerbaren Energien eine bis zu siebenfach höhere Energieausbeute haben als konventionelle Antriebe, schreiben die Autoren.

Wolfgang Ketter, Direktor des Energiewirtschaftlichen Instituts der Universität Köln, pflichtet bei. Auch er ist überzeugt, dass die Zukunft des Straßenverkehrs den Stromern gehört: "Die Produktion und der Transport von erneuerbarer Energie, als auch die Elektrofahrzeuge selbst, sind deutlich effizienter als bei herkömmlichen Verbrennern. Dadurch ergibt sich ein deutlich höherer Wirkungsgrad von E-Fahrzeugen. Bei hohen jährlichen Laufleistungen können günstige Elektrofahrzeuge für Verbraucher schon heute rentabler sein als Verbrenner", sagt er.

imago86904270h.jpg

Bis an jedem Parkplatz eine Ladestation hängt, wie hier in einer Berliner Tiefgarage, wird es noch einige Zeit dauern.

(Foto: imago/Rainer Weisflog)

Federführend entwickelt und durchgeführt wurde die Studie von Mark Lewis, der die Abteilung Nachhaltigkeitsforschung bei BNP Paribas leitet. Laut dem Papier ist die effektive Mobilität, die der Endverbraucher bei aktuellen Ölpreisen mit E-Autos in einem Zeitraum von 25 Jahren erreichen könnte, bis zu sieben Mal günstiger als die gleiche Ausbeute mit einem klassischen Verbrenner. Fossile Energieträger wären in Zukunft nur unter einer Bedingung konkurrenzfähig: wenn der derzeitige Rohölpreis für ein Barrel von derzeit rund 60 auf 10 US-Dollar (Brent) fallen würde. Dies käme allerdings einem Preisverfall von Rohöl von über 80 Prozent gleich, was nicht sehr realistisch sein dürfte.

Wirtschaftlichkeit von Öl lässt drastisch nach

Auch Ketter ist sich sicher, dass das E-Auto auf lange Sicht das Rennen machen wird: "Fakt ist, dass erneuerbare Energie-Technologien immer günstiger und effizienter werden. Dies wird dazu führen, dass ihr Anteil auch ganz ohne Subventionen weiterwachsen wird." Dabei stehe die Elektroauto-Branche noch vor einigen technischen Herausforderungen: "Beispielsweise ist die Lebensdauer der Batterien heute noch ein Knackpunkt", sagt Ketter.

Die Analysten von BNP Paribas sehen die Entwicklungen in der Branche dennoch positiv. "Wir folgern, dass die Wirtschaftlichkeit von Öl für Benzin- und Dieselfahrzeuge im Vergleich mit Elektrofahrzeugen, die durch erneuerbare Energien betrieben werden, unaufhaltsam und unumkehrbar nachlassen wird", schreiben die Autoren der Studie. Genau dies werde weitreichende Konsequenzen gleichermaßen für die Politik als auch die Ölkonzerne haben.

Der stellvertretende Leiter des Bereichs Energietechnologien und Energiesysteme am Karlsruher Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI), Martin Wietschel, hält diesen Paradigmenwechsel für essentiell. Für den Forscher muss der Individualverkehr der Zukunft allerdings nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen fossile Energieträger hinter sich lassen. Auch die Treibhausgasbilanz sei bei Elektrofahrzeugen deutlich besser. "Wir brauchen Elektromobilität, um die von uns gesetzten Klimaziele zu erreichen – beispielsweise die Beschränkung der globalen Erwärmung auf maximal 1,5 Grad." Um diese Ziele einzuhalten, müsse der Verkehrssektor in den nächsten Jahrzehnten "komplett treibhausgasfrei werden".

Leasingangebote könnten zum E-Durchbruch verhelfen

Laut Wietschel gerät bei der Diskussion um die Mobilität der Zukunft auch häufig in Vergessenheit, dass Ölquellen nicht ewig sprudeln: "Selbst optimistische Prognosen gehen davon aus, dass in 20 Jahren das Angebot die Nachfrage nicht mehr decken kann. Und daran hat der Individualverkehr den größten Anteil. Die Autos werden zwar immer effizienter, aber sie werden auch immer schwerer", sagt er.

Die Wende zur E-Mobilität hängt maßgeblich von einer gut ausgebauten Infrastruktur ab: Dazu gehören neuartige Speicherlösungen für grüne Energie, der flächendeckende Ausbau von Ladestationen oder einheitliche Standards für Stromstecker. Laut der französischen Studie können mögliche Defizite die Wende jedoch nicht aufhalten: "Selbst wenn wir die Kosten für den Neubau der Infrastruktur miteinbeziehen würden, die ein Wechsel von Benzin zu erneuerbaren Energien und Elektroautos mit sich bringt, würde die Wirtschaftlichkeit von erneuerbaren Energien die von Öl immer noch vernichtend schlagen", schreiben die Analysten.

Fraunhofer-Forscher Wietschel ist mit seiner Prognose etwas vorsichtiger. Dass Elektroautos im Anschaffungspreis irgendwann konventionelle Pkw schlagen werden, sieht er skeptisch: "Die Batteriepreise werden nicht ins uferlose sinken können, da gibt es einfach Grenzen. Der Endverbraucher rechnet nicht die gesamten Nutzungskosten eines Autolebens durch, sondern entscheidet anhand eines attraktiven Kaufpreises." Aber dafür gibt es in Form von cleveren Leasingangeboten eine Lösung. "Auf weite Sicht ist ein Elektroauto effizienter und günstiger. Das spricht sich in Zukunft hoffentlich ein Stück weit herum", sagt der Wissenschaftler.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema