Wirtschaft

Geldpolitik darf lockerer werden EZB ändert Inflationsziel

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Führt die EZB: Christine Lagarde.

(Foto: imago images/NurPhoto)

Die Europäische Zentralbank überprüft ihre Strategie. Einem Agenturbericht zufolge wird sie ihr Inflationsziel ändern. Chefin Christine Lagarde wird die Details am Nachmittag präsentieren.

Die Führungsspitze der EZB hatte Anfang des vergangenen Jahres beschlossen, eine umfassende Überprüfung ihrer geldpolitischen Strategie auf den Weg zu bringen. Offenbar ist sie nun nach monatelangen Beratungen zu einem Ergebnis gekommen - und hat sich beim Streitpunkt Inflation geeinigt. Der Rat der EZB habe sich darauf verständigt, künftig glatt 2 Prozent Inflation anzustreben und ein Überschreiten dieses Zielwerts zu tolerieren, berichtete der Finanzdienstleister Bloomberg. Diese Entscheidung sei nach Gesprächen am Dienstag und Mittwoch gefallen.

Bisher sieht die EZB Preisstabilität auf mittlere Sicht bei einer Inflationsrate "unter, aber nahe an zwei Prozent" gewährt. Der Schritt dürfte es der EZB daher erleichtern, ihre sehr lockere Geldpolitik fortzusetzen.

Der Rat der Zentralbank umfasst die sechs Mitglieder des Direktoriums der EZB sowie die Präsidenten der nationalen Zentralbanken der 19 Mitgliedstaaten des Euroraums. Die Bank will die Kernergebnisse ihrer Strategieprüfung heute veröffentlichen, um 14.30 Uhr beginnt eine Pressekonferenz mit EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Eine Änderung der Strategie muss einstimmig erfolgen.

Lagarde hatte im vergangenen Herbst für ein neues Inflationsziel plädiert. "Wir müssen die Kräfte, die heute die Inflationsdynamik antreiben, gründlich analysieren und überlegen, ob und wie wir unsere Strategie als Reaktion darauf anpassen sollten", hatte sie bei einer Tagung gesagt. Die EZB solle ein Inflationsziel haben, das glaubwürdig sei, und das die Öffentlichkeit leicht verstehen könne. Ungewiss ist, wie stark und wie lange die EZB ein Abweichen vom Inflationsziel akzeptieren will.

EZB verfehlt Ziel seit 2013

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte gegen das Konzept einer flexiblen Inflationssteuerung argumentiert, bei dem ein zeitweises Überschießen des Teuerungssziels toleriert wird. Bei einer solchen im Fachjargon als "Average Inflation Targeting" bekannten Strategie muss eine Notenbank die Zinsen erst dann anheben, wenn die Inflation eine gewisse Zeit über dem Ziel gelegen hat, sofern eine Phase mit zu geringer Teuerung vorausgegangen war. Die Inflation soll so im Mittel das Ziel erreichen, ohne dass die Währungshüter frühzeitig auf zu niedrigen oder erhöhten Preisdruck reagieren müssten.

In den USA wird inzwischen eine Form des "Average Inflation Targeting" betrieben. Dort hatte die US-Notenbank Fed nach einem Strategieschwenk im vergangenen Jahr in Aussicht gestellt, die Zinsen so lange nahe Null zu halten, bis die Inflation dabei sei, für einige Zeit das Ziel von zwei Prozent Teuerung moderat zu übertreffen. Doch innerhalb des EZB-Rats gab es offenbar große Vorbehalte ähnlich vorzugehen, da man sich nicht zu sehr festlegen will.

Andererseits ist sich die Notenbank auch bewusst, dass ihre bisherige Formulierung des Inflationsziels nicht ideal ist. Frankreichs Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau hat beispielsweise darauf verwiesen, dass es "symmetrisch" zu verstehen sei und nicht als eine Obergrenze, wie es manchmal interpretiert werde. Symmetrie bedeute demnach, dass die Euro-Notenbank es auch für einige Zeit zulassen könnte, wenn die Inflationsrate etwas über dem Ziel liegt.

Die EZB verfehlt trotz lockerer Geldpolitik seit Jahren ihr Inflationsziel. Doch jüngst hatte die Teuerung in der Eurozone den Zielbereich erreicht, sie lag im Mai bei 2,0 Prozent und im Juni bei 1,9 Prozent. Viele Ökonomen rechnen in den kommenden Monaten mit einer deutlich steigenden Teuerung. Doch ob dieser Anstieg nachhaltig sein wird, ist unklar. Lagarde geht davon aus, dass der jüngste Anstieg der Inflation im gemeinsamen Währungsraum nur vorübergehend ist. "Wir werden eine Rückkehr zu niedrigeren Inflationsraten sehen", versicherte sie. Die EZB erwartet für das Gesamtjahr 2021 eine Inflationsrate von 1,9 Prozent und für das kommende Jahr von 1,5 Prozent.

Quelle: ntv.de, jga/dpa/rts/DJ

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