Wirtschaft

Schwedische Bank hat gerechnet EZB könnte pro Kopf 1300 Euro verschenken

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Überraschung!

(Foto: imago/Schöning)

Die Idee klingt verlockend: Um die Wirtschaft anzukurbeln, sollte die EZB quasi per Hubschrauber Geld abwerfen. Die Notenbank versichert, so etwas nicht zu planen. Eine schwedische Bank wird dennoch konkret.

Die Europäische Zentralbank kann noch so sehr versichern, dass sie auf absehbare Zeit kein "Helikoptergeld" abwerfen wird – die Diskussion über solche Geldgeschenke wird sie nicht mehr los.

Das jüngste Beispiel dafür liefert die schwedische Bank Nordea. Sie nennt eine konkrete Summe: Im Kampf gegen die äußerst niedrige Inflation könnte die EZB jedem Einwohner des Euro-Raums direkt 1300 Euro überweisen. Das würde für die Notenbank einen Verlust von 444 Milliarden Euro bedeuten, haben die Schweden ausgerechnet. Die EZB könne das verkraften. "Das ist die Obergrenze, falls sie entscheiden sollte, an die Bürger direkt Schecks auszustellen", sagte Nordea-Chef-Anleihenanalyst Jan von Gerich.

Falls die EZB bereit sei, mit negativem Eigenkapital zu arbeiten, könne sie noch größere Summen bewegen, sagte von Gerich. Ihre Unabhängigkeit würde dann aber bedroht. Die Regierungen der Euro-Länder müssten in diesem Fall womöglich für die EZB Kapital nachschießen. Die Zentralbanken von Chile oder Tschechien hatten in der Vergangenheit mit negativem Eigenkapital operiert.

Die EZB-Führung schließt derzeit aus, über solche direkten Geldgeschenke - auch "Helikoptergeld" genannt - die Inflation anzuheizen. "Helikoptergeld ist aktuell kein Bestandteil der Diskussion im EZB-Rat", sagte Zentralbank-Direktor Benoît Coeuré jüngst. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann lehnt "Helikoptergeld" strikt ab.

EZB-Chef Mario Draghi hatte "Helikoptergeld" auf einer Pressekonferenz als "interessantes Konzept" bezeichnet, das von Ökonomen diskutiert werde. Als er die erstaunte Reaktion der Journalisten bemerkte, schob Draghi hinterher, dass der Rat der Notenbank solche Ideen "bisher" nicht genauer erörtert habe. Seitdem ist der Geist aus der Flasche und es wird nicht nur in Fachkreisen über das Konzept gesprochen.

Preise fallen

Seit rund zwei Jahren versucht die EZB die Preissteigerung in der Eurozone zu erhöhen - bislang allerdings mit wenig Erfolg. Im März waren die Verbraucherpreise in den Ländern der Eurozone - verglichen mit dem Vorjahr - um 0,1 Prozent gefallen. Die Notenbank ist damit weit von ihrem Zielwert, einer Inflation von mittelfristig knapp unter zwei Prozent, entfernt.

Ökonomen diskutieren über "Helikoptergeld" als weiteres mögliches Mittel einer ultralockeren Geldpolitik. Der Kerngedanke: Statt Geld über Banken in den Markt zu pumpen, wird Zentralbankgeld quasi verschenkt. Sinnbildlich würden dabei Geldscheine aus einem Hubschrauber abgeworfen. Empfänger könnten beispielsweise die Bürger sein oder aber der Staat.

Die Befürworter sehen darin den Vorteil, dass das Geld über Konsumausgaben direkt in den Wirtschaftskreislauf gelangen würde. Gegner weisen auf rechtliche Hürden und organisatorische Probleme hin. Außerdem fürchten sie, damit könne ein gefährlicher Präzedenzfall geschaffen werden – mit unabsehbaren Folgen.

Quelle: n-tv.de, jga/rts