Wirtschaft

Zinswende früher als erwartet? EZB signalisiert Zinserhöhung ab Sommer

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Die EZB hob die Schlüsselzinsen das letzte Mal 2011 an.

(Foto: picture alliance / Daniel Kubirski)

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Die US-Notenbank hat ihre Zinswende bereits vollzogen. Nun könnte die EZB nachziehen - und das früher als gedacht. Um der enormen Preissteigerung den Kampf anzusagen, halten EZB-Vertreter eine Zinserhöhung noch vor Herbst für möglich. In Gesprächen ist von Juli die Rede.

Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) mehren sich die Stimmen, die eine Zinserhöhung bereits im Juli für möglich halten. Ein solcher Schritt sei abhängig von den Konjunkturdaten, die die EZB im Juni sehen werde, sagte EZB-Vizepräsident Luis de Guindos im Interview mit der Agentur "Bloomberg". "Aus heutiger Sicht ist Juli möglich, und September oder später ist auch möglich. Wir schauen uns die Daten an und erst dann entscheiden wir", sagte der Stellvertreter von Notenbank-Chefin Christine Lagarde.

Am Mittwoch hatte bereits Bundesbank-Präsident Joachim Nagel gesagt, Anfang des dritten Quartals könne mit einer ersten Zinsanhebung gerechnet werden. Lagarde hatte vergangene Woche nach der EZB-Zinssitzung noch einmal bekräftigt, dass die großangelegten Anleihenkäufe der Notenbank voraussichtlich im dritten Quartal enden werden und einige Zeit danach Zinserhöhungen denkbar seien. Eine erste Zinsanhebung bereits im Juli hatten Euro-Wächter Insidern zufolge nicht ausgeschlossen.

Die EZB hatte letztmalig im Jahr 2011 Schlüsselzinsen angehoben. Wie auch Nagel sprach sich De Guindos für ein frühes Ende der Anleihenkäufe aus. "Meiner Meinung nach sollte das Programm im Juli enden und für die erste Zinserhöhung müssen wir uns unsere Projektionen und die verschiedenen Szenarien anschauen und erst dann entscheiden", führte der EZB-Vize aus. Noch sei nichts beschlossen. Neue volkswirtschaftliche Prognosen der EZB-Volkswirte werden den Währungshütern zur Juni-Zinssitzung vorliegen.

Inflation auf höchstem Stand seit Euro-Einführung

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Ausschlaggebend für die Signale auf eine Zinserhöhung im Sommer dürfte die hohe Inflation im gemeinsamen Währungsraum sein. Im März ist die Inflationsrate mit 7,4 Prozent auf den höchsten Stand seit der Euro-Einführung gestiegen. Die Teuerung liegt damit viel höher als das von der EZB angepeilte Inflationsziel. Die Notenbank strebt mittelfristig eine Inflationsrate von zwei Prozent an.

Bisher wurde eine Zinserhöhung in der Eurozone an den Finanzmärkten im Herbst erwartet. Mit den Hinweisen auf einen früheren Zinsschritt verstärkte sich am Devisenmarkt die Nachfrage nach dem Euro. Der Kurs der Gemeinschaftswährung legte deutlich zu und konnte wieder über die Marke von 1,09 US-Dollar steigen.

Quelle: ntv.de, spl/rts/dpa

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