Wirtschaft

Wie die Chancen stehen Elon Musk "zieht in den Krieg" gegen Apple

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Kurzfristig sitzt Apple einzelnen App-Anbieter wie Twitter gegenüber am längeren Hebel. Allerdings sind immer mehr Unternehmen unzufrieden und begehren gegen die Regeln des App Store auf.

(Foto: picture alliance / AA)

Ein epischer Showdown bahnt sich an. Auf der einen Seite: der reichste Mann der Welt. Auf der anderen: der wertvollste Konzern der Welt. Elon Musk, seit einigen Wochen nicht nur Chef und Großaktionär, beziehungsweise Alleineigentümer von Tesla, SpaceX, der Tunnelfirma Boring Company und des Startups Neuralink, sondern auch Besitzer des Sozialen Netzwerks Twitter zieht nach eigenen Angaben "in den Krieg" gegen den iPhone-Hersteller Apple. Was steckt hinter diesem Konflikt? Wie stehen die Chancen? Und was steht für beide Seiten auf dem Spiel?

Die Ausgangslage: Was haben Twitter und Apple überhaupt miteinander zu tun?

Apple ist zum einen einer der wichtigsten Kunden für Twitter. Bloomberg zufolge gab Apple bislang weit über 100 Millionen Dollar pro Jahr für Werbung auf Twitter aus. Das dürften damit mehr als zwei Prozent der gesamten Werbeeinnahmen des Kurznachrichtendienstes sein. Vor allem aber stellt Apple die Geräte und das Betriebssystem, mit dem viele Nutzer - einschließlich Musk selbst - Twitter nutzen. In diesem Sinne ist Twitter ein Kunde oder Nutzer von Apple und muss sich an dessen Nutzungsbedingungen halten. Diese Bedingungen umfassen Regeln für den Inhalt von Apps und eine 15- bis 30-prozentige Kommission für Zahlungen in Apps auf iPhones.

Bei welchen Punkten in dieser Zusammenarbeit liegen Twitter und Musk über Kreuz?

Bei allen, zumindest laut Musk. Der beklagte auf seiner eigenen Plattform, dass Apple seine Werbung auf Twitter "weitgehend gestoppt" habe. Apple hat dazu bislang nicht offiziell Stellung genommen, also auch nichts zu möglichen Gründen verlauten lassen. Naheliegend ist allerdings, dass dem Konzern das seit Musks Übernahme veränderte Umfeld auf Twitter mit einer deutlichen Zunahme an Hassbotschaften und Falschnachrichten für seine Werbung nicht gefällt. Aus diesem Grund haben auch andere Unternehmen ihre Aktivitäten bei Twitter zurückgefahren. Musk formuliert seine Vermutung dazu als Frage: "Hassen sie Redefreiheit?" Außerdem deutet Musk an, dass Apple Twitter als Nutzer des App-Stores aufgefordert habe, in seinem Netzwerk stärker moderierend einzugreifen. Schließlich hat Musk keine Lust, 30 Prozent der möglichen Einnahmen aus dem geplanten Premium-Abo Twitter Blue, an Apple abzugeben. Das sei eine "Steuer auf Internet", die zehnmal höher als gerechtfertigt sei.

Was hat Musk jetzt vor?

Bisher hat Musk vor allem öffentlichkeitswirksam auf Apple geschimpft. Am aufsehenerregendsten war sein Tweet mit einem Meme, auf dem ein Auto zu sehen ist, dass eine Autobahnausfahrt mit der Beschilderung "In den Krieg gegen Apple ziehen" nimmt. Auf die Frage, ob er nicht mit Twitter ein eigenes Smartphone auf den Markt bringen könne, um nicht auf die Duopolisten Google und Apple angewiesen zu sein, antwortete Musk knapp mit "ja".

Neben diesen martialischen, aber rein rhetorischen Drohgebärden: Welche Handhabe hat Musk im Konflikt mit Apple?

Musk hat gedroht, Werbetreibende, die Twitter den Rücken kehren, öffentlich bloßzustellen. Offenbar in der Hoffnung, dass diese Unternehmen dann bei Twitter-Nutzern in Ungnade fallen. Und ihre Entscheidung überdenken. Diese Drohung hat er im Fall von Apple nun wahr gemacht. Dass dies irgendeinen Eindruck auf die Entscheider bei Apple gemacht hat, ist nicht erkennbar. Auch die Drohung, sich mit einer eigenen Alternative unabhängig von Apple und Google zu machen, ist kaum realistisch. Ein Weg, der Musk theoretisch noch bleibt, ist der vor Gericht, um feststellen zu lassen, ob Apple möglicherweise eine marktbeherrschende Stellung ausnutzt, um App-Anbietern seine Regeln und Zahlungsbedingungen aufzuzwingen. In einem bedingt vergleichbaren Fall hatte der Spiele-Entwickler Epic Games nur in einem von zehn Klagepunkten Erfolg.

Kann Apple Musks "Kriegszug" also einfach aussitzen?

Wahrscheinlich ja. Im Konflikt mit Epic Games hat Apple genau das getan und lieber in Kauf genommen, dass mit Fortnite seinerzeit eines der populärsten Spiele für iPhone- und iPad-Nutzer nicht mehr verfügbar war, als Zugeständnisse an den App-Anbieter zu machen.

Können Geschäftspartner wie Twitter und Apple nicht einfach miteinander reden und Kompromisse finden?

Genau das haben Vertreter der beiden Unternehmen auch getan bis zur Twitter-Übernahme durch Musk. Zum einen war die App-Store-Provision bis dahin kein Thema, da Twitter kein Abo-Modell hatte und die App auch kostenlos genutzt werden kann. Zum anderen, das mutmaßen zumindest Fachmedien, hat Musk mit der Hälfte der Twitterbelegschaft wohl auch für den Dialog mit Apple zuständige Mitarbeiter gefeuert.

Ist Musk also machtlos gegenüber Apple?

Dass er allein mit seinem öffentlichen Feldzug viel erreichen kann, ist unwahrscheinlich. Er könnte sich aber mit vielen anderen Unternehmen, die mit Apples App-Store-Regeln unzufrieden sind, zusammentun. So lobbyiert etwa in den USA die "Coalition for App Fairness" dafür, Apples und Googles Macht in diesem Bereich einzuschränken. Politiker und Wettbewerbshüter in mehreren Ländern haben das Thema bereits aufgenommen. Eine schnelle Lösung für Twitter, das dringend seine wegbrechenden Einnahmen erhöhen muss, ist dabei aber nicht zu erwarten.

Quelle: ntv.de

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