Wirtschaft

"Wir meinen es ernst" EnBW gibt Gebot für Prokon ab

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Wie entscheiden sich die Prokon-Gläubiger?

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Versorger EnBW will seinen Windenergie-Anteil weiter ausbauen. Das Unternehmen aus dem Südwesten will für Prokon etwas mehr als eine halbe Milliarde Euro hinblättern. Der Wert des Genossenschaftsmodells liegt allerdings höher.

EnBW bietet den Prokon-Gläubigern 550 Millionen Euro in bar. "Wir bieten Prokon einen Neuanfang und eine sichere Zukunft", warb EnBW-Finanzvorstand Thomas Kusterer während einer Telefonkonferenz um die Gunst der Eigner des insolventen Windparkbetreibers. "Wir meinen es ernst mit einem Ausbau der Windenergie".

Der Prokon-Gläubigerausschuss hatte den baden-württembergischen Versorger jüngst als bevorzugten Investor ausgewählt. EnBW ist damit der einzig verbliebene Bieter für Prokon. Auch der Solar- und Windparkbetreiber Capital Stage hatte ein Angebot für das insolvente Unternehmen abgegeben. EnBW muss bei den Gläubigern aber viel Überzeugungsarbeit leisten.

"Die EnBW-Offerte liegt 100 Millionen Euro unter der Bewertung des Genossenschaftsmodells", sagte Kusterer. EnBW sei an den Grenzbereich dessen gegangen, was betriebswirtschaftlich zu verantworten sei. Das Genossenschaftsmodell laufe über sehr viele Jahre und sei mit Unsicherheit behaftet, verteidigte der EnBW-Finanzvorstand die eigene Offerte. Das Unternehmen sei davon überzeugt, dass das finale Angebot sehr gut sei, betonte der Manager. Bei beiden Modellen würden die Prokon-Gläubiger 40 Prozent ihres eingesetzten Kapitals verlieren.

Entscheidung auf Gläubigerversammlung

Ob EnBW den Zuschlag erhält, entscheidet sich Anfang Juli. Dann sollen die Gläubiger von Prokon über einen Insolvenzplan abstimmen: Entweder entscheiden sie sich für eine Übernahme durch die Anleger in Form einer Genossenschaft oder für den Verkauf an EnBW. Die erste Variante sieht die Ausgabe einer Anleihe an alle Inhaber sogenannter Genussrechte vor. Bei der zweiten Variante erhalten alle Gläubiger eine Barzahlung.

Prokon betreibt derzeit 54 Windparks in Deutschland und Polen mit einer installierten Leistung von rund 530 Megawatt. Und weitere Projekte mit einer Gesamtkapazität von 4.200 Megawatt sind in Planung. EnBW sieht in einem Kauf von Prokon die Chance, das Geschäft mit den erneuerbaren Energien schneller als geplant auszubauen. Bis 2020 will der Konzern allein 3,5 Milliarden Euro in Windkraftprojekte stecken. Sollte EnBW trotz der Zuversicht des Managements nicht den Zuschlag erhalten, wolle EnBW andere Optionen prüfen, um weiter zu wachsen.

Prokon hatte an rund 75.000 Anleger Genussrechte ausgegeben und damit etwa 1,4 Milliarden Euro eingesammelt. Im Januar 2014 meldete der Windparkbetreiber Insolvenz an.

Quelle: n-tv.de, wne/DJ