Wirtschaft

Händler beäugen neue Aktie Eon schickt Uniper an die Börse

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Fototermin vor der Deutschen Börse in Frankfurt am Main: Uniper-Chef Klaus Schäfer.

(Foto: dpa)

Der Sprung aufs Parkett scheint zu gelingen: Allen Widrigkeiten zum Trotz treibt der Energieversorger Eon die Aufspaltung voran und entlässt seine frühere Kraftwerkssparte unter eigenem Namen in den Handel.

Die Aktien der Eon-Kraftwerkstochter Uniper haben am Tag ihres Börsendebüts zeitweise kräftig zugelegt. In den ersten Stunden stiegen die Papiere bis auf ein Tageshoch von 11,015 Euro. Damit lag der Börsenneuling in der Spitze gut zehn Prozent über seiner Erstnotiz bei 10,015 Euro. Der Sprung auf das Börsenparkett scheint damit trotz des schwierigen Umfelds gelungen zu sein: Der Dax notierte im Handelsverlauf zeitweise rund 2 Prozent im Minus und konnte sich erst am Nachmittag etwas von seinem Tagestief lösen.

Am Nachmittag hielt sich der Uniper-Kurs im Plus. Am Abend beendete der Titel seinen ersten Handelstag bei 10,315 Euro - und damit deutlich über seinem Ausgabepreis. Beobachter warnten allerdings vor allzu hohen Erwartungen: Aufgrund der Start-Modalitäten und der Abspaltung von Eon war die Uniper-Aktie kurzzeitig im Leitindex notiert. Bis zum Abend müssen institutionelle Investoren, die den Dax nachbilden, die Aktie wieder abstoßen. Mit entsprechenden Kursreaktionen sei zu rechnen, hieß es.

Uniper sei für Anleger attraktiv, die auf eine hohe Ausschüttung setzten, sagte Aktienexperte Frederik Altmann von Alpha Wertpapierhandel. "Bei einem Kurs von zehn Euro liegt die Dividendenrendite bei 5,5 Prozent." Ein weiterer Grund für das Plus im Vergleich zum Eröffnungskurs von aufgerundeten 10,02 Euro seien offenbar aufgelöste Wetten auf einen Uniper-Kursverfall.

Vor der Börsengang hatten Beobachter über massive Verkäufe von Index-Fonds spekuliert. Uniper wird als Eon-Abspaltung nur einen Tag als 31. Mitglied im Dax vertreten sein. Daher müssen Fonds, die den deutschen Leitindex abbilden, die Uniper-Papiere, die sie als Eon-Aktionäre zugeteilt bekamen, verkaufen.

Großzügige Starthilfe

Der Energieversorger verschenkte rund die Hälfte von Uniper an seine Aktionäre. Diese erhielten für je zehn Eon-Papiere einen Uniper-Titel. Zusammengerechnet waren Eon und Uniper am Montag an der Börse knapp 18 Milliarden Euro wert. Am Freitagabend lag die Marktkapitalisierung von Eon allein noch bei lediglich 15,9 Milliarden Euro. Innerhalb der ersten Handelsstunde wechselten jeweils mehr als neun Millionen Papiere der beiden Firmen die Besitzer. Das ist knapp die Hälfte des Umsatzes aller Dax-Werte.

Nach dem Börsengang der Eon-Abspaltung Uniper hält die DZ Bank hohe Abschreibungen bei Eon für wahrscheinlich. Auf Grundlage des ersten Kurses von 10,02 Euro ergebe sich eine Uniper-Marktkapitalisierung von 3,67 Milliarden Euro. Uniper steht noch mit rund 12 Milliarden Euro bei Eon in den Büchern. "Wir gehen nicht von einem extremen Anstieg der Uniper-Aktie aus und erwarten daher Abschreibungen in Milliardenhöhe auf den bei Eon verbleibenden Anteil an Uniper von 46,65 Prozent," kommentierte Analyst Werner Eisenmann die Lage. Er senkte seine Einschätzung des "fairen Werts" für Eon von zuvor 8,80 auf 7,00 Euro und bestätigte seine Empfehlung "Halten".

Eon-Finanzchef Michael Sen hatte bereits angekündigt, dass der Konzern im dritten Quartal weitere Abschreibungen vornehmen müsse, wenn der Marktwert von Uniper unter dem Buchwert liege. Eon nahm im ersten Halbjahr bereits Wertberichtigungen von knapp 3 Milliarden Euro auf Uniper vor.

Uniper ist nach eigenen Angaben ein internationales Energieunternehmen mit Aktivitäten in mehr als 40 Ländern und rund 13.000 Mitarbeitern. "Das Geschäft des Unternehmens ist die sichere Bereitstellung von Energie und damit verbundenen Dienstleistungen", heißt es in einer Selbstdarstellung für die Erstnotiz im sogenannten "Prime Standard" an der Frankfurter Wertpapierbörse. Zu finden ist die Aktie dort unter der Wertpapierkennnummer (WKN) UNSE01 oder der ISIN DE000UNSE018. Das entsprechende Börsenkürzel lautet UN01. Zu den geschäftlichen Aktivitäten des Unternehmens zählen die Stromerzeugung in Europa und Russland sowie der globale Energiehandel. Der Hauptsitz des Unternehmens ist Düsseldorf.

Quelle: ntv.de, mmo/DJ/rts