Wirtschaft

Kurssturz bei Prosiebensat1 Ermittler knöpfen sich Viceroy vor

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Nach der Aufsehen erregenden Einschätzung zur Lage bei Prosiebensat1 gerät das Analysehaus Viceroy auf den Radar der Ermittler.

(Foto: picture alliance / Sven Hoppe/dp)

Kritische Analystenstimmen von Viceroy unterstellen Prosiebensat1 fragwürdige Bilanzen - und schicken die Aktie des Medienkonzerns auf Talfahrt. Die Analysten verdienen mit dem Kurssturz Geld. Viceroy-Gründer Perring ist sich keinerlei Schuld bewusst.

Nach einem kritischen Analysebericht Anfang März stürzte die Aktie von Prosiebensat1 ab: Der Vorgang ruft jetzt die Staatsanwaltschaft auf den Plan. Die Strafverfolger in München leiteten Vorermittlungen wegen des Verdachts der Marktmanipulation ein, wie eine Sprecherin der Behörde sagte. Dabei arbeite man eng mit der Finanzmarktaufsicht Bafin zusammen. Die Bafin ‎prüft ebenfalls, ob eine strafbare Marktmanipulation vorliegt.

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Das Analysehaus Viceroy Research, das in Südafrika bereits ins Visier der Finanzaufsicht geraten war, warf Prosiebensat1 in einem 37-seitigen Papier eine fragwürdige Bilanzierung vor. Zugleich wettete Viceroy mit Leerverkäufen auf einen Kursverfall der Aktie des Münchner Medienkonzerns. Der Kurs stürzte am 6. März, dem Tag der Veröffentlichung, um rund acht Prozent ab und hat sich davon bisher nicht erholt. Prosiebensat1 wies die Kritik zurück und kündigte die Prüfung juristischer Schritte an. Die Vorwürfe seien unbegründet und falsch, hieß es.

Unabhängig vom Verdacht der Marktmanipulation wirft die Bafin Viceroy vor, sich nicht als Analysehaus angemeldet und damit gegen gesetzliche Informationspflichten verstoßen zu haben. Viceroy berief sich auf die Meinungsfreiheit und erklärte, man sei sich keiner Rechtsverletzung bewusst.

Zuletzt verteidigte sich Viceroy-Gründer Fraser Perring erneut und argumentierte, ein Leerverkauf (short sale) sei nicht weniger legitim als eine klassische Spekulation auf steigende Kurse (long sale). "Sie müssen jeden zur Verantwortung ziehen, egal ob er long oder short ist", sagte der Brite. Die deutschen Ermittler seien bisher nicht an ihn herangetreten. "Wir freuen uns über jede Kontaktaufnahme."

"Vizekönig" wiederholt im Visier

Die Firmenbezeichnung Viceroy verweist auf den Titel des britischen Statthalters und Vizekönigs von Indien in der Kolonialzeit. Perring hat sich mit einer Studie einen Namen gemacht, in der die Bilanzierung des südafrikanisch-deutschen Möbelkonzerns Steinhoff infrage gestellt wurde. Steinhoff räumte anschließend Unregelmäßigkeiten ein, woraufhin die Aktie einbrach.

Die Enthüllungen stürzten den Mutterkonzern der Möbelkette Poco auch in eine Liquiditätskrise. Nach einer kritischen Studie von Viceroy über die südafrikanische Bank Capitec begann die dortige Finanzaufsicht Ermittlungen gegen die Analysten wegen möglichen Marktmissbrauchs.

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt bereits in einem anderen Fall wegen Marktmanipulation gegen eine zweistellige Zahl an Beschuldigten: Die Aktie des Finanztechnologie-Anbieters Wirecard war in den vergangen Jahren wiederholt abgestürzt, nachdem im Internet Vorwürfe gegen das Unternehmen wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten laut geworden waren.

Wirecard hatte dies stets zurückgewiesen, die Vorwürfe erhärteten sich nicht. Die Staatsanwaltschaft betrachtet Wirecard wie auch Prosiebensat1 als Geschädigte.

Quelle: n-tv.de, mra/rts

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