Wirtschaft

Notfall-Kontakte werden erfragtErste Unternehmen bereiten sich auf einen Gasmangel vor

10.09.2026, 17:10 Uhr
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Erinnerungen an 2022 werden wach, als Russland Deutschland den Gashahn zudrehte. (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Wie im Jahr 2022 formulieren deutsche Unternehmen Erklärungen, warum sie auch bei einem Gasmangel dringend weiterversorgt werden müssten. Ein Netzbetreiber verlangt wieder Kontaktdaten für den Krisenfall. 

In der Wirtschaft wächst die Sorge vor einem Gasmangel. Dazu trägt eine E-Mail des Gasnetzbetreibers Westnetz bei, über die das "Handelsblatt" berichtet. Die Eon-Tochter fordert ihre großen Gaskunden demnach auf, ihre Kontaktdaten für den Krisenfall zu aktualisieren. "Durch die Verkettung witterungsbedingter, wirtschaftlicher, politischer und weiterer unvorhersehbarer Faktoren" könnten bei der Gasversorgung "Engpässe eintreten", zitiert die Zeitung aus dem Schreiben. 

Nach den Engpässen infolge des Ukraine-Kriegs hatte es diese Schreiben im vergangenen Jahr nicht mehr gegeben. Eine Beraterin berichtete der Zeitung, aktuell seien viele Unternehmen verunsichert.  

Energieintensive Großkonzerne zeigten sich gegenüber dem "Handelsblatt" dennoch zuversichtlich, dass ihre Produktion nicht gefährdet ist. BASF etwa verwies demnach auf seine langfristigen Lieferverträge. Covestro hingegen sieht bereits ein gewisses Risiko für die Gasversorgung im Winter. Und der Kunststoffkonzern ist nicht der einzige, der diese Gefahr sieht.  

Anwältin Yvonne Hanke von der Kanzlei Ritter Gent, die große Gaskunden betreut, berichtete der Zeitung, dass dort zum ersten Mal seit 2022 wieder Unternehmen sogenannte Schutzschriften verfassen lassen. Darin erklären sie, wie wichtig eine ununterbrochene Gasversorgung für sie ist. Denn im Falle eines Gasmangels würde Firmen als erstes der Hahn abgedreht. Ein vorgebrachtes Argument, dann neben Privatkunden und sozialen Einrichtungen bevorzugt zu werden, ist zum Beispiel, für ebensolche tätig zu sein oder dass bei einem Lieferstopp Maschinen kaputtgehen würden.  

Grund für die Angst vor einem Gasmangel sind die historisch niedrigen Füllstände der deutschen Gasspeicher. Die Bundesregierung dagegen betont, die Versorgung im Winter sei trotzdem gesichert. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche weist Warnungen der Gasspeicher-Lobby und scharfe Kritik der Opposition zurück und verweist auf kurzfristig verfügbares Flüssigerdgas (LNG). Grund für die niedrigen Füllstände ist die Preisentwicklung infolge des Iran-Kriegs, die das Einspeichern unattraktiv macht: Erdgas für den kommenden Winter ist günstiger als solches, das jetzt gekauft und eingelagert werden müsste.

Der Preis für europäisches Erdgas erreichte am Mittwoch infolge der Eskalation in der Straße von Hormus den höchsten Stand seit Ende 2022. Der richtungsweisende Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat stieg an der Börse in Amsterdam auf 79,11 Euro je Megawattstunde. Denn es wächst die Sorge, dass LNG-Lieferungen aus den Fördergebieten am Persischen Golf dauerhaft blockiert sein könnten. Europaweit sind die Gasspeicher nur zu 67 Prozent gefüllt, während es im langjährigen Durchschnitt 84 Prozent waren.

Stadtwerke befürchten dem Bericht zufolge, in diesem Winter wie 2022 infolge hoher Preise Kunden von Billiganbietern übernehmen zu müssen. Ihnen wurde damals gekündigt, weil die Discounter sie nicht mehr versorgen konnten.

Im Gegensatz zu Stadtwerken haben Billiganbieter für den kommenden Winter womöglich nicht genug Lieferungen zu Festpreisen vereinbart. Falls Stadtwerke zu viele von deren Kunden übernehmen müssten, würde allerdings auch die Vorsorge der Stadtwerke nicht mehr ausreichen.

Quelle: ntv.de, chl

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