Wirtschaft

Mehrheit der Betriebe zögertErste deutsche Firmen meinen: KI macht Akademiker ersetzbar

12.06.2026, 14:14 Uhr
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Die Umfrage wurde nur unter Firmen durchgeführt, die bereits KI verwenden. (Foto: picture alliance / Sueddeutsche Zeitung Photo)

Lassen sich Fachkräfte durch Mitarbeiter ersetzen, die zwar keinen Abschluss, keine Erfahrung haben, aber dafür ein KI-Modell an ihrer Seite? Die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland ist einer Umfrage zufolge skeptisch. Ein Teil der Betriebe zeigt sich offener.

Ein beträchtlicher Teil deutscher Unternehmen traut Künstlicher Intelligenz offenbar zu, Akademiker oder erfahrene Kollegen zu ersetzen. Das zeigt eine Umfrage des Ifo-Instituts unter Firmen, die KI nach eigenen Angaben bereits "im Einsatz" haben. Ein knappes Fünftel von knapp 3000 im Mai befragten Firmen hält es demnach für leicht oder sogar sehr leicht, anstelle von Arbeitnehmern mit Fach- oder Hochschulabschluss weniger qualifizierte Arbeitnehmer einzusetzen, denen eine KI hilft. Eine knappe Mehrheit der Unternehmen hält das für schwer bis unmöglich.

"KI verändert die Arbeitswelt und kann in manchen Bereichen auch formale Qualifikationen und Erfahrungen teilweise ersetzen", sagte Ifo-Wissenschaftlerin Anna Ruffert. Der höchste Anteil von Unternehmen, die KI für zumindest in Teilbereichen ebenso geeignet halten wie qualifizierte Fachkräfte, findet sich laut Ifo im Handel mit 28,6 Prozent.

Dass sie Berufserfahrung mithilfe von KI-Einsatz ersetzen können, davon sind die befragten Unternehmen weniger überzeugt. "Berufserfahrung ist für Unternehmen offenbar etwas schwerer durch KI zu kompensieren als formale Abschlüsse", sagte Ruffert. Nur rund 17 Prozent der deutschen Unternehmen, die bereits KI nutzen, halten es demnach für leicht oder gar sehr leicht, mit KI-Unterstützung einen erfahrenen Kollegen durch einen unerfahrenen zu ersetzen. 62,7 Prozent der befragten Betriebe gab an, das sei schwer bis unmöglich.

Auf Anfrage von ntv.de sagte Ruffert, die Umfrage zeige, "wie sich der Arbeitsmarkt entwickeln könnte, dass KI eine immer größere Rolle für Unternehmen spielt". Ob Unternehmen bereits Arbeitnehmer mithilfe von KI durch geringer qualifizierte ersetzen, müsse weitere Forschung zeigen. Sicher sei aber, "dass sich das Anforderungs- und Aufgabenprofil für Arbeitnehmer ändert", so Ruffert.

Dem Ifo-Institut zufolge setzen bisher 54,5 Prozent der Unternehmen in Deutschland KI in ihren Geschäftsprozessen ein. In den vergangenen Monaten haben weltweit zahlreiche Firmen den Abbau von Stellen wegen des verstärkten Einsatzes von KI angekündigt. Die britische Großbank Standard Chartered will etwa 7000 Jobs streichen. Die Facebook-Mutter Meta und der Onlinehändler Amazon bauen ebenfalls im großen Stil Personal ab. Dies schürt Zukunftsängste, vor allem unter Berufseinsteigern. Einer Gallup-Umfrage zufolge bereitet KI mehr als 70 Prozent der zwischen 1997 und 2012 geborenen "Generation Z" Sorgen oder ruft Unmut hervor. 

Quelle: ntv.de, lwe/dpa

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