Wirtschaft

Fuest im "ntv-Frühstart" "Es kommt auf eine Koalition der Mitte an"

Welche Auswirkungen hat eine neue Bundesregierung auf die Wirtschaft? Der Chef des ifo-Instituts warnt vor einer "radikalen Politik" und wirbt für eine moderate und gemäßigte Regierung.

Der Chef des Münchner ifo-Instituts, Clemens Fuest, hat mit Blick auf die nächste Bundesregierung für eine "moderate" Politik geworben. Die Wirtschaft und die Unternehmen müssten sich auch langfristig auf die Regierung verlassen können. "Es kommt vor allem darauf an, dass es eher eine Koalition der Mitte ist, dass es also eine gemäßigte, moderate Politik gibt, die dann durchaus Kompromisse macht. Es muss aber auch eine stabile Koalition sein", sagte Fuest im "ntv-Frühstart".

Dabei seien die Unterschiede zwischen einer Jamaika-, Deutschland- oder Ampel-Koalition nicht so entscheidend. Fuest betonte vielmehr: "Wichtig ist, dass eine zu radikale Politik in die eine oder andere Richtung vermieden wird." In diesem Kontext warnte Fuest vor einem rot-grün-rotem Bündnis. Die "größte Veränderung" für die Wirtschaft würde entstehen, wenn die Linke an einer Regierung beteiligt wäre, so der ifo-Chef.

In solch einer Koalition wären "dann schon drei Parteien, die jedenfalls in ihren Parteiprogrammen ein paar Punkte haben, die für die Wirtschaft größere Veränderungen bringen - und nicht unbedingt zum Besseren". Als Beispiel nannte Fuest die Vermögenssteuer, die gerade für mittelständische Unternehmen einen enormen "Verwaltungs- und Bewertungsaufwand" zur Folge hätte. Dies hätte zur Folge, dass Unternehmen vermehrt im Ausland investieren würden.

Zu den Klimaschutzplänen der Parteien sagte Fuest, dass mehr nicht immer besser sei. "Wir müssen aus ökonomischer Sicht stärker auf eine konsistente Klimapolitik setzen, zum Beispiel den CO2-Preis wirklich in den Mittelpunkt stellen. Dann brauchen wir nicht so viele zusätzliche Regulierungen."

Vierte Welle ist "Störfaktor"

Mit Blick auf die derzeit hohe Inflationsrate sieht Fuest wiederum keinen Grund zur Sorge. Nach der sehr niedrigen Inflationsrate im vergangenen Jahr gebe es nun so etwas wie eine "Normalisierung". "Wir erwarten beim ifo, dass wir jetzt ein paar Monate noch erhöhte Inflationsraten haben, aber dass sich das dann wieder normalisiert."

Im letzten Jahr seien die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise zwar schlimm gewesen, so Fuest. Jedoch sei das Geld nicht entwertet worden. "Das holen wir jetzt wieder nach. Es ist nicht schön, dass wir diese Geldentwertung haben, aber es ist keine außergewöhnliche Situation und auch keine beschleunigte Geldentwertung, dass man sich jetzt wirklich Sorgen machen muss", sagte der ifo-Chef.

Die aktuelle Corona Situation und eine mögliche vierte Welle im Herbst könne allerdings schon ein "Störfaktor" für die Wirtschaft sein. "Wir sehen das auch bei den Unternehmensbefragungen des ifo-Instituts. Im Bereich der Gastronomie und Reise, da sagen die Unternehmen, dass sie für die nächsten sechs Monate Probleme erwarten." Zwar hätten die Unternehmen "Angst" vor der vierten Welle, allerdings werde diese anders sein, als die vergangenen Wellen, da so viele Menschen bereits geimpft sind. "Ein kleiner konjunkturdämpfender Effekt ist durchaus zu erwarten, aber kein so harter Absturz wie in den vergangenen Wellen", sagte Fuest.

Quelle: ntv.de, psa

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